Heidelbeersaison startet am 7. Juli in Kremmen: Falken und Fledermäuse als Schädlingsbekämpfer

Kulturheidelbeeren sind derzeit Brandenburgs wichtigste Strauchbeerenart.  Aufgrund ihrer Beliebtheit erhöhte sich deren Anbaufläche seit 2012 von 99 Hektar auf rund 415 Hektar im Juni 2021. Geerntet wurden 1.823 Tonnen. Diese Erntemenge entspricht fast der Hälfte der gesamten Beerenernte. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 39 Prozent mehr Heidelbeeren gepflückt.

Der offizielle Start der diesjährigen blauen Saison erfolgt am Donnerstag, den 7. Juli 2022 um 11.00 Uhr auf dem Spargelhof Kremmen bzw. direkt in den Heidelbeerkulturen.

 

In Kremmen werden derzeit auf rund 35 Hektar Kulturheidelbeeren angebaut. Im Jahr 2021 konnten dort 122 t der blauen Beeren von den noch recht jungen Kulturen geerntet werden; zukünftig dürften die Erträge weiter steigen. In Kremmen werden vier verschiedene Heidelbeersorten angepflanzt. Zuerst wird die Sorte `Duke´, dann `Bluecrop´, dann `Draper´ und zum Schluss `Liberty´ geerntet.

Bei der Ernte wird vollständig auf mechanische Methoden, wie z. B. Erntekämme, verzichtet. Die reifen Beeren werden ausschließlich handverlesen geerntet, so dass noch unreife Früchte weiterreifen können. Das 70-köpfige Team vom Spargelhof Kremmen wird während der Heidelbeerernte von etwa 50 motivierten Erntehelfern unterstützt.

In den ersten Maiwochen kommt eine große Vielfalt von Bienen sowie Wild- und Zuchthummeln zum Einsatz, um eine starke Bestäubungsleistung und gute Fruchtentwicklung zu garantieren. Damit diese sich an die Heidelbeerkulturen binden, hat der Betrieb in Kremmen sehr viele Weiden und andere Frühblüher angepflanzt sowie zahlreiche Behausungen für Wild- und Honigbienen geschaffen.

Falken und Fledermäuse als Schädlingsbekämpfer im Heidelbeeranbau

Da Insektizide und Herbizide einen schädigenden Einfluss auf Wild- und Honigbienen haben, stehen sie in der Kritik und werden wegen ihres potentiellen Nebenwirkungsprofils von einigen Verbrauchern und Politikern kritisch gesehen. Trotzdem muss etwas gegen Pflanzenschädlinge unternommen werden, damit die Erträge nicht zu stark sinken. Alternativen sind daher gefragt.

In Kremmen werden nun erstmalig Turmfalken zur effektiven Schädlingsbekämpfung eingesetzt, um den Heidelbeeranbau zu schützen.  Die Greifvögel, deren Ansiedlung bewusst durch Nisthilfen forciert wurde, jagen Mäuse, die sich gern in Heidelbeerplantagen vermehren und die Wurzeln der Sträucher anfressen. Mittlerweile leben in Kremmen drei Turmfalkenpaare, die auch schon erfolgreich gebrütet haben.

Die natürlich biologische Abwehr von Nagetieren durch Turmfalken funktioniert auch bei Vögeln. „Die bloße Anwesenheit der Turmfalken hat sich bereits als abschreckend erwiesen, so dass die gefräßigen Stare nicht mehr in Scharen über unsere reifen Beeren hereinfallen, die bis zu mehreren Tonnen vernichten können“, berichtet der Produktionsleiter für Heidelbeeren Roland Bläsche.

Der 58-jährige Forstwirt ist seit 2013 in Kremmen und bringt dort seine langjährige Expertise im Bereich Wildpflanzen, Beikräuter und Biodiversität ein. Zukünftig möchte Bläsche auch Fledermäuse zur Schädlingsbekämpfung in den Heidelbeerplantagen einsetzen. Die Fledermäuse sollen dann Nachtfalter dezimieren, so dass sich diese nicht weiter zu Raupen und Engerlingen unter der Erde entwickeln und die Wurzeln der Heidelbeerpflanzen schädigen.

Praktizierter Artenschutz

Neben den Vorteilen für den Gartenbau ist diese Ansiedlung von Vögeln vor allem auch eines: bewusst praktizierter Artenschutz. „Um die tierischen Helfer in der Nähe unserer Plantagen erfolgreich anzusiedeln, bedarf es weiterer Nisthilfen, Ansitzstangen sowie ausreichend Schlafplätze für Vögel und Fledermäuse. Aber auch strukturierende Landschaftselemente wie Hecken und Feldgehölze sowie ungenutzte Ackerränder und Blühstreifen unterstützen das Anlocken dieser Tiere.

„Die Vorteile beim Einsatz fliegender Pflanzenschützer liegen auf der Hand. Es werden weniger chemische Pflanzenschutzmittel eingesetzt und wir fördern gleichzeitig den Erhalt von bedrohten Arten. Wir verstehen unsere Falken und Hummeln als eine umfassende Ökosystem-Dienstleistung, die neben dem aktiven Artenschutz auch hilft, Geld zu sparen. Außerdem freuen sich alle Heidelbeer-Fans aus der Region, wenn sie wissen, wie naturnah unser Heidelbeeranbau funktioniert“, so Geschäftsführer Malte Voigts.

Als gesundes Superfood ist die Kremmener Heidelbeere auch geschmacklich nicht zu toppen. Von den 35 Hektar Heidelbeerkulturen sind bisher ca. 3 Hektar – eine frühe, mittlere und späte Sorte – für die Selbstpflücke freigegeben. Wer seine blauen Beeren aber lieber bequemer genießen will, kann dies auch tun. Denn dank ihrer Lagerfähigkeit lässt sich die Heidelbeere sehr gut über die Direktvermarktung sowohl im Hofladen als auch an den rund 10 Verkaufsständen in der Region vermarkten.

Bildnachweis: CC0 via pixabay.com

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