Bekanntschaften: …“starke” Frauen am Wolfgangsee

Am Wolfgangsee

Unser Team, sechs Unternehmungslustige, alle 50plus, startete mit einem Seat Alhambra ab Berlin Wannsee mit dem DB-Autozug. Bequemer nach Salzburg und damit an den Wolfgangsee zu kommen, geht wohl kaum. Schon kurz hinter Berlin begannen die auffälligeren, angenehmen Erlebnisse. Eine junge Schaffnerin, sie kam aus Dresden, öffnete uns den Durchgang von einer Schlafkabine zur anderen. So konnten wir den Abend, das Abendbrot und auch den obligatorischem Absacker gemeinsam geniessen. Als wir nach erfrischender Dusche in die “Kojen” stiegen  wussten wir uns bis Salzburg in guter, stressfreier Bahn-Obhut samt Gepäck und PKW. Die Fahrt nach Salzburg liess uns den Rückweg von München nach Berlin optimistisch erwarten.

Eigentlich ist die WolfgangseeRegion, mit der “schönsten Bühne des Salzkammergutes, dem Wolfgangsee”, bekannt wegen seiner landschaftlichen Schönheiten und Reize in allen vier Jahreszeiten. Zum hohen Bekanntheitsgrad tragen und trugen auch bei, Europas ältester Pilgerweg zu den Kultstätten des heiligen Wolfgang, der Handlungsort des weltberühmten Lustspiels  “Im Weissen Rössl”, der weltbekannte Volksschauspieler Teo Lingen, der in Strobl mal kurze Zeit Bürgermeister war, und Altbundeskanzler Helmut Kohl der sich einst mit seiner Familie in St. Gilgen immer wieder zum Urlaub einfand.

Es sind nun schon einige Wochen vergangen und noch immer klingt mir das freie, selbstbewußte, helle Lachen der Maria Schmeisser im Ohr. Die Kirchenwirtin aus Strobl vereint in sich viel von dem, was man unter einer “starken” Frau verstehen möchte: ausstrahlender Optimismus, Tatkraft, Kompetenz, Einfühlungsvermögen, frauliche Attraktivität und sehr viel Charme. Die sehr agile Mutter zweier prächtiger Kinder stand vor etwa einem Jahr plötzlich alleine vor der Aufgabe, die vom geliebten Mann angefangenen Aktivitäten für die Region, die Pension und die Familie, weiter- bzw. zum Erfolg zu führen. Alle, mit denen wir über die junge Wirtin sprachen, bestätigten es: die Maria hat`s gepackt. In den vergangenen Monaten konnte sie immer öfter sagen ”umblättern”, was für sie soviel heißt wie: Vorhaben geschafft, jetzt kommt das Nächste dran. “Essen wie bei Oma”, “Erholsam und gemütlich”, “Urlaub wie im Bilderbuch” sind die Leitsätze der Kirchenwirtin, die im 3400-Seelen-Dorf Strobl am Ostufer des Wolfgangsee dem gutbürgerlich geführten Familienbesitz, nun in der dritten Generation, vorsteht. Wir waren dabei, als Sohn Josef strahlend von seiner bestandenen Prüfung kam. Stolz zeigte er uns das Anerkennungsgeschenk von seiner Mutter, eine hirschlederne Trachtenhose. Der Tochter Victoria, gelernte Hotelkauffrau, begegneten wir nachmittags oder abends in der Reception und beim herrichten des Frühstücksbufett, das stets liebevoll und reichlich mit hauseigenen Produkten gedeckt, den Tag so richtig schön beginnen ließ.

Maler hätten ihre wahre Freude gehabt an der Farbvielfalt, alleine schon wegen der unterschiedlichsten Grüntönungen, die sich Anfang Mai rund um den am “wärmsten werdenden und saubersten Badesee des Salzkammergutes”, so das Prospekt, präsentierten. Die Fahrt mit dem Wolfgangseefahrgastschiff Amadeus, beginnend in Strobl mit Halt in St. Wolfgang bis nach St. Gilgen, gab die Zeit, um das herrlich bunte Fleckchen Bilderbuch-Österreich zu genießen.

Reisegruppen, Japaner in der Mehrzahl, belagerten nahe der Anlegestelle die Souvenierstände in St. Gilgen. Das Geburthaus der Mutter Mozarts , wertvolle heimatkundliche Sammlungen in kleineren Museen, das repräsentative Rathaus mit dem Mozartbrunnen, Friedhof, Kirche, das Cafe Dallmann – hier hatte Helmut Kohl seinen Stammplatz – bieten abwechslungsreiche kulturelle Erlebnisse und dem Hobby- ebenso wie dem professionellen Fotografen interessante Motive.
Hier erlebten wir den Wirt am Gries. Ausgezeichnet zum “Salzburger Bauernherbstwirt 2001” bieten Elisabeth und Martin Tritscher Salzburger Wirtshauskultur vom Feinsten. Mit liebevoll zubereiteten regionalen Köstlichkeiten erreichen sie es immer wieder, den Gaumen des Gastes zu verwöhnen. Wir genossen ein Milchlammgericht. Es lässt uns noch heute das Wasser im Munde zusammenlaufen, wenn man nur daran denkt. Eine unverkennbare Grundlage für die Gemütlichkeit der Gaststube, in der 110 Personen gleichzeitig Platz finden, sind viele liebevoll angeordnete Details von Jagdtrophäen, Bauerngerät bis hin zur Obstlerbar. Kommst du mit dem jungen Wirt ins Gespräch, erfährst du mit welchem Engagement schon im Frühjahr eine Jahreszeit vorbereitet wird, die im ganzen Salzburger Land eine immer größere Rolle spielt, der Bauernherbst. Vergangenes Jahr dominierten Kunstwerke aus Holz, in diesem Jahr wird Kunstvolles aus Stroh die Bauerndörfer und Wirtshäuser zieren.

“Den Lärm der Welt vergessen” soll der Urlauber im Hotel Hollweger in St. Gilgen. Man muss schon ein Stückchen bergauf. Aber es lohnt sich, dieses exzellente Familienunternehmen kennenzulernen. Gerda Hollweger, lässt uns rätseln über die sehr geschmackvolle Inneneinrichtung, die dem Haus ein unvergleichliches Ambiente verleiht. War sie die Architektin? Ihrer äußeren, sehr gepflegten Erscheinung nach zu urteilen, könnte sie es gewesen sein. Die Antwort bleibt im Raume stehen. Wir geniessen einen einmaligen Ausblick auf St. Gilgen und den Wolfgangsee, und wir lassen uns einen schmackhaften selbstgebackenen Kuchen munden.

Zugegeben, Schafsmilch habe ich noch nie getrunken. Ob aus Mangel an Gelegenheit oder aus welchen Gründen auch immer. Es sollte am Wolfgangsee das erste Mal gewesen sein. Christine Eisl, Herrin über 145 Milchschafe, Mutter von zur Zeit sieben (7!) prächtigen Kindern, lud uns auf ihrem Hof auf der Halbinsel Abersee zum Schafsmilchkosten ein. Zuvor haben wir die sehr sauber gehaltenen Tiere erleben dürfen. Wir konnten ihnen in die Augen sehen, sie beim Fressen beobachten und auch die Melkanlage bewundern. Wir waren fasziniert von diesem Anblick und von dem was uns diese sehr selbstbewusste schlanke Mutter noch erzählte. 37 Hektar groß ist das Bauerngut – mit eigener Alm – versteht sich. Seit 1982 haben sie sich von Milchkühen auf Milchschafe umgestellt. Seitdem wird die wohlschmeckende Schafsmilch von gut ausgebildeten Mitgliedern des Familienbetriebes in einer modern eingerichteten, nach höchsten Hygieneansprüchen ausgestatteten Hofkäserei, verarbeitet. Wir probierten auch den Aberseer Schafkäse und den Schafmilchjoghurt. Wir tranken die wohlschmeckende Schafsmilch und staunten über die vielen Auszeichnungen: 36 mal Gold für Spitzenqualität, die erstmals 1997 ausgeschriebene “Goldene Käseharfe” und der 1999 verliehene “Käsekaiser” für den besten Schafskäse Österreichs.

Wer einmal am Wolfgangsee ist, der interessiert sich auch für den offenbarenden Überblick. Mit der Schafbergbahn, ob kohlebetrieben, ölbefeuert oder mittels Diesel kann man von St. Wolfgang aus, auf 5,85 km Schienenstrecke den Höhenunterschied von 1190 m überwinden. Auf der Schafbergspitze, in 1734 m Höhe, bietet sich dann ein Panorama ohnes Gleichen. Sieben Seen, viele Berge – und alle Bergspitzen haben einen Namen – Dörfer und Städte, so klein wie in der Miniaturenwelt, liegen dem Schafberggipfelbesteiger zu Füßen. Wir hatten Glück mit der klaren Sicht und dass wir auch noch einige Paragleiter, vom Anlegen der Schirme bis hin zur Landung auf den Wiesen vor St. Gilgen, beobachten konnten.

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