Das „Chamäleon” schillert wieder…

...es schillert wieder.

…in prächtigen Farben, wie es sich für dieses Spezies geziemt. Wenn ich hier zuerst einmal das Ambiente, den wieder sehr schön renovierten historischen Saal, die Umbauten, die vielen technischen Raffinessen erwähne, so ist das beileibe kein Hintenanstellen der Akteure, sondern eher eine Verbeugung vor den Bauherren, den Architekten, den vielen fleißigen Handwerkern und Technikern, die in den vergangenen Monaten die Spielstätte in den Hackeschen Höfen neu gestaltet haben.
Die erstmals zum Einsatz kommende Mittelbühne bringt nicht nur eine größere Nähe zum Zuschauer, sondern auch so manche Darbietung viel besser zur Geltung als auf einer üblichen. Das Regie-Gespann Markus Pabst/Maximilian Rambaek kreiert mit “Liaison der Sinne” – so der Titel des neuen Chamäleon-Programms – eine Varieté-Auffassung, die, unterstützt durch die gewisse Intimität des Raumes, weitgehend an eine Nachtbar denken lässt.
Künstler aus den USA, Kanada, Frankreich, Portugal, der Ukraine und – für das Chamäleon selbstverständlich – aus der deutschen Hauptstadt, bieten in vielfachem Zusammenwirken Erlesenes, vom Rollschuhtanz des Duos Les Sandros bis zu den beeindruckenden Kraftakten Oleg Chudans in den Strapaten. Junge Artisten, wie die Kanadierin Anahareo, die mit einer tollen Luftringperformance ihr Deutschlanddebüt gibt, agieren neben “alten” Varieté-Haudegen wie Kai Eikerman, der mit seinen automatischen Bewegungen immer wieder zu begeistern vermag. Verblüffend die Leistung des Berliner Duos Sonambulo. Vivian Sommer und Olaf Kors vermitteln den Eindruck, als könnten sie Gedanken lesen. Man meint, zu wissen, dass es das nicht gibt, also muss es wohl einen Trick geben. Aber welchen?
Lea Fierke mit leidenschaftlichem Tanz, Tigris als einziger männlicher deutscher Hula-Hoop-Künstler mit atemberaubendem Reifenwirbel vervollständigen das Ensemble, das am Ende mit einer irren Wasserschlacht in einer Badewanne auf der Mittelbühne dem Affen so richtig Zucker gibt und dem Publikum dennoch die Gewissheit vermittelt: das Chamäleon geht nicht baden! Schon gar nicht, wenn solche begnadeten “Ton”-Künstler wie die Sängerin Yamil Borges und die Pianistin Ming dem Ganzen einen klangvollen, ausdrucksstarken Rahmen bieten.

Gerry Michaél

Chamäleon. Musik-Theater-Varieté. Rosenthaler Straße 40/41 (Hackesche Höfe), 10178 Berlin. Ticket-Hotline: 030/4000590, Kartenfax: 030/40005950. “Liaison der Sinne” ist bis 5. Juni 2005 zu erleben. Vorstellungen Di-Sa 20 Uhr, So 19 Uhr.

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