Heute vor 55 Jahren: die Berliner Luftbrücke

Filterlose Lucky Strike

Spektakuläre Leistung in Logistik, Technik und Humanität
Dauernder Fluglärm, Starts und Landungen im 60-Sekunden-Takt im Herzen des besetzten Berlins: Viele Hauptstadtbewohner erinnern sich noch heute an die Zeit der legendären Berliner Luftbrücke, die sich in diesem Sommer zum 55. Mal jährt.  Zwischen Juni und Oktober des Jahres 1948 wurden in 280.000 Flügen zwei Millionen Menschen ausschließlich aus der Luft mit allem versorgt: vom Mehl über Kohle und Zigaretten bis hin zu den Einzelteilen eines ganzen Kraftwerks, das die Stadt mit Strom versorgen sollte.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs war Deutschland von Großbritannien, Frankreich, den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion besetzt und seine Hauptstadt in vier Sektoren aufgeteilt. Berlin war bereits 1948 eine streng von den westlichen Besatzungszonen getrennte Insel. Die Eigenversorgung mit Lebensmitteln war aufgrund der kleinen Fläche der Stadt nicht möglich, und die Einwohner waren auf die Versorgung über die drei Transitstrecken oder per Schiff angewiesen. Im Juni 1948 wurde das Verhältnis zwischen den Westmächten und der UDSSR schlechter und gipfelte schließlich in der völligen Blockade Berlins.
Überleben mit und auf dem Schwarzmarkt
Die Zeit der Blockade war für die West-Berliner eine Zeit der Entbehrungen. Fast ein Jahr lang lebten sie unter enormen Versorgungsengpässen, Lebensmittel und Gebrauchsgüter wurden zur Mangelware. In der eingeschlossenen Stadt begann der Schwarzmarkt zu blühen. Die Beschaffung von Lebensmitteln bis hin zu Luxusgütem erfolgte über Tauschhandel und Bargeschäfte – vor allem aber mit Improvisation und Cleverness.
Und so wurden die filterlosen Lucky Strike, von den GIs und mit den Care-Paketen ins Land gebracht, zur Hauptwährungseinheit der Nachkriegsjahre. Für Zigaretten bekam man damals alles – Nähnadeln, Eau de Cologne, Reißverschlüsse und sogar Reisepässe und Doktortitel. Zur Befriedigung von Luxusbedürfnissen musste man schon etwas tiefer in die Tasche greifen: Ein Opel P4 war für zehn, ein Pelzmantel für sechs Stangen “Luckies” zu haben. Das darunter zu tragende Kleid war mit nur drei bis zehn Packungen geradezu ein Schnäppchen, obwohl der Besitz von 60 “Amis” – das entsprach drei Packungen – in etwa dem Monatslohn eines Arbeiters entsprach. Getauscht wurde, was der Markt hergab und verlangte, und das rot-weiße Bull’s Eye wurde zum Garant für den lang ersehnten Gemüseeintopf- und wie Coca-Cola, Nylons und Kaugummi zum Inbegriff des “American Way ofLife”. A.M.Laak

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