Was wird aus dem alten SEZ?

Es war ein beliebtes Ziel für Berliner und deren Gäste

Was tut sich hinter der Fassade? – Kann das SEZ zu neuem Leben erweckt werden? Nach langem Hin und Her beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus am 1. Juli 2003 das seit 31. Dezember 2002 geschlossene SEZ für einen symbolischen Euro an Herrn Rainer Löhnitz, dem Eigner der Markleeberger Poseidon GmbH zu veräußern. Am 20. März 2005 war das SEZ 24 Jahre alt. Kann das SEZ auf eine vollständige Wiedergeburt hoffen? Unser ständiger Mitarbeiter Günther Kunath sprach darüber mit Herrn Rainer Löhnitz.

BLN:  Sie übernahmen es, das SEZ bis Ende 2008 zu sanieren und einen Badebetrieb wieder aufzunehmen. Momentan entsteht der Eindruck, sie betreiben im SEZ neben der Ballspielhalle, dem Bowlingzentrum, dem Fitnesszentrum und den Solarbänken vor allem ein Veranstaltungszentrum. Dient das der Wiedereröffnung der anderen Teile des SEZ?
R. Löhnitz: Zur Richtigstellung: Ich betreibe nicht das SEZ, ich baue nur das Objekt um. Eine Gesellschaft betreibt das Objekt.
Das SEZ wird immer nur mit Schwimmen in Verbindung gebracht, was in meinen Augen Unfug ist. Wer die Historie des SEZ kennt, der weiß, das Schwimmen war nur ein Teilbereich. Wenn man mal die Objektstruktur, die ganzen Räume und Flächen betrachtet, es war als Sport- und Begegnungsstätte, als Erholungs- und Erlebniszentrum gebaut. Der maßgebende Kern des SEZ waren Veranstaltungen.
Und Veranstaltungen jetzt? Da hat es zwei Sylvesterveranstaltungen gegeben, eine Faschingsveranstaltung, eine Technoveranstaltung “Sommersafari” und dieses Love Weekend. Das sind alle Veranstaltungen. Für dieses Objekt ist das an sich sehr wenig. Aber das ist auch nicht die Hauptrichtung.

BLN:  Sie sagten einmal, kein Hallenbadbetrieb der Welt ist heutzutage ohne Finanzzuschüsse zu bezahlbaren Eintrittspreisen betreibbar. Wie wollen Sie das ohne Subventionen ermöglichen?
R. Löhnitz: Das war von Anfang an meine Rede. Deshalb habe ich auch gesagt, die Wasserfläche im klassischen Sinne, was man auch darunter verstehen mag, ist der größte Luxus den man sich leistet. Um sich diesen Luxus leisten zu können, muss man sich erst einmal die Basis schaffen, in einem Betrieb der Geld erwirtschaftet. So hat man das Potenzial Geld an anderer Stelle für eine weitere Dienstleistung als Subvention einsetzen zu können.

BLN:  Nach der SEZ-Übernahme konstatierten sie, man müsse die Energiekonzeption unbedingt drastisch verändern. Denken sie vielleicht an erneuerbare Energie? Das große Dach bietet sich doch nachgerade dafür an.
R. Löhnitz: Ja auch das. Auf dem Dach werden wir Schläuche verlegen, die uns mit Sonnenwärme das ganze Jahr Warmwasser liefern. Aber das ist nur ein Teilchen. Wir sind schon sehr intensiv dabei das neue Konzept umzusetzen.
Zuerst haben wir die Fernwärme vom Objekt abgeschaltet. Das war eine unwirtschaftliche Kostenbelastung, eine absolut katastrophale Kostenbelastung bei dieser Berliner Preisstruktur. Wir haben umgestellt auf Gas und die Energiekosten extrem gesenkt. Im Strombereich haben wir durch Umschaltungen von Transformatoren den Verbrauch extrem eingeschränkt, aber auch durch Umbauten in der gesamten Haustechnik. Ein Beispiel: Man kann einen Lüftermotor mit 3 Kw einsetzen. Hier hatten wir zum Teil welche mit 35 bis 80 Kw. Das sind gigantische Unterschiede.
Wir sind hier voll im Umbau. Das sieht man von außen nicht. Wir können ja nicht die Fassade aufreißen, damit uns jeder bei der Arbeit zuschauen kann. Unsere Aufgabe besteht nicht darin große Schilder zu schreiben, was wir hier machen, sondern hier eine ordentliche Arbeit abzuliefern. Das SEZ ist in über drei Jahren gebaut worden von hunderten von Leuten und für weit über 100 Mio. DDR-Mark. Solchen Luxus gibt’s heutzutage nirgends mehr. Da muss man eben andere Wege finden und für das Ziel effizienter arbeiten.

BLN:  Von außen könnte man den Eindruck gewinnen: Still ruht der See. Man sieht nicht, was im Hause passiert.
R. Löhnitz: Zum einen läuft der Betrieb in der Bowlingbahn. Auch der Betrieb in der Ballsporthalle läuft. Dann haben wir das gesamte Objekt planungstechnisch überarbeitet. Wir haben das Archiv digitalisiert. Eine Architektenkraft ist voll damit beschäftigt das Objekt so im Computer zu platzieren, dass alle wichtigen Informationen digital vorliegen. Dann wird das Objekt weiterentwickelt im Computer. Ich muss jetzt schon berücksichtigen, was in zehn Jahren spannend sein kann. Das Projekt wird die Entwicklungsrichtung der nächsten zehn Jahre enthalten. Diese hochwertige Arbeit passiert hier, die, wenn man sie extern einkauft, sehr teuer ist. Des Weiteren laufen hier seit Monaten sehr umfangreiche Abbrucharbeiten im geschlossenen Objekt. Zum großen Teil wird mit der Schubkarre rausgefahren. Da kann ich nicht mit großen Radladern rein. Das lässt sich nicht in kurzer Zeit erledigen. Das sind Massen von Material, die hier demontiert und bewegt werden müssen.

BLN:  Wie geht es mit den Teileröffnungen weiter? Wie steht es um den Schwimmbetrieb? Denken Sie auch an eine Neueröffnung der Eisbahn?
R. Löhnitz: Alles zu seiner Zeit. Wir haben den letzten Sommer genutzt, den sehr verwilderten Park zu rekultivieren und einen komplett neuen Biergarten zu bauen, ebenso die Beach-Volleyball-Anlagen. Das Angebot wird dieses Jahr zum Tragen kommen. Wir haben den Außenpool soweit in Ordnung gebracht, dass wir den dieses Jahr mit Wasser füllen können. Wir haben eine Poolbar hingebaut. Es sind reichlich Strandkörbe eingekauft. Wir überarbeiten die Schwimmhalle. Wir haben dieses Thema vorgezogen, obwohl das zu einer zusätzlichen Belastung führt. Es wäre effektiver in anderen Bereichen zu arbeiten. Aber auf Grund vieler politischer Nachfragen wird auf die Wasserfläche reflektiert. Im Moment sind wir bestrebt gewisse Wasserflächen zur Verfügung zu stellen, die sinnvoll sind.
Wir arbeiten im Schwimmhallenbereich. Dort gestalten wir etwas, was bis jetzt in dieser Art und Weise noch nicht praktiziert wurde. Wir bieten dann den Leuten eine Vielfalt vom Sand für Beach-Volleyball, indoor-Fußball über Wasserflächen, über Palmen, über Musik, Cocktails bis zum Übergang in den Außenbereich. Das wollen wir schon in diesem Sommer anbieten. Und was die Eisbahn angeht, das wird auch wieder ein Thema sein, aber ich kann halt nicht alles zur gleichen Zeit machen.

BLN:  Wer kann sie auf welche Weise am besten unterstützen?
R. Löhnitz: Es könnte sicher mit Zuschüssen geholfen werden, so wie man das die ganzen Jahre zuvor getan hat. Dieses Geld könnte man hier verbauen. Das verkürzt den Zeitraum und macht vieles einfacher. Auf der anderen Seite muss ich sagen, ich bau lieber ein Jahr länger und kann das so umsetzen, wie ich das als sinnvoll betrachte und muss mit niemand darüber diskutieren.

BLN:  Ist es richtig dass im Vertrag ein Termin 2008 für die komplette Wiedereröffnung festgehalten ist?
R. Löhnitz: Bis 2008 muss ein Hallenbadbetrieb sichergestellt sein, ansonsten hat das Land Berlin ein Rückkaufsrecht. Berlin kann dieses Recht ausüben, wenn es das gern möchte. Aber so wie wir momentan mit der Arbeit vorwärts kommen, werden wir schon vor diesem Zeitpunkt einen Hallenbadbetrieb in einer definierten Form zu Verfügung stellen.

BLN: Das alte SEZ wird nicht wieder erstehen, doch es wird neu belebt mit heutigen Möglichkeiten den gewandelten Bedürfnissen gerecht werden. Wir danken für das Interview.

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