Neue Visionen für den Antonplatz

Lediglich die mannshohe Bronzeskulptur eines Bauarbeiters zieht den Hut vor der Tristesse, die auf dem südlichen Teil des Antonplatzes herrscht. Schnurstracks eilen Passanten über die Betonfläche auf ihrem Weg von der Berliner Straße zur Bizetstraße ins Komponistenviertel.

Vorbei führt ihr Weg an einer scheinbaren Ruine, mit eingeschlagenen Fensterscheiben, riesigen Putzabbrüchen an der  Fassade sowie rostbeschichteten Dachrinnen. Doch dieses Bild könnte bald der Vergangenheit angehören. Aus der einstigen Ruine ist ein großzügiges Kulturzentrum mit zahlreichen Freizeitangeboten für die Weißenseer geworden. Und im kleinen Park mit gemütlichen Sitzecken, ein schattiges Plätzchen und ein sprudelnder Brunnen lädt die Passanten zum verweilen ein. Diese Vision für den Antonplatz findet immer mehr Befürworter. „Derzeit arbeiten wir an einem schlüssigen Konzept“, sagt Wirtschafts- und Kulturstadträtin Almuth Nehring-Venus (Linkspartei-PDS). Während sich die Wohnqualität in den letzten Jahren im Sanierungsgebiet „Komponistenviertel“ zwischen Berliner Straße und Smetanastraße erheblich verbessert hat, besteht im Kiez hinsichtlich der kulturellen- und sozialen Infrastruktur gewaltiger Entwicklungsbedarf. Ein erster Schritt, dieses Manko zu beseitigen, war der Neubau an der Bizetstr. 41. In dem mehrgeschossigen Haus hat in diesem Jahr die Bezirks-Bibliothek mit einem Bestand von mehr als 74.000 Büchern, Schallplatten, CD, Videos, sowie DVD und Spielen ihr neues Domizil bezogen. Auch die Volkshochschule nutzt dort Räume. Doch der Platz reicht nicht. Eine spürbare Verbesserung könnte der Aus- und Umbau des sich unmittelbar an den Neubau anschließenden Gebäudes sein. Derzeit ist es in einem verwahrlosten Zustand. Es soll dennoch zu einem Bildungs- und Begegnungszentrum ausgebaut werden, so die Idee. Das einstige Verwaltungsgebäude der Polymant-Gummiwerke mit vier Obergeschossen und zwei Untergeschossen bietet mehr als 2000 Quadratmeter Nutzfläche. Noch befindet sich das dringend sanierungsbedürftige Haus in Privatbesitz. Doch der Besitzer befindet sich in Insolvenz und sei an einem Verkauf an den Bezirk interessiert.„Die Etagen eignen sich aufgrund ihres Zuschnittes und dem Vorhandensein ausreichender Rettungswege hervorragend zur Nutzung als Unterrichtsräume für die VHS“, sagt Frau Nehring – Venus.
Der Erwerb des Hauses könnte ohne Belastung des Bezirksetats erfolgen. Der Kauf des Grundstücks und Gebäudes sowie die Finanzierung der Sanierungsmaßnahmen wären laut einer vom Bezirk erarbeiteten Studie gesichert. Demnach steht das notwendige Geld für den Kauf, 268.000 Euro sowie 1,2 Millionen Euro Fördermittel für die Sanierung des Hauses, bereit. Voraussetzung, um das notwendige Geld vom Senat zu erhalten, ist ein Beschluss des Bezirksamtes. „Ich hoffe, daß wir noch vor den Sommerferien einen entsprechenden Entscheid fassen“, sagt die Stadträtin. Nur dann sind Verhandlungen mit dem derzeitigen Eigentümer der maroden Immobilie möglich.
Mienleh

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