Ein historisches Stück von beklemmender Aktualität

Seit kurzer Zeit stehen “Die Kinder des Teufels” aus der Feder des 1948 geborenen Tirolers Felix Mitterer auf dem Spielplan des carousel, des Theaters an der Berliner Parkaue.

 

Es ist ein historisches Stück, jedoch mit vielen Beziehungen zum Heute. Und um es vorweg zu sagen, es ist eine gewagte, aber gelungene Inszenierung, die Intendant Manuel Schöbel seinem jungen Publikum darbietet.
Fußend auf realen Prozessakten aus den Jahren 1675 bis 1681, entsteht vor unserem Auge eine Zeit, in der barbarische Hexenverbrennungen und Teufelsaustreibungen zum Alltag gehörten. Und doch ist es ein besonders tragisches Beispiel, das Mitterer ins Zentrum der Handlung stellt. Auf der Jagd nach dem Zauber-Jackl, dessen Mutter schon als Hexe verbrannt worden war und der in den Jahren nach dem Dreißigjährigen Krieg durch das Salzburger Land herumstreunende Kinder angeblich um sich geschart hatte, wurden damals über 100 Menschen, die meisten von ihnen unter zwanzig Jahren, gefangen, gefoltert und schließlich hingerichtet. Die Anklage – sie hätten mit dem Teufel paktiert. Auf den Theaterbrettern entsteht ein bewegendes – durch das von Frank Prielipp geschaffene Bühnenbild eindrucksvoll unterstütztes – Szenario des Verhörens, des Folterns, des Leidens und Verurteilens von Kindern, Jugendlichen. Eine vernichtende Bloßstellung religiösen und staatlichen Terrors gegen Andersdenkende, Andersfühlende, vor allem gegen Schwache.
Gewissermaßen als Testperson hatte ich meine fast dreizehn-jährige Enkelin, eine aufgeweckte Gymnasiastin, in die Vorstellung mitgenommen. Es war hart, sagte sie mir. Und es war sehr schwer. Der Hinweis des Theaters, dass diese Aufführung nicht für Kinder unterhalb der 7. Klasse geeignet sei, scheint mir also zutreffend und beachtenswert. Ich finde, dass auf der Bühne die Zeit bis zur Urteilsverkündung etwas zu ausgedehnt war, weitere Folterszenen, so  eindrucksvoll sie auch waren, brachten nichts Neues im Erkennen der Absicht, brachten keine neuen Erkenntnisse in der Reaktion der Gefolterten, ob nun Angst, Stolz, Widerstand, Verrat, Verzweiflung.
Im Programmheft wird darauf hingewiesen, dass man vor allem Parallelen zum Leben der Tausende und aber Tausende Straßenkinder in der heutigen Zeit ziehen wollte. Deshalb haben die Bühnenschaffenden sich im Vorfeld mit Straßenjugendlichen und Beratungsstellen  zusammen gesetzt, haben betroffene Kinder und Jugendliche zu den Proben eingeladen.
Zugegeben, das Schicksal dieser Kinder, die schutzlos, rechtlos, dem System einer Ich-bezogenen Ellbogengesellschaft ausgeliefert sind, ist naheliegend. Ich muss jedoch gestehen, dass sich mir ein anderes Gleichnis viel mehr aufdrängte, wenngleich Regisseur und Darsteller, als sie an die Gestaltung der “Kinder des Teufels” herangingen, das in dieser Schärfe  so wohl gar nicht ahnen konnten. Ich meine damit die Brutalität und Arroganz, mit der eine Clique texanischer Ölmilliardäre ihre ureigensten Interessen zu den Interessen der Menschheit erklärt, willkürlich festlegt, wer zu den Mächten des Bösen zu zählen und deshalb letztlich zu vernichten sei. Unter diesem Banner wird brutal Krieg geführt – gegen Männer, Frauen, Kinder. Die Worte des Kommissars im Stück: “Wenn Ihr Mitleid mit den Kindern habt, dann habt ihr Mitleid mit den Feinden Gottes!” erinnerten mich in erschreckender Weise an die Drohungen der Biedermänner im Weißen Haus und ihrer Parteigänger auch in unserem Land.
Es ist ein aufwühlendes Stück, das man seinen Kindern im entsprechenden Alter nicht vorenthalten, das man vielleicht sogar mit ihnen gemeinsam besuchen sollte.     Gerry Michaél

carousel Kinder- und Jugendtheater des Landes Berlin, Parkaue 29, 10367 Berlin. “Die Kinder des Teufels” werden noch am 28.4.,18 Uhr, 29.4.,10 und 18 Uhr, 30.4.,10 Uhr, 5.6.,18 Uhr, 6.6.,10 Uhr gezeigt. Kartenbestellungen und Besucherservice tel. 030-557752/53

1 Kommentar

  1. Hallo Frank (Prille)
    Hier ist dein alter Freund Ossi aus Neubrandenburg, bin aus Berlin weggezogen und hab keine Telefonnummer mehr von dir.
    Sind einige Jahre ins Land gegangen Harald, Henry, ich (Ossi)
    wollen uns gerne nach mehr als 15.Jahre Abstinenz zusammen -finden. Wohne wieder wie zu unserer JugendZeit auf dem Land in einem wunderschönen Fachwerk Haus…
    Nicht in Neubrandenburg….Wenn dich diese Mail erreicht melde dich bitte. Das Theaterstück erinnert mich an meine Zeit im Knast zu DDR Zeiten…Die brisante Note des Stücks ist heute so aktuell wie vor über 30 Jahren und hat nichts von der Vergangenheit der Verfolgung anders denkender verloren.
    unbedingt an Frank Prielipp Bühnenbild/Ausstattung weiterleiten.
    In Hoffnung den Freund Ossi

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