Wandern auf den Schwingen des Adlers

in St. Johann

Immer wieder wird darauf hingewiesen – wir bewegen uns zu wenig. Schon die Kinder sitzen zu viel, häufig an ihrem Computer, vor dem Fernseher. Kein Wunder, dass das Wandern wieder Auftrieb bekommen hat. Dabei verbindet sich gleich eine Menge Positives: Bewegung, frische Luft, Natur.

Österreichs Bundesland Tirol bietet für jeden Wanderfreund etwas. Hier gibt es z. B. den “Adlerweg”. Ein Themenwanderweg dessen Verlauf auf der Karte dem Tiroler Wappentier gleicht. Wandern auf den Schwingen des Adlers, das hört sich schon gut an. Der Adler, Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit, Weite und Kraft. Er zieht hoch über den Tiroler Bergen majestätisch seine Kreise.

Start des Adlerweges in St. Johann
Wir fuhren in den Erholungsort (670m). Er liegt an einem breiten Talbecken am Zusammenfluß mehrerer Bäche zu Füßen des Niederkaisers, eines Ausläufers des Kaisergebirges, ist Zentrum und Verkehrsknotenpunkt der Landschaft östlich des Kaisers. Mit seinen 8300 Einwohnern ist St. Johann in Tirol ein wirtschaftliches, mit seinen 4500 Gästebetten in den unterschiedlichsten Kategorien auch touristisches Zentrum der Region. Die Vielfalt der Aktivitäten lockt  Gäste aus dem In- und Ausland. Zu erleben sind u.a.: im Sommer die Panorama Badewelt (Frei- und Hallenbad), mit einer großzügigen Sauna- und Wellnesslandschaft sowie einer Tennishalle und Freiplätzen, Luftgewehrschießen, Rafting, Wildwasserpaddeln, Ballon fahren, Paragleiten, Doppelsommerrodelbahn, Rad- und Bikerstrecken. Und im Winter: 17 Seilbahnen und Lifte, rund 60 Pistenkilometer aller Schwierigkeitsgrade auf der schneesicheren Seite des Kitzbüheler Horns, bestens präparierte Loipen (St. Johann ist Start- und Zielort des größten Volkslaufes von Österreich), gut ausgeschilderte Wanderwege.
Uns hatte der ”Adlerweg” der ebenfalls in St. Johann beginnt, die Wanderlust, gelockt. Auf dem neuen Adlerweg kommen auch Einsteiger zu den Höhepunkten Tirols hieß es. Auf den Spuren des Adlers geht es von St. Johann ins Tiroler Unterland über die Kitzbüheler und Zillertaler Alpen auf 280 Kilometer Genusstouren zu den schönsten Gipfeln, Hütten und Fernsichten der nördlichen Alpen.
Der Hauptwanderweg durch Tirols Alpen, mit dem Adlersymbol gekennzeichnet, ist einheitlich beschildert, gut markiert und detailliert beschrieben führt er mitten hinein in die Natur. Allein entlang der Hauptroute kann man (vorerst) 31 Etappen und 2300 Höhenmeter im Anstieg zurücklegen.
Dieses Wandern, wundern, staunen, weit blicken, Wind und Sonne spüren, den Duft der klaren Luft genießen, rauschende Gebirgsbäche, schroffe Felsen, weite Almen, Bergseen, sattgrüne Täler, gemütliche Jausenstationen – so hatten wir uns auf eine Etappenwanderung des Adlerweges eingestellt. Doch dann, am frühen Morgen – die Zacken des “Kaisers”, die sich sonst wie Spitzen einer Krone in den stahlblauen Himmel recken – waren durch Wolken verhangen, der Regen strömte.
Nun, es könnte wieder aufhören. Also gingen wir trotzdem erst einmal zum Treffpunkt: Tourismusbüro: Von hier gibt es jeden Dienstag um 9.00 Uhr geführte Berg-Tageswanderung (mittel) und jeden Mittwoch 10.00 Uhr eine Ortsführung: Heiteres und kulturelles über den Ort (leicht). Also vielleicht gibt’s auch für uns eine einfache Tour? Tourismusdirektor Gerhard Pfurtscheller hatte ja gesagt: “Höhenmeter schindern war gestern, heute gehören die Wanderwege den Genießern.” Immer häufiger packen auch die Deutschen den Rucksack: 34 Millionen laufen sich gerne in der Natur den Stress von der Seele, Tendenz steigend. Wir gehören dazu. Also: eine einfache ganz einfache Tour – hinauf auf den Gipfel von St. Johanns Hausberg, dem Kitzbüheler Horn: Bis auf 1700 Meter fährt ein moderner Lift auf den Haschbichl. Von dort aus lässt sich das Gipfelkreuz des Horns auf 1996 Meter in gut zwei Stunden erklimmen. Belohnt wird der Aufstieg mit einem grandiosen Panoramablick über die gesamten Kitzbüheler Alpen – vom Kaisergebirge auf der einen bis zum Wildseelodergipfel auf der anderen Seite. Doch auch das war an diesem verregneten Tag nicht drin. Die Sonne wollte nicht hervorschauen, im Gegenteil der Regen nahm zu.
Was machen die Urlauber in solchen Situationen? Was machten wir? Nach Wattens fahren, die Kristallwelten ansehen oder nach Innsbruck in die Landeshauptstadt mit dem bekannten Goldenen Dachl?
Wir entschieden uns, den Ort näher anzusehen. Anton Schöllenberger führte uns. Er kennt sich bestens aus, wurde in St. Johann geboren. Immer wieder heißt es “Grüß Gott Anton”. Der Anton aus Tirol, denk ich so bei mir. Zu jedem Gebäude egal ob Mariä Himmelfahrt, die prächtigste Barockkirche der Gegend, das Schwarzinger Haus mit richtigen Fresken, Häuser mit Lüftelmalerei – zu jedem weiß er eine Geschichte. Beeindruckend die achteckige frühbarocke Antoniuskapelle mit ihrem riesigen Kuppelfresko, das St. Johann um 1803 zeigt. Es ist das zweitgrößte Rundgemälde Tirols. Wir sehen den Heiligen Nepomuk, die älteste aus einem Stück Stein gemeißelte Statue neben der Fielerbrunner Aache aus dem Jahre 1717, er zeigt uns eine Figur: die Mutter Gottes mit zwei Kindern in ihrem Schoß. Dazu Anton: “Die Künstlerin hatte schlecht recherchiert und war der Meinung Jesus und Johannes seien Geschwister gewesen.” Anton half uns eine Menge zu entdecken.

Typische Tiroler Kost
Beim Betrachten der zahlreichen Sehenswürdigkeiten und dem Laufen durch das kleine Alpenstädtchen kam so langsam der kleine Hunger. Typische Tiroler Kost soll am Besten sein. Da sind wir im Gasthof Mauth auf dem Hauptplatz richtig, denn “Original Mauthner” gibt es nur beim Mauthner, nämlich geselchte Schweinswürstel, weiß gesalzen, weniger Fett als Frankfurter. Es ist eine Spezialität des Gastwirtes Alfred Brunner. Die hausgemachten, frisch zubereiteten Würste sind im ganzen Ort bekannt. Immerhin bewirtet die Familie Brunner  – inzwischen in der 3. Generation (114 Jahre)  -beim Mauthner, Gäste aus nah und fern. Und die frisch zubereiteten Würste, im Naturdarm konfektioniert, mit ausgesuchten Zutaten von regionalen Produkten ohne Konservierungsstoffe sollten am besten gleich gegessen werden. Mit frisch geriebenem Kren und Senf, einfach lecker. Wir haben es probiert. Tipp: Wenn vor dem Traditionsgasthaus die Fahne weht, dann wissen die Leute im Ort und nun auch wir: es ist Zeit für die guten Würste vom Mauthner. Sie sind fertig, frisch aus dem Kessel. Während des Essens lernten wir Dennis Linke kennen. Der junge Mann servierte uns eine selbst gemachte Fritatensuppe. Sie schmeckte ebenfalls vorzüglich. Und wir erfuhren er ist seit zwei Jahren hier in St. Johann, lernt Koch, absolviert gerade eine Ausbildung als Jungkoch bei Alfred Brunner. Der 20jährige kommt aus Berlin-Kreuzberg. Er fand in Deutschland keinen Ausbildungsplatz und ging nach Tirol. Er ist zufrieden. Die Arbeit bereitet im Freude, er lernt gern hier. Der Chef ist nett, freundlich, “man” kann jederzeit mit ihm reden. Dennis wohnt im Haus, hat Essen und Logis frei, bekommt Lohn, ist zufrieden. Seine Freunde in Berlin, auch seine zwei Schwestern sieht er nun nicht mehr so häufig – aber die Zeit vergeht. Mit dem Zug fährt er von Wörgl, einem Nachbarort, 91/2 Stunden bis Berlin Ostbahnhof. Insgesamt ist er elf Stunden unterwegs. Doch die Ausbildung ist wichtig. Und er weiß auch schon, dass er nach der Ausbildung in St. Johann zwei Jahre als Smutje aufs Schiff gehen wird. Inzwischen hat er sicher seine Lernabschlussprüfung an der Tiroler Fachberufsschule geschafft. Wir wünschen ihm alles Gute für seinen weiteren Lebensweg.
Kochen kann er, zumindest seine Suppe war ausgezeichnet.

Und was das Essen anbetrifft, so sind noch bis zum 30. September 2006 die Almfestwochen. Zum 25. Mal deckte die Ferienregion St. Johann in Tirol den längsten Knödeltisch der Welt. Am 23. September servierten 17 Wirte 22 verschiedene Knödelspezialitäten – vom deftigen Speck- bis zum süßen Topfenknödel.

Zum Jubiläum wurde zu Füßen des Kaisergebirges der 500.000 Knödel an der 300 Meter langen Tafel verspeist. Und am 24. 09. 06 gibt es von 11 bis 14 Uhr den Knödelfest-Frühschoppen. Hochgenuss erleben Knödelfans im September auch bei Wandertouren zu den bewirtschafteten Almen und Berggasthöfen unterhalb des Kaisermassivs. Im Rahmen der Almfestwochen bis 30. September stehen geführte Wandertouren auf dem neuen Adlerweg, Bergfrühschoppen und Almererfeste auf dem Programm. Ein Höhepunkt ist auch immer der Bauernmarkt am 30. September 2006.

Wanderlustigen sei der Oktober empfohlen: Die St. Johanner Herbstwanderwochen 2006 versprechen ein abwechslungsreiches Programm mit interessanten Themen: beginnend am Montag: mit “Servus – auf geht’s”, Dienstag “See der schwarzen Fische” , Mittwoch “Sonnenaufgang in den Bergen, Donnerstag “Wandern auf den Schwingen des Adlers” und Freitag “Sag zum Abschied – leise Servus”.

Auch wir mussten uns von der Region verabschieden, traten die Heimreise an – ohne großartige Wanderung, dafür aber hatten wir nette Menschen kennen gelernt, nahmen zahlreiche, interessante Eindrücke und Erlebnissen mit in unser hektisches Berlin.       P. Gütte

Mehr Infos: Ferienregion St. Johann in Tirol, Poststraße 2, A-6380 St. Johann in Tirol, Telefon: +43 5352 63335 0, Fax: +43 5352 65 200, Internet: www.ferienregion.at

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.