Konsum Berlin mit neuer Vertreterversammlung

Wie im Beitrag „Konsum Berlin lebt noch“ (Ausgabe 9/05) avisiert, fanden satzungsgemäß vom 17. bis 31. Mai 2005 in 14 Wahlbezirken die Wahlen der Vertreter und Ersatzvertreter in die Vertreterversammlung der nunmehr 106jährigen Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend eG statt.Beworben hatten sich 86 Mitglieder, von denen entsprechend dem im Statut (§ 16)  vorgegebenen Schlüssel 71 Vertreter (davon 25 neue) und 15 Ersatzvertreter  gewählt wurden.
Die Wahlen waren entsprechend dem Statut (§ 36) am 2. Mai in der Berliner Zeitung angekündigt worden, darüber hinaus gab es redaktionelle Veröffentlichungen in den Berliner LOKALNACH-RICHTEN und in der Berliner Woche. In konsumeigenen Immobilien wie den an extra, Plus und Spar vermieteten Kaufhallen, wurde mit Plakaten und Handzetteln auf das Ereignis aufmerksam gemacht. Zentrales Wahllokal war der Firmensitz in der Josef-Orlopp-Straße in Berlin Lichtenberg, dazu kamen mobile Wahllokale in mehreren Stadtbezirken.
Insgesamt nahmen 1.656 Konsummitglieder an der Wahl teil, knapp über 800 davon waren Briefwähler. Wie vom Konsum-Vorstand verlautet, sind die auch vom Konsum-Prüfverband geprüften Wahlen „ordnungsgemäß und ohne Vorkommnisse verlaufen“. Es habe weder Beschwerden noch Einwände gegeben. Allerdings gab es von zahlreichen Mitgliedern kritische Fragen und Hinweise zur Informationspolitik von Konsum Berlin. Bemängelt wurde in diesem Kontext vor allem von jenen Mitgliedern, die nach der Wende insgesamt – jetzt vakante! – rund 57 Millionen Euro Anteile in „ihren“ Konsum investiert haben, dass keine öffentlichen Daten und Fakten zur aktuellen Unternehmenslage der seit über einem Jahr in Insolvenz befindlichen Genossenschaft vorliegen. In den Wahllokalen selbst informierten Konsumvertreter über ihre Arbeit und gaben Auskunft zu den globalen Problemen der Genossenschaft.
Wie die Berliner LOKALNACHRICHTEN in Ausgabe 9/05 informierten, liegt das Insolvenzverfahren gegenwärtig beim Bundesgerichtshof (BHG) in Karlsruhe. Zwei Großgläubiger – Westdeutsche Immobilienbank( WIB) und Real SB-Warenhaus GmbH (als neuer Besitzer der extra-Läden) hatten zum Jahresende 2004 – auch für manchen Insider völlig überraschend – Rechtsbeschwerde eingelegt. Gegenstand ist das Urteil des Landgerichts Berlin vom 20. Oktober 2004, in dem der vom Berliner Amtsgericht am 23. Juni 2004 bestätigte Insolvenzplan von Rechtsanwalt Dr. Schröder als Insolvenzverwalter für rechtswidrig erklärt worden war. Bei Redaktionsschluss lag aus Karlsruhe noch keine Reaktion auf die Beschwerde vor, so dass sich Konsum Berlin gegenwärtig weiterhin in einem schwebenden Insolvenz-Verfahren mit offenem Ausgang befindet.
Auf der konstituierenden 30. Vertreterversammlung am 28. Juni standen die Sanierungsbemühungen, mit denen das traditionsreiche Unternehmen aus der Insolvenz geführt werden kann, im Mittelpunkt der konstruktiven Debatte, nachdem zuvor alle 71 gewählten Vertreter ihre Berufung ins höchste Gremium der Genossenschaft angenommen hatten. Darüber hinaus wurde ein um zwei Mitglieder erweiterter Aufsichtsrat neu gewählt. Ihm gehören nunmehr Dr. Hansjürgen Doss, Rainer Görtz, Manfred Wegge, Jutta Cekan, Susanne Falke, Dr. Matthias Schindler, Josef Veldhues, Jörg Schleyer sowie Dr. Götz-Sebastian Hök als alter und neuer Vorsitzender an.
Werner Rahn

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