Immobilienmarkt unserer Stadt muss Krankheitssymptome auskurieren

In allen Immobilienhochburgen gingen in den ersten Monaten dieses Jahres die Vermietungsleistungen in die Knie. Auch der Berliner Immobilienmarkt darf derzeit “als nicht sehr gesund” bezeichnet werden. “Noch nie war die Stimmung so schlecht,” sagte Dr. Wulff Aengevelt, Geschäftsführender Gesellschafter der Aengevelt Immobilien KG, zum 1. Immobilienstammtisch des Märkischen Presse- und Wirtschaftsclubs in Berlin.

Projektentwickler hielten sich zurück, viele Pläne landeten vorerst in der Schublade. Untervermietungen in Leerstandsobjekten – 1,7 Mio qm Bürofläche stehen derzeit leer – drückten auf die Preise. Chancen zur wirtschaftlichen Belebung durch den Ausbau eines Luftdrehkreuzes seien verpasst, Ansiedelungsstrategien nur von marginalem Erfolg gekrönt. Dabei sei mit Blick auf 100 000 qm künftig an die Nutzer zu bringenden Flächen in der City die Entscheidung von Universal Music für Berlin ein “Glückstreffer”.
“Erstaunlich, dass trotz allem in den Berliner Markt von außerhalb mehr Vertrauen gesetzt wird, als es die Stadt selbst tut.” Gewerbliche Investoren sorgten trotz des angeschlagenen wirtschaftlichen und politischen Klimas für ein im Vergleich zum Vorjahr bisher stabiles Umsatzvolumen von 250 Mio Euro im ersten Quartal. Auch der Flächenumsatz sei seit 1991 mit 400 000 bis 500 000 qm pro Jahr bislang relativ stabil geblieben. Sieben Mio qm Bürofläche wurden seit 1990 neu gebaut oder auf neuesten Stand gebracht, vier Mio qm alte, nicht marktgerechte verschwanden.
“Berlin bietet hervorragende Flächen mit passgerechtem Preis – Leistungsangebot, kann mit Super-Standorten wie dem Beisheim- und Delbrück Zentrum am Potsdamer und Leipziger Platz in der europäischen Spitzenliga mitspielen,” schätzt Dr. Rolf Scheffler von Aengevelt Research ein. “Aber verglichen zum Investmentvolumen anderer Immobilienzentren wird das riesige innovative Potenzial der Hauptstadt bei weitem noch nicht ausgeschöpft.” Nach dem Ansiedelungsboom von Regierung, Verbänden und Lobbyisten mangelt es jetzt an starken Unternehmen, die Flächen nachfragen. Berliner Schwächen liegen im weitgehend fehlenden Sektor der Finanzdienstleistungen. Banken bleiben mit ihren Konzernzentralen in Frankfurt am Main, errichten in der Hauptstadt allenfalls  Repräsentanzen. “Da die Wirtschaftskraft fehlt, werden keine Höchstmieten, ja nicht einmal Durchschnittsmieten erzielt,” verweist Dr.  Scheffler auf den Vergleich mit den anderen deutschen Immobilienhochburgen.
“Berlin muss mehr für sein Image tun,” findet Dr. Jürgen Kuhle, Leiter der Berliner Aengevelt-Niederlassung. Erstmalig interessierten sich auch osteuropäische Investoren für den Standort Berlin. “Doch trotz geografischer Vorzüge und erhoffter Impulse wird es die EU-Osterweiterung allein nicht richten. Ein gezieltes, auf die Wirtschaft orientiertes Standortmarketing ist dringend erforderlich.”  Patentlösungen, was künftig von wem gefragt sein wird, halten die Immobilienprofis nicht bereit. Es können Logistikflächen in verkehrsgünstigen Lagen sein, auch Hotelinvestitionen werden keine schlechten Chancen eingeräumt. Langfristig und nicht gleichzeitig müsse Berlin seine guten Standorte entwickeln. Dabei sortiert sich die Stadt selbst: Die City West rückt wieder in den Mittelpunkt gewerblichen Investments. Dort liegt der Schwerpunkt auf Einzelhandel und Dienstleistung. Ku`damm und Tauentzien bleiben die traditionelle Einkaufsmeile, das Umfeld ist der angestammte Platz für Anwaltskanzleien, Steuer- und Wirtschaftsberater. Die City Ost wird zunehmend als Regierungs- und Bürozentrum, mit Kultur und Gastronomie ihrer ursprünglichen Bedeutung als historische Mitte Berlins gerecht. “Keine schlechten Voraussetzungen, endlich aus dem Karussell negativer Stimmungen auszusteigen,” findet Dr. Wulff Aengevelt.

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