Den Peloponnes entdecken.

Blick in die Bucht von Navarino

Anders als die griechischen Inseln ist der Peloponnes noch weitgehend vom Massentourismus verschont. Die Halbinsel bietet dem Individualreisenden Gelegenheit Griechenland in seiner ganzen Vielfalt authentisch zu erleben.

Unsere Route führte uns von saftig grünen Landstrichen in denen Zitrusfrüchte und Wein gedeihen, über die raue Bergwelt des Landesinneren mit tiefen Schluchten, abenteuerlichen Serpentinenstraßen

… durch ursprüngliche Dörfer, vorbei an mühsam zu erklimmenden Klöstern, entlang endloser Olivenhaine im küstennäheren flacheren Bergland, bis zu den Küsten mit ihren idyllischen Kies- und Sandstränden und den historischen Städtchen und Fischerdörfern. Gesäumt wurde unser Weg natürlich allenthalben von steinernen Zeugen vergangener glanzvoller Zeiten, den antiken Ausgrabungsstätten sowie mittelalterlichen Burgen und Städten.

Perfekt machten den Urlaub die zu Recht wegen ihrer Gastfreundlichkeit gerühmten Griechen selbst. Jassás heißt Hallo, Jammás heißt Prost, und schon ist das Eis gebrochen, kommt man mit den Einheimischen in den Tavernen, in denen man zur Stärkung einkehrt, auf deutsch, englisch oder mit Händen und Füßen ins Gespräch und wird über die jeweiligen kulinarischen Besonderheiten der Region informiert.

Wer es ruhiger mag oder mit der ganzen Familie unterwegs ist, und im Urlaub eher Erholung als Abenteuer sucht, dem sei vorausschickend versichert, dass jede einzelne der im weiteren Verlauf dieses Reiseberichts hervorgehobenen Regionen auch als fester Urlaubsstandort alles zu bieten hat, was das Herz begehrt.

Als Reiseszeit können wir die Nebensaison, also den Herbst oder Frühling, nur wärmstens empfehlen. Sehenswürdigkeiten sind nicht touristisch überlaufen und es ist nicht zu heiß, um in Ruinen herumzuklettern, aber warm genug um sich tagsüber am Strand in der Sonne zu aalen und abends in Hemdsärmeln den Sonnenuntergang vom Dachgarten einer Taverne aus zu genießen. Zudem schont das Reisen in dieser Zeit die Urlaubskasse. Viele Hotels bieten ordentliche Rabatte an. Bucht man die Flüge dann noch rechtzeitig bei einer der Billigairlines, Easy Jet beispielsweise fliegt täglich von Berlin Schönefeld nach Athen, bleibt genug übrig, um den Urlaub vor Ort ausgiebig zu genießen, das ein oder andere Souvenir zu erstehen und interessante Ausflüge zu unternehmen.

ARGOLIS – auf den Spuren der Antike

Unsere Reise führte uns zunächst in den westlichen Teil der Peloponnes an der Ägäis. Dort empfiehlt es sich in der schönen Altstadt Nafplios für einige Nächte Quartier zu beziehen, um die Region Argolis zu erkunden. In den autofreien engen Gassen der Stadt tobt das Leben; Geschäfte, Museen, Tavernen und Cafés reihen sich aneinander. Der Ort wird von zwei Burgen, Akronauplia und Palamídi überragt, die man erklettern kann und vom Hafen schweift der Blick auf eine weitere kleine Festung, die Insel Boúrtzi. Auch ein schöner Strand ist in wenigen Gehminuten zu erreichen. Wer es etwas ruhiger mag, übernachtet alternativ im wenige Kilometer entfernten Toló, einem ehemaligen Fischerdorf, das heute vom Tourismus lebt. Das Bettenangebot ist groß und die Preise in der Nebensaison sehr günstig. Toló liegt in einer schönen Bucht, der mehrere unbewohnte schroffe Felseninseln vorgelagert sind, dem Besucher bietet sich also ein traumhafter Ausblick vom Strand. Unter den vielen Hotels können wir das Hotel Dolfin, geführt von der Familie Georgidakis, sehr empfehlen. Es liegt direkt am Strand und fast alle Zimmer haben Meerblick. Von Toló oder Nafplio aus kann man in Tagesausflügen die antiken Ausgrabungsstätten Mykene, Argos, Tiryns und Epidauros besichtigen und sich mit etwas Fantasie zwischen Kyklopenmauern, Königsgräbern und römischen Thermen in die Vergangen zurückversetzen. Ein besonderer Tipp für den Abend, im Amphitheater von Epidauros aus dem 3. Jh. v. Chr. werden im Sommer seit einigen Jahren wieder täglich die klassischen Stücke aufgeführt. Einer der schönsten Strände der Region befindet sich unweit von Toló in der Bucht von Assini und auch die wunderschöne autofreie Insel Hydra ist per Ausflugsboot leicht zu erreichen, im Sommer ist sie allerdings sehr überlaufen.

ARKADIEN und LAKONIEN – Gebirge, fruchtbare Täler und mittelalterliche Städte

Nach so viel Kultur und Trubel zog es uns in ruhigere Gefilde. Mit unserem Mietwagen fuhren wir über die Berge des arkadischen Parnongebirges ins Landesinnere. Der Weg führte entlang der atemberaubenden Dafnon Schlucht, die über gut ausgeschilderte Wanderwege verfügt, Aktivurlauber können auch Klettern oder Raften und im Winter sogar Skilaufen. Man sollte unbedingt in einem der ruhigen, kleinen Bergdörfer wie Geraki oder Kosmas halt machen, deren männliche Bewohner nach getaner Feldarbeit den schattigen Markplatz bevölkern und Backgammon spielend über Gott und die Welt diskutieren. Touristen werden hier unverholen angestarrt aber freundlich aufgenommen. Der Weg durch die Berge führt auch vorbei an unzähligen Klöstern, unter denen das beeindruckenste, Elónis, wie ein Schwalbennest hoch oben an einer schroffen Felswand klebt. Beim Aufstieg begegneten wir – mein persönliches Highlight – einer mit etwa 30 cm Panzerlänge imposant großen arkadischen Breitrandschildkröte. Die sind leider sehr selten geworden, im Landesinneren des Peloponnes kommen sie aber noch in stattlicher Zahl vor.

Nach unserem Ausflug in die Bergwelt zog es uns gen Süden, wieder in Richtung Küste, zur sagenumwobenen Geisterstadt Monemvassia. Nähert man sich ihr zulande, sieht man zunächst nur einen gigantischen Kalksteinklotz kurz vor der Küste, der mit dem Festland durch einen schmalen Damm verbunden ist. Überquert man den Damm und folgt der einzigen Straße, bis man den Klotz halb umrundet hat, erblickt man die mittelalterliche, wehrhafte Stadtmauer, durch deren einziges Tor man zu Fuß Kastro Monemvassia, einst Kultur- Handelzentrum Lakoniens, betritt. Zunächst bummelt man durch die Gassen der Unterstadt, die heute modern instand gesetzt sind, und Souvenirshops, Tavernen und kleine Pensionen beherbergen. Läuft man dann weiter in den Ort hinein, erklimmt die vielen schmalen Treppen in die höher gelegenen Teile, oder klettern hinab gen Uferbefestigung, verwandelt sich die mittelalterliche Stadt in ein Ruinenfeld und Freilichtmuseum. Spektakulär, wie dem Fels vor Jahrhunderten Haus um Haus, Kirchen und Plätze abgerungen wurden, die noch heute unberührt von der Moderne bestehen. Bereits 1911 tauschten die letzten Bewohner die historische Kulisse gegen ein bequemeres Leben auf dem Festland. Seither haben in Monemvassia die Katzen das Regime ergriffen. Und sie haben ein Versorgungssystem ausgeklügelt, dem sich kein Tourist entziehen kann. Kaum, dass wir uns nach dem Rundgang erschöpft und hungrig auf der Terrasse eines der romantischen Restaurants in historischer Kulisse Platz genommen hatten, schickten sie ein wirklich niedliches, verhungert aussehendes Kätzchen vor, dessen Gemauze Steine erweicht hätte. Kaum war mir dann ein Brocken heruntergefallen, sah ich mich umringt von 7 oder 8 weniger attraktiven, ausgewachsenen Verwandten, die nun auch auf ihr Recht pochten. Ich denke, wir sind alle satt geworden.

Weiterhin auf den Spuren der Kreuzritter wandelt man, wenn man sich als nächstes Ausflugsziel die byzantinische Stadt Mystras  vornimmt. Die Ruinen sind älter und also schlechter erhalten, aber nicht weniger beeindruckend. Wer zwischendurch einen Strandtag einlegen will, dem seien die Strände um Githio empfohlen. In dem übersichtlichen Städtchen finden sich auch Unterkunft und urige Fischtavernen am Hafen. Eines ist uns bei aller Schönheit insgesamt negativ aufgefallen, das mangelnde Umweltbewusstsein der Griechen. Zu Schade, aber ob entzückende Altstadt, einsamer Wanderweg oder schönster Strand, Müllberge, für die sich niemand zuständig fühlt allüberall. Deshalb bietet Githio eine Sehenswürdigkeit der etwas anderen Art: Das Wrack eines Schiffes wurde bereits vor Jahrzehnten 4 km vor der Stadt an den Strand gespült, und bildet seither eine bizarr unheimliche Kulisse für die Badegäste, über mögliche Umweltschäden zerbricht sich hier niemand den Kopf.

Die karge wilde Schönheit – Halbinsel MANI

Die Steil abfallenden Gebirgsausläufer des Taigetos bilden die Halbinsel Mani. Fruchtbares Land ist hier rar, es gibt kaum Bäume, nur schroffe Felslandschaften. Die Bewohner, bis zur Unabhängigkeit Griechenlands sich Fremdherrschaft widersetzende Rebellen, lebten in der Mani zurückgezogen in kriegerischen Clans. Die Clans befehdeten sich um Land und Nahrung und schufen aus Notwendigkeit eine ganz besondere Architektur: Wehrtürme, Wohntürme aus Naturstein, mit denen die Mani übersät ist. Einige von ihnen wurden in den letzten Jahren in Hotels umgewandelt, ein einmaliges Wohnerlebnis, das den Gast in die Richtige Stimmung versetzt, die Region zu erkunden. Solche Hotels gibt es in und um Aeropoli, dem größten und touristischsten Bergdorf der Mani, in dem man sich ins 19. Jahrhundert zurückversetzt fühlt. Ein Geheimtipp, insbesondere für einen romantischen Urlaub zu zweit, ist das Hotel Limeni Village etwas außerhalb Aeropolis, das eine wunderschöne Bucht und das Dorf Limeni überragt. Die Familie Petrulas baute hier traditionelle Wehrtürme als Apartmenthäuser, schlicht und luxuriös zugleich, der Blick von jedem der Balkone atemberaubend. Als Ausflugsziele empfehlen wir das verlassene Dorf Vathia, die Burg Kelefa und das Kap Tenaro, einem der südlichsten Punkte des europäischen Festlands. Die Mani eignet sich nicht für einen Badeurlaub, es gibt allerdings einen fantastischen Sandstrand, den Marmari Beach etwas südlich von Vathia, wo wir vor schroffer  Felskulisse mit hohen, wilden Wellen viel Spaß hatten. Ein weiteres absolutes Highlight ist die Tropfsteinhöhle Pirgos Dirou. Im Sommer touristisch überlaufen, kann man sich hier in der Nebensaison exklusiv in einem kleinen Kahn von einem Bootsmann etwa 2 km durch die Höhle staken lassen, von der Forscher vermuten, dass sie sich bis zu 14 km weit ins Bergmassiv erstreckt. Die Stalagmiten und Stalaktitenformationen sind außergewöhnlich schön.

Der Südwesten – MESSENIEN

Aus der kargen Steinwüste fuhren wir weiter an die grüne, fruchtbare Westküste, nach Gialova. Auch in der Region Messenien könnte man ohne weiteres einen ganzen abwechslungsreichen Urlaub verbringen. Unterkunft sucht man sich am besten in der geschichtsträchtigen Bucht von Navarino, wo 1827 Griechenland in einer Seeschlacht endgültig befreit wurde. Entweder im verträumten Städtchen Pilos, in dem man Boote chartern kann, um die Bucht vom Wasser aus zu erkunden, oder im touristischeren, dafür aber direkt an der für ihre Artenvielfalt berühmten Aga Osman Lagune gelegenen Gialova. Der kleine Ort hat eine sehr schöne, von Tavernen gesäumte Strandpromenade, an der man abends fangfrischen Fisch zu köstlichem griechischem Wein genießen kann. Besonders für einen erholsamen Urlaub mit Kindern empfehlen wir die Ferienwohnungsanlage Eleonas, betrieben von der sehr gastfreundschaftlichen holländisch/griechischen Familie Karalis, die in einem bewirtschafteten Olivenhain etwas oberhalb des Ortes kleine Perlen der Entspannung geschaffen hat. Jedes Apartmenthäuschen hält gebührenden Abstand zu den anderen, vor jeder Terrasse mit tollem Blick über die Bucht und die Lagune lädt ein Pool zum Verweilen ein und in den großzügigen Zimmern finden kleine und große Familien ausreichend Platz. Rund um die Bucht warten zahlreiche mittelalterliche Kastelle und Burgen auf ihre Eroberung. Bei Gialova gibt es auch die auf den Peloponnes so seltenen ausgedehnten feinen Sandstrände, den Schönsten in der Bucht Voidokilia. Ausflügler locken außerdem die Nestorgrotte, ein naher Wasserfall und mit einem Mietwagen schafft man es auch bequem die Ausgrabungsstätte Olympia, die man sich keinesfalls entgehen lassen sollte, in einem Tagesausflug zu erkunden.

AEGIALIA am Golf von Korinth

Die letzte Station unserer Peloponnesrundreise führte uns wieder gen Norden an den Golf von Korinth, in die Region Aegialia mit ihren Badeorten Longos, Selianitika und Diakofto. Wer einen wirklich authentischen Griechenlandurlaub erleben will, ist hier richtig. Die Region ist, obwohl wunderschön, touristisch kaum erschlossen. Aegialia ist ein grünes, fruchtbares Weinbaugebiet und berühmt für seine Korinthen. Die ursprünglichen Dörfer, selbst die Badeorte, sind vom Massentourismus bisher verschont geblieben. So kann man auf den zentralen Marktplätzen und in den urigen Tavernen der Strandpromenaden griechische Kultur unverfälscht erleben. Die feinen Kiesstrände sind sehr schmal, dafür ist der Golf sehr tief und sauber, die Wasserqualität ist hervorragend. Mit etwas Glück kann man hier sogar Delphine beobachten. Griechen aus den Großstädten Patra und Athen fahren seit vielen Jahren hierher in den Urlaub. Ausflügler können von Diakofto mit der Zahnradbahn durch die spektakuläre Vouraikos Schlucht ins idyllische Bergdorf Kalavryta fahren. Auch als Ausgangspunkt für Ausflüge ins antike Griechenland eignet sich Aegialia. Mykene, Altkorinth und Olympia sind in Tagesausflügen zu erreichen und mit der Fähre kann man von Selianitika aufs Festland übersetzen, um das Orakel von Delphi zu befragen.

Wir genossen einen wunderbaren Aufenthalt in den komfortablen Harmony Hotel Apartments in Longos, nur wenige Meter vom Strand entfernt. Die glücklichen Gewinner unseres Gewinnspiels in dieser Ausgabe können sich auf eine Woche Urlaub dort freuen.

Von Longos ging es für uns entlang des Golfs zurück nach Athen, von wo unser Flieger uns zurück nach Berlin brachte. Bevor man Griechenland wieder verlässt, sollte man natürlich unbedingt auch einen Tag für die Besichtigung Athens einplanen. Die Akropolis muss man gesehen haben und die Altstadt Athens bietet Urlaubsgenuss pur. Hier kann man nach Herzenslust Shoppen, bummeln, in Cafés verweilen und die Atmosphäre genießen. Wohnen in Athen ist allerdings etwas teurer und oft nicht sehr komfortabel, wer sich etwas gönnen will, übernachtet im Electra Palace in der Altstadt. Für den tieferen Griff in die Tasche entlohnt der Dachswimmingpool mit Blick auf die Akropolis.

Unsere Rundreise auf dem Peloponnes war voller wunderbarer Eindrücke, abwechslungsreich und erholsam, als Reiseziel ist die Halbinsel aus unseren Augen unbedingt zu empfehlen. Auch die Auswirkungen der Finanzkrise waren bei weitem nicht so drastisch spürbar, wie wir befürchtet hatten. Die einhellige Meinung aller zum Thema befragten Griechen: Die deutschen Medien würden da gewaltig übertreiben und den Griechen eher noch zusätzlich schaden, denn die bräuchten den Tourismus gerade jetzt. Wir fühlten uns jedenfalls allerorts herzlich willkommen und es mangelte uns an nichts. Für die freundliche Unterstützung unsere Reise danken wir der Griechische Zentrale für Fremdenverkehr, auf deren Homepage www.gnto.gr man seinen Urlaub in allen Details planen kann.

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