Der „Gedanken-Gang“ durch Adlershof

Adlershof

Durch Berlins größten Wissenschafts- und Medienstandort Adlershof führt ein  touristischer Erlebnis- und Erkenntnis – Pfad – der sogenannte Gedanken Gang. Dieser ist natürlich kein fest vorgeschriebener Weg.

Ohne Hast und Beachtung von Öffnungszeiten können die Besucher wie auf einem Lehrpfad selbst entdecken, was in Adlershof geforscht, erfunden  und produziert wird. Der Gedanken-Gang beginnt am S – Bahnhof Adlershof, führt durch die Rudower Chaussee und einige ihrer Nebenstraßen. 12 Text-Tafeln erleichtern nicht nur die Orientierung, sondern vermitteln auch wesentliche Informationen. An der Ecke Rudower Chaussee / Agastraße stehen z.B. Thermokonstante Kugellabore, die im Innern eine fast konstante Temperatur halten können und dadurch präzise Messungen für die Luft- und Raumfahrt ermöglichen. In der Richard-Willstädter-Straße fällt ein Tor aus glasierten Ziegelsteinen auf und fasziniert die Betrachter mit einem ungewöhnlichen Farbenspiel. An der Volmerstraße ist das Foucaultsche Pendel zu sehen, das mehr als einen Beweis für unsere Erdumdrehungen liefert. An der Abram- / Ecke Max-Born-Straße folgen Sonnenkollektoren dem Lauf der Sonne. Hier wird Energie aus Sonnenkraft gewonnen. Der spektakulärste Standort am Gedanken-Gang aber ist der Aerodynamische Park in der Brook-Taylor-Straße. Die Bauten hier widerspiegeln ein Stück deutsche Luftfahrtgeschichte und stehen unter Denkmalschutz. Dazu gehören der Große Windkanal, 1932  für aerodynamische Untersuchungen von Luftströmen erbaut, ferner der schallgedämpfte Motorenprüfstand von 1933, in dem Flugzeugmotoren und Luftschrauben ihre Probeläufe absolvieren konnten sowie ein Trudelkanal von 1934, in dem der vertikale Flugzustand des Trudelns von Flugzeugen simuliert wurden und dadurch wichtige Erkenntnisse für den Flugzeugbau lieferten. Ein  Großteil des früheren Flugfeldes von Adlershof und Johannisthal ist heute ein 66 ha großer Landschaftspark mit wertvollen Biotopen, u.a. Mager- und Trockenrasen, sowie mit blütenreicher Krautflora.
Es war übrigens die Begeisterung des preußischen Kronprinzen Heinrich, sich hier für die beginnende Entwicklung der Fliegerei einzusetzen. Auf dem einst  preußischen Jagdrevier Adlershof entstand  mit seinem Engagement das Flugfeld Johannisthal und damit eine Vielfalt von Möglichkeiten für die Entwicklung und Vervollkommnung von Flugapparaten, ihre Erprobung, für die Ausbildung von Piloten sowie für den Bau von Hangars. Die Flugbasis entwickelte sich bis zum Jahre 1914 zu einem europäischen Luftfahrtzentrum. Das Ende des Ersten Weltkrieges brachte dann für  Fliegerei und Flugzeugbau das Aus, begünstigte nun jedoch die Herausbildung  eines Wissenschafts-Standortes, das vor allem nach 1989 Furore machte. Seitdem  entstand hier eine Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien, zu der heute u.a. zwölf wissenschaftliche Institute, achtzehn Forschungseinrichtungen und 650 Unternehmen mit etwa 11 000  Mitarbeitern gehören. Es ist ein idealer Standort für Investoren und tatsächlich hält der „Zuzug“ weiter an.
H.H.Krumbholz

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