Wirbelsäulenaufrichtende Orthesen als Therapie bei Osteoporose

Der Hilfsmittelhersteller medi hat seine bewährte Rückenorthese Spinomed im Herbst 2021 mit neuen Features ausgestattet.

„Sicherheit, die sitzt“: Im Herbst 2021 präsentierte der Hilfsmittelhersteller medi seine neue Rückenorthese Spinomed. Patienten erhalten diese vor allem bei der Therapie osteoporotischer Wirbelkörperfrakturen. Über das Versorgungspotenzial wirbelsäulenaufrichtender Orthesen sowie Therapie-Ergänzungen für Osteoporose-Patienten spricht medi mit Prof. Dr. Christopher Niedhart, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie / Rheumatologie sowie Präsident der Orthopädischen Gesellschaft für Osteologie (OGO).

Berliner Lokalnachrichten: Herr Professor Niedhart, wie sieht die Versorgung einer osteoporotischen Wirbelkörperfraktur aus?

Prof. Dr. Christopher Niedhart:„Nach einer Fraktur folgt die sogenannte Akutversorgung, das heißt eine operative Behandlung – wenn notwendig –, eine orthetische Versorgung im Bereich der Wirbelsäule sowie eine adäquate Schmerztherapie. Der Bruch ist in der Regel nach sechs Wochen ausgeheilt, danach kann der Patient die Belastung zügig steigern. Jedoch gilt es, Folgendes zu beachten: In den drei bis sechs Monaten nach der ersten Fraktur ist das Risiko einer zweiten deutlich erhöht. Der Patient soll sich in dieser Zeit nicht in Watte packen, aber auch kein maximales Sportprogramm ausüben. Ganz wichtig: Eine spezifische Therapie einzuleiten, denn damit lässt sich das Bruchrisiko um 50 Prozent reduzieren.“

Berliner Lokalnachrichten: Wie bewerten Sie den Einsatz von wirbelsäulenaufrichtenden Orthesen – wie beispielsweise der Spinomed – zur Behandlung von osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen?

Prof. Dr. Christopher Niedhart: „Ganz wichtig! Ein osteoporotischer Wirbelkörperbruch ist fast immer im Bereich der Brustwirbelsäule oder oberen Lendenwirbelsäule. Das heißt, die Belastung liegt auf der Vorderkante des Wirbelkörpers. Die Last bleibt dort weiterhin bestehen, sollte sich der Patient nicht aufrichten. Das erhöht die Gefahr, dass die Fraktur größer wird. Das Prinzip einer wirbelsäulenaufrichtenden Orthese zur Therapie ist einfach: Mithilfe der Orthese werden das Becken sowie die Schultern eingefasst und der Körper aufgerichtet. Das entlastet die Wirbelkörper und das Risiko einer fortschreitenden Fraktur nimmt ab. Gleichzeitig ist der Patient in der Regel deutlich weniger schmerzgeplagt.“

Berliner Lokalnachrichten: Welche sportlichen Aktivitäten empfehlen Sie im Rahmen einer Osteoporose-Therapie?

Prof. Dr. Christopher Niedhart: „Sport ist wichtig, sollte jedoch immer angepasst sein. Das heißt am Beispiel einer 55-jährigen Frau, bei der eine Osteoporose diagnostiziert wurde und eine Therapie nötig, jedoch noch keine Fraktur aufgetreten ist: Walken oder Radfahren sind zwar gut für den Kreislauf, aber haben wenig Einfluss auf den Knochen. Wichtig ist deswegen ein High-Impact-Training, also Belastungstraining. Bei ausreichender Koordination ist ,auf einem Bein springen‘ die einfachste Übung. Auf Hüften und Wirbelsäule wirken dabei große Lasten – das perfekte Training für den Knochen. Bei beispielsweise einer 85-jährigen Patientin ist die Koordination nicht mehr so stark ausgeprägt und es besteht ein Sturzrisiko. Hier stehen Koordinationsarbeit, Erhaltung der muskulären Kraft und Ausdauertraining im Vordergrund. Wichtig ist es, individuell einzuschätzen, wie belastbar der eigene Körper ist. Das sollte der Patient jedoch immer im Rahmen einer medizinischen Kräftigungstherapie, Rehasport oder einem Funktionstraining, zum Beispiel über Selbsthilfegruppen, machen.“

Berliner Lokalnachrichten: Welchen Rat geben Sie Osteoporose-Patienten für ihren Alltag?

Prof. Dr. Christopher Niedhart: „Ein Osteoporose-Patient sollte nicht nach vorne gebeugt Schweres heben, weil dann die maximale Last auf der Wirbelsäulenvorderkante liegt. Jedoch gilt es auch hier, individuell die eigene Belastbarkeit einzuschätzen. Bei der Diagnose Osteoporose ohne vorangegangenen frischen Bruch können die Patienten ganz normal am Alltag teilhaben. Eine große Rolle spielen dabei immer eine gesunde Ernährung, frische Luft, Sport, nicht zu rauchen und auf die Koordination zu achten.“

So funktioniert Spinomed von medi

Die Wirkweise der Rückenorthese Spinomed von medi basiert auf dem Biofeedback-Prinzip. Die Rückenschiene, der unelastische Hüftgurt und das clevere Schultergurtsystem sorgen dafür, dass der Patient unterbewusst einen Widerstand spürt, sobald sich der Oberkörper nach vorne in eine Fehlhaltung neigt. Durch den spürbaren Widerstand der Orthese wird der Patient an die korrekte Körperhaltung erinnert. Die Rumpfmuskulatur wird aktiviert und der Oberkörper aufgerichtet. Das Ergebnis: eine Reduktion der Schmerzen und Schwankneigung, mehr Lebensqualität, Stärkung der Bauch- und Rückenmuskulatur sowie eine verbesserte Lungenfunktion (Quellen: Pfeifer M et al. Am J Phys Med Rehabil 2004;83(3):177-186; Pfeifer M et al. Am J Phys Med Rehabil 2011;90(10):805-815).

Die bewährte funktionelle Orthese von medi wurde im Herbst letzten Jahres mit neuen Features weiter optimiert. Dazu zählen ein innovatives Pivot-Gelenk, das in Bewegung die Rückenschiene vom Hüftgurt entkoppelt und somit für optimale Bewegungsfreiheit, hohen Tragekomfort und einen sicheren Sitz sorgt. Zudem wurde das Gurtsystem optimiert: Der Patient erfährt bereits bei der Anpassung eine spürbare Aufrichtung – das ermöglicht die indikationsgerechte Zugrichtung der Schultergurte. Zu den weiteren Features gehören ein Bauchverschluss mit beidseitigen Greifhilfen, ein überarbeitetes Größensystem, eine Rückenschiene aus Aluminium, die einfach an die Wirbelsäule angeformt werden kann sowie ein weiterentwickeltes Rückenpolster für eine optimale Thermoregulierung.

Zweckbestimmung: Spinomed® ist eine Orthese zur aktiven Entlastung und Korrektur der Lendenwirbelsäule / Brustwirbelsäule in Sagittalebene.

Mehr Informationen unter medi.biz/spinomed und medi.de/diagnose-therapie/osteoporose

Prof. Dr. Niedhart, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie / Rheumatologie sowie Präsident der Orthopädischen Gesellschaft für Osteologie (OGO)

Bildnachweise: ©www.medi.de

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