In den letzten Zügen: Die S-Bahn

“Ich habe genug, ich fahr’ mit dem Zug” warb die DB einst (1969) auf einem Werbeplakat, auf dem ein schicker Jaguar-Sportwagen auf den Autozug gepackt ist.

2013 scheint in Berlin der Slogan: “Ich hab’ genug vom Zug!” die weitaus passendere Variante. Denn die 1,3 Millionen werktäglichen S-Bahn-Nutzer wissen: Wer sich derzeit auf den Ring oder seine Zubringer verlässt, ist verlassen. Frühmorgens auch oft von allen guten Geistern. Regelmäßige S-Bahn-Passagiere planen ja bereits zumindest einen Zugausfall mit ein. Und kommen dann, oft trotzdem, nur mit grober Verspätung und/oder Umwegen dorthin, wo sie umweltfreundlich hin wollen, denn derzeit geht oft bis zu 30 Minuten gar nichts. (Wobei: umweltfreundlich ist es ja, das Bahnfahren in Berlin. Was gar nicht fährt, verursacht ja auch keinerlei Abgase.)

Anzeige_DB-1969Besonders ärgerlich: Die Gründe der S-Bahn-Misere sind nicht nur mannigfaltig, sondern den Verantwortlichen auch seit Jahren hinlänglich bekannt. Technische Mängel, schlecht gewartete Weichen, die dann im Winter mangels zeitgemäßer Enteisungsanlagen regelmäßig festfrieren und Personalmangel. Über all das wissen der politisch verantwortliche Senat und die S-Bahn-Betreiber (eine 100% Tochter der DB) hinlänglich Bescheid. Und versprechen auch und immer wieder rasche Verbesserungen. Glauben schenkt diesen Versprechen wohl kaum noch jemand. Schon gar nicht nach den jüngsten Hiobsbotschaften: Statt neuer Züge wird die alte Flotte – teils noch aus DDR-Bestand – wieder fit gemacht, um 160 Millionen Euro. Weil Senat und S-Bahn die zeitgerechte Bestellung neuer Züge verschlafen haben. Man zankte sich lieber intern. Zumindest am Personalmangel scheint man aber zu arbeiten, wenn auch an fraglicher Stelle: So gibt es ein eigenes, offizielles DB/S-Bahn Berlin-Twitter-Team. Es informiert die Fahrgäste gaaaaaanz schnell, welcher Zug gerade mal wieder ausfällt. Im Winter wird es schön viel Arbeit haben, leider.

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