Dorint auf neuem Kurs

Nachdem im Zuge eines am 8. Oktober eingeleiteten  Insolvenzverfahrens  der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend eG die Reisebüro-Kette K-Tours mit ihren acht Filialen von Wörlitz Tourist übernommen worden war, folgte am 1. November mit dem Verkauf  des renommierten Tagungs- und Seminarhotels  Dorint Am Müggelsee der nächste Sanierungsschritt.

Neuer Eigentümer ist die in Rüsselsheim ansässige Unternehmensgruppe Bierwirth & Partner (B&P). Sie hat den Komplex, zu dem auch die traditionsreiche Ausflugsgaststätte „Rübezahl“ gehört, zum symbolischen Kaufpreis von 1 Euro, allerdings inklusive des auf dem Hotel lastenden Kredits von knapp 20 Millionen Euro, übernommen.
Die 1998 gebildete Gruppe führt bzw. betreut mit dem Dorint, dessen Name beibehalten werden soll, sieben Betriebe in Deutschland. Das Stammhaus Golden Tulip Hotel, Frankfurt Airport/Rüsselsheim ist der Firmensitz. Anfang des Jahres sorgte B&P mit der Übernahme des Hotels Best Western Premier „Marina Wolfsburg“ bei Rheinsberg für Schlagzeilen. Zu ihren Klienten gehören Hotelgesellschaften, Investoren und Banken, darunter auch die IKB Bank, die zu den Hauptgläubigern von Konsum Berlin zählt.
Wie Peter Bierwirth, einer der drei Gesellschafter der Gruppe, am 5. November auf einer Pressekonferenz miteilte, werden auch die 103 Beschäftigten, zu denen 34 Azubis zählen, zu den bisher geltenden Konditionen weiter arbeiten. Auf Grund diverser Gründe sei das Haus in jüngster Vergangenheit offensichtlich unter Wert gehandelt worden. „Die Gebäudesubstanz, die Einrichtung, die Zimmer sind in ausgezeichnetem Zustand. Ein professionelles Mitarbeiterteam, das trotz aller Turbulenzen einen exzellenten Job gemacht hat, sorgt für Individualität, Liebe zum Detail sowie gastliche Atmosphäre“, so Bierwirth. Damit seien die wichtigsten Kriterien für eine erfolgreiche Betriebsführung erfüllt. Darüber hinaus werde über die Weiterführung diverser Serviceangebote für Konsummitglieder positiv nachgedacht. Auch glaube man, über das B&P-Netzwerk Synergieffekte für das Dorint Hotel nutzbar machen zu können.
Bei einem zu erwartenden Nettoumsatz in Höhe von 5,5 Millionen Euro schreibe das Unternehmen in diesem Jahr noch rote Zahlen. Man hoffe aber, so der neue Hoteldirektor Georg Ernsting, bis 2005 mit einer Auslastung von bis zu 60 Prozent wieder Gewinn machen zu können. Eingespart werden könne zukünftig u a. durch überarbeitete Strukturabläufe sowie im Liefer- und Servicebereich.
Mit dem zweiten Verkauf in kurzer Folge und der damit verbundenen Entlastung der Konsum-Liquidität um etwa 2,1 Millionen Euro jährlich, sind die Chancen des Insolvenzverwalters Wolfgang Schröder gestiegen, den Crash der traditionsreichen Genossenschaft doch noch abzuwenden. Mit einer Sanierung verbunden wäre zugleich, dass auf die Einlagen der 190.000 Mitglieder in Höhe von 57 Millionen Euro, unter Akzeptanz der von der Vertreterversammlung beschlossenen Kündigungsfrist von fünf Jahren, ein neues Licht am Horizont scheint. Text & Foto: Rudolf Hempel

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