Beachtlich: Vier vergnügliche Inszenierungen in Folge

Mit “Kult” ging im Chamäleon Varieté die vierte Helmschrot-Inszenierung innerhalb von vier Monaten hintereinander über die Bühne. 

Nachdem Karl-Heinz Helmschrot in  “Klassentreffen”, “Bilder einer Ausstellung” und zuletzt in “Helmschrot’s (fast) faust – die Varieté-Show” brillierte, das Publikum auf charmante Weise begeisterte, legte er sich diesmal nun Abstinenz auf und war – außer bei der Schlussverbeugung zur Premiere – nicht auf der Bühne zu sehen.
Leider, sage ich. Allerdings hat er mit Friedhelm Kändler das Feld einem Wortakrobaten überlassen, der seinerseits mit hintergründigem philosophischem Humor und intelligenten Wortspielen das Publikum zum Nachdenken, und vor allem zum Lachen bringt. Die Artisten kommen diesmal, bis auf Kändler, ausnahmslos aus der Ukraine. Das Duo Blind Date, schon im vorangegangenem Programm ein Publikumsrenner, wusste erneut mit humoristisch gewürzten Balanceakten und Akrobatik vom Feinsten zu überzeugen. Die anderen Künstler gehören der Artistengruppe Bingo an. Die jungen Artisten – Andrii Moraru, Equilibristik, Alexandru Cracium am Schlappseil, Leonid Petrovsky  mit seiner ungewohnten Triangel-Jonglage, Iryna Demska am Ring über den Köpfen der Zuschauer, Kontorsionistin Iryna Bondarenko, Oksana Vyelkina mit einer akrobatisch durchsetzten Jonglage  und Yulia Kamishna – bieten durchweg sehr gute, sehenswerte artistische Leistungen.
Wäre am Ende ein Wort zu den vier Inszenierungen fällig. Vier solche Inszenierungen in kurzer Folge aufeinander, jede anders, aber jede auf ihre Weise ansprechend, vergnüglich, Augen- und Ohrenfreude fürs Publikum. Das ist schon eine bachtliche Leistung. Karl-Heinz Helmschrot – als Regisseur, Darsteller, Jongleur ein Multitalent – erwies sich als wortgewandter Plauderer, der das Publikum von der ersten Minute an ins Spiel einbezog.  Er schlüpfte in ein gutes Dutzend verschiedener Rollen, in denen er deklamierte, parodierte, laut nachdachte – immer zum Ergötzen der Zuschauer. Hervorhebenswert dabei besonders seine eigenwilligen faust-Interpretationen oder seine Rolle als Studienrat. Bei einer solchen Vielfalt ist es nur allzu verständlich, dass er auch mal in die Klamotte abrutschte. Aber das Vergnügen war dadurch nicht geschmälert. Das Varieté in den Hackeschen Höfen hatte seinetwegen sogar auf den traditionellen Chamäleon-Vorhang verzichtet und einen passenden roten Theatervorhang gewählt.  Meine Sorge, dass nun der bunte Vorhang gänzlich abgeknüpft worden wäre und damit ein Stück-Chamäleon-Geschichte passé sei, hatte mir Chamäleon-Mitbegründer Hacki genommen: Bei künftigen Vorstellungen kann sich das Publikum wieder am eigenwilligen bunten Vorhang erfreuen. Vier Helmschrot-Inszenierungen sind dann Geschichte. Aber ich sage erwartungsvoll: Danke, und auf Wiedersehen im Chamäleon, Karl-Heinz-Helmschrot. G. Michaél
Chamäleon Varieté, Rosenthaler Straße40/41 (Hackesche Höfe), 10178 Berlin, Kartentelefon 030/2827118. “Kult” noch bis zum 20.4.2003. Vorstellungen Mi-Sa 20.30 Uhr. So 19 Uhr.

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