Das jüngste Bezirkslexikon

Auf dem Bahnsteig der U3 im U-Bahnhof “Fehrbelliner Platz” bemerkt der Wartende keramische Reliefs in der Wandverkleidung. Der aufmerksame Beobachter sieht ein merkwürdiges Gefährt, das zwischen Lokomotive, Straßenbahn-Triebwagen und Oldie-Auto pendelt. Damit kann das heutige Publikum nichts anfangen. Den wenigen Kundigen zeigt das Gefährt eine Dampf-Straßenbahn, wie sie 1886-1898 den Fehrbelliner Platz kreuzte. Sich mehr Kenntnisse dazu anzueigen, ist jetzt vereinfacht worden: es empfiehlt sich, einen Blick in den Artikel “Straßenbahnlinien vor dem Ersten Weltkrieg” in dem gerade erschienenen “Bezirkslexikon Charlottenburg-Wilmersdorf” zu werfen!
In schöner Regelmäßigkeit bringt der Luisenstädtische Bildungsverein seit 2001 alle zwei Jahre ein Lexikon mit so ziemlich allem Wissenswerten über die neuen Groß-Bezirke Berlins heraus: 2001 das über den neuen Bezirk Mitte (Edition Luisenstadt, ISBN  3-89542-111-1), 2003 eines über Friedrichshain-Kreuzberg (Haude & Spener, ISBN 3-7759-0474-3), jetzt das für den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf – das gerade noch rechtzeitig zur 300-Jahr-Feier von Charlottenburg fertig wurde und in dessen Rathaus der Presse vorgestellt wurde (Haude & Spener, ISBN 3-7759-0479-4). Mit den jetzt vorliegenden drei Bezirkslexika sind die neuen Innenstadt-Bezirke abgearbeitet. Man merkt dem jüngsten Bezirkslexikon an, dass Herausgeber und Autoren an den früheren gewachsen sind: nicht nur geht es in der Anzahl der Seiten (1005!) über seine Vorgänger merklich hinaus, es ist auch noch akribischer als jene recherchiert, und es sind Stichwörter aufgenommen worden, die man nicht unbedingt vermutet hätte; das trifft z. B. für eine Biografie von Franz Duncker zu, nach dem bis 1936 eine Straße im Ortsteil Grunewald benannt war (jetzt: Fannie-Lessler-Str.). Rd. 3.000 Stichworte bieten dem Interessierten Informationen über Denkmäler, Naturdenkmäler und denkmalgeschützte Bauten, öffentliche Einrichtungen, Wissenschafts-, Kultur- und kulturelle Freizeiteinrichtungen, Straßen und Plätze, Brücken und Bahnen, Parks, Gewässer usw. – nicht zu vergessen die biografischen Skizzen zu Persönlichkeiten, die für das umschriebene Gebiet von Bedeutung waren. Auf 50 S. wird eine Einführung in die territoriale Geschichte gegeben, und erstmals sind als Ergebnis intensiver Recherchearbeit alle Bürgermeister, Stadträte und Stadtverordneten der entsprechend der Städteordnung von 1809 kommunal selbstverwalteten Städte Charlottenburg (1809-1920) und Wilmersdorf (1906-1920) aufgelistet.
Bei der Pressevorstellung am 16. März im Beisein von  Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen gestand der Leiter des Autorenteams, Dr. Weißpflug, dass man bereits mit Vorarbeiten für ein Bezirkslexikon Treptow-Köpenick befasst sei.
Dr. Wernicke

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