Neues aus dem Mikos Kosmos

Den vier Russen scheint es in Berlin zu gefallen; denn nach dem sie im Sommerprogramm des Wintergartens die Lachmuskeln des Publikums strapaziert haben, sind sie nun im aktuellen Programm (bis zum 25 Januar 2004) erneut zu sehen.

Das unter dem Namen Mikos vereinte Clowns-Quartett zeigt zwar viele seiner schon vom Sommer her bekannten Gags, aber langweilig wird es bei der Klasse nie, man kann sie halt immer wieder ansehen. Da bleibt kein Auge trocken. Wenn einer von ihnen zum Beispiel mit Plastikbeuteln jongliert. Das sieht so einfach aus. Aber haben Sie es schon mal probiert? Sie werden sich wundern, wie kompliziert das ist. Damit man am heimischen Herd einmal selbst üben kann, bekommt man beim Nachhausegehen drei der Beutelchen geschenkt, zusammen mit einer Beschreibung, wie man es machen muss. Der melancholische, skurrile Humor der vier Artisten begleitet einen durch das gesamte Programm. An ihrer Seite eine erlesene Auswahl internationaler Varieté-Künstler. Ihre Ausbildung an der internationalen Zirkusschule Paris und am Conservatoire de Danse verrät die aus einer Künstlerfamilie stammende Französin Crystelle mit jeder ihrer anmutigen, kraftvollen Bewegungen am Vertikalseil, ein gekonnter Mix aus Tanz und Akrobatik. Was man auf offener Bühne Fantastisches mit einem Rhönrad anstellen kann, zeigt der Ukrainer Konstantin Mouraviev. Die Teslenkos – drei junge Moskauer und ihre Schwester – jonglieren nicht nur rasend schnell mit Ringen und Keulen, sie balancieren dabei auf den Köpfen ihrer Partner. Ihre tolle Leistung wurde im vergangenen Jahr mit der Goldmedaille beim europäischen Nachwuchsfestival in Wiesbaden honoriert. Ihre Landsmännin Yelena Larkina hat sich die Hula-Hoop-Reifen als artistisches Requisit auserkoren; mit Eleganz, Gelenkigkeit und im feurigen Tanz bewegt sie die goldglänzenden Ringe um ihren schlanken Körper. Faszinierend die Artistik der fünf Zebras, Kraftakrobaten aus Rußland. Sie balancieren auf Händen und Köpfen, bilden Pyramiden, wirbeln sich gegenseitig durch die Luft, drehen Schrauben und Salti. Unterstützt werden ihre harmonischen, geschmeidigen Bewegungen durch ihre fantasievollen Kostüme, gestreift wie Zebras, mit schwarz-weißer Kruppe vom Kopf bis auf den Rücken.
Eine Entdeckung waren für mich die Blackwits aus Prag. Sie selbst sind in ihrer dunklen Kleidung auf der abgedunkelten Bühne nicht zu sehen, dafür aber werden die von ihnen geführten Marionetten, allerliebste Käfer, Engelchen und Raupen auf einer bunten Wiese, voll ins Licht getaucht, zelebrieren spaßige Geschichten mit echt tschechischem Humor.
Als mich beim Verlassen des Varietés der Portier Hermann Schönefeld wie üblich mit der Frage “Na, wie war´s, hat das Programm gefallen?” verabschiedete, konnte ich nur – auch wie üblich – antworten: “Prima, eben Wintergarten.”  Gerry Michaél
Wintergarten Varieté. Potsdamer Straße 96, 10785 Berlin. Ticket-Hotline 030/25008888.

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