Mit Clärchen’s Ballhaus geht ein Stück Alt-Berlin

Am 14. Januar schloss nach 91-jähriger von Schwof und Gemütlichkeit geprägter Geschichte Clärchen’s Ballhaus in der Auguststraße (Mitte). In der Silvesternacht klingelten die Tischtelefone zum letzten Male. Damit ist ein weiteres Stückchen Alt-Berlin verloren gegangen. Der Grund: Ein neuer Eigentümer des Hauses Auguststraße 24/25 will das Gemäuer im alten Scheunenviertel sanieren. Mit Clärchen’s Ballhaus verschwindet ein Stück Alt-Berlin. Im Jahre 1913 hatte Clara Habermann das Tanzlokal eröffnet. Sie war auch die Namensgeberin des Etablissements, in dem unzählige Pärchen auf dem Tanzparkett zueinander fanden. Mittwochs, zum “Verkehrten Ball”, verschwand so mancher Mann aus dem Gesichtsfeld der Damenwelt. Denn nicht jeder Mann fühlte sich wohl, so die Tänzerinnen “auf Jagd” gingen.
Das Traditionslokal überstand zwei Weltkriege, die erste deutsche Republik, das 1.000-jährige Reich ebenso wie den gescheiterten Sozialismus-Versuch der DDR sowie 13 Jahre vereintes Deutschland. Stets war Berlins ältestes Ballhaus im Familienbesitz – drei Generationen lang: 1967 übernahm Clärchens Stieftochter Elfriede Wolf die Leitung der Lokalität, seit 1979 bat deren Sohn Stefan Wolf die Berliner und ihre Gäste zum Tanz. Ein weiteres Stückchen Berliner Gastronomie-Geschichte ist unweigerlich dahin. Sie kehrt auch nicht zurück, sollte das Haus nach Sanierung und Modernisierung erneut eine Gastronomie beherbergen. Denn man kann zwar das originalgetreue Abbild wieder herstellen, ihm aber nicht den Odem der Geschichte einhauchen.       UvA

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