Freitag, Samstag, Sonntag in der “Distel”

Die dramaturgische Idee der Autoren  Peter Ensikat  und Wolfgang Schaller für die Gemeinschaftsproduktion der Berliner Distel und der Dresdener Herkuleskeule für die neueste Premiere “Robinsöhne, reif für die Insel” der (immer noch) im Admiralspalast an der Friedrich-straße ansässigen “Distel” ist ein schöner Einfall: die moderne Robin-sonade auf einer fiktiven Insel.
Werbeaufsteller, Schwimmring, Liegestuhl und Plastikpalme bieten die buntschillernde Kulisse für eine Mischung zwischen Nummernprogramm und Comedy. Die handelnden Personen: Edgar Harter als scheinbar cleverer Wessi-Bunisser “Sonntag”, der als Inselbesitzer im Grundbuch eingetragen ist, Gert Kießling als tatsächlich wortgewand-ter, bei genauem Hinhören unangenehmer, typischer Otto Normal-verbraucher “Samstag” aus der verblichenen Ost-Republik. Schließlich die attraktive Bastienne Voss als überaus stil- und reizvoller “Freitag”.
Der eine hat gekauft, der andere ist per Tourismuskonzern HUI gestrandet, die dritte wirft sich singend, tanzend und grimassierend als “Kupplerin” zwischen Ost und West. Sie alle zusammen sorgen nach mäßigem Start mit zunehmender Spieldauer mit witzig hintergründigen, auch brandaktuellen Texten für gute Unterhaltung. Wenngleich mancher Kalauer (“Ich hab nichts ge-gen Bergvölker, ich liebe die Bayern”) besser ungesagt geblieben wäre. Jedoch: das Premierenpublikum sparte nicht mit Beifall und Blumen.
Dieses nunmehr einhundertfünfte (!) “Distel”-Programm steht in einer Tradition, die im geschichtsträchtigen und jetzt vom Senat erneut zur Privatisierung ausgeschriebenen Admiralspalast-Komplex ihren An-fang nahm. Und von der zu hoffen ist, dass sie am gleichen Ort auch fortgesetzt werden kann. Der Appell “Ich fordere den Senat von Berlin auf, die Spielstätte der Distel im Admiralspalast in ihrer Existenz nicht zu gefährden” fand bis Redaktionsschluss schon mehr als 5.500 Unter-zeichner. Keine Frage, der Lokalnachrichten-Rezensent  war auch dabei.

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