“Matibi” arbeitet und “Kashi” faucht

Zur Belohnung gibt es Birnen. 10 Pfund etwa, geviertelt und aus dem Eimer. Die sechsjährige “Matibi” schmatzt vor Wohlbehagen. Birnen – eine Delikatesse für Elefanten, auf deren täglichem Speiseplan wohl an die 60 kg Raufutter stehen, aber keine Birnen. Äpfel schon eher, denn fast 130.000 kg davon wurden voriges Jahr im Berliner Tierpark verbraucht, hinzu kamen annähernd 4000 kg aus Spenden. Apropos Spenden als sinnhafter Ausdruck enger Verbundenheit der Bevölkerung mit ihrem Tierpark: Der Spargelhof Klaistow nahe Beelitz spendete acht Tonnen Kürbisse, die auch “Matibi” schmeckten. Der Dickhäuter-Teenager begeisterte Mitglieder der Kameradschaft Berlin-Hohenschönhausen des Deutschen Bundeswehr-Verbandes bei ihrem Besuch des Tierparks. Direktor Dr. Bernhard Blaszkiewitz höchstpersönlich hatte die Führung übernommen und ermöglicht, dass die 60 Kameraden und Partner auch Einblicke bekamen, die normalerweise Besuchern nicht gewährt werden. So war eine Station der Wirtschaftshof des Elefantengeheges, wo die kleine “Matibi” mit Tierpfleger Matthias Otto auf dem Rücken ihre Kunststücke darbot. Beinheben, wie ein Hund, der Pfötchen gibt, sitzen, liegen, Beine kreuzen – eine zirkusreife Vorstellung. Das hört Tierpfleger-Kollege Thomas Günther nicht gern, denn: “Was Sie hier sehen, ist eine Arbeitsdressur”, erklärt er. “Fast alle Arbeiten auf dem Hof werden mit Elefanten ausgeführt.” Wie zum Beweis kantet “Matibi” mit dem Rüssel einen gepressten Futterballen auf die Palette und schiebt sie samt Hubwagen davon.
In einer Futterküche des Alfred-Brehm-Hauses lugt etwas kuschlig-buntegeflecktes aus dem Körbchen und faucht das Verlangen, es zu streicheln, unfreundlich zurück. “Kashi”, das Schneeleoparden-Baby, ist erst sechs Wochen alt. “Diese Leopardenart aus dem Himalaja ist stark vom Aussterben bedroht”, erläutert Direktor Blaszkiewitz. Umso erfreulicher sei es, dass bereits zum dritten Mal im Tierpark Jungtiere geboren wurden. Während “Kashi” fauchend seine Zähne zeigt, genießt der kleine “Ive” im Arm von Tierpfleger Detlef Jany sichtlich die Streicheleinheiten. Dieser zehn Wochen alte niedliche Serval, eine afrikanische Wildkatze, wäre wohl von den meisten am liebsten mit nach Hause genommen worden. Woher denn die Namen kommen, wird gefragt. Detlef Jany: “Die denken wir uns für die Präsentation der Tiere aus, und bei diesem hier haben wir uns eben auf ,Ive´ geeinigt.”
Es ist offensichtlich ein Tag der Jugend im Tierpark. Im Freigehege trägt Mutter Hyäne grade ihr Junges im Maul spazieren. Der Winzling hängt wie tot zwischen ihren Zähnen. “Das ist die Tragestarre”, ist vom Direktor zu erfahren. “Ein natürlicher Schutz, denn wenn das Junge zappelt, würde beim Muttertier der Jagdreflex einsetzen.”
Schlusspunkt war der Besuch im Variwald, der jüngsten, erst am 29. Juni eröffneten Anlage. Affen zum Anfassen! Durch das Gehege, in dem sich die Lemuren aus Madagaska tummeln, führt ein Besucherweg. Das ist der Weg zum Ursprung, die Begegnungsstätte Affe-Mensch, Mensch-Affe. Jedoch: Es sind ja nur Halbaffen, jedenfalls die, die dort wohnen.
Selbst beim Kurzbesuch ist die Einmaligkeit des Tierparks nicht zu übersehen: seine Größe und die Großzügigkeit der Landschaftsanlagen, die naturhafte und gärtnerische Gestaltung des gesamten Parks mit seinem über 19 km langen Wegenetz, die artgerechten Gehege und Tierhäuser mit dem weltweit größten Tropenhaus als Juwel. Etliche der Kameraden hatten hier einst im Nationalen Aufbauwerk (NAW) gemeinsam mit vielen tausend Berlinern Hand angelegt, damit der Landschafts-Tierpark als größter in Europa am 2. Juli 1955 eröffnet werden konnte. Nun, 50 Jahre später, bedankte sich die Kameradschaft bei Direktor Dr. Bernhard Blaszkietz und überreichte eine spontane Spende von 120 Euro als Beitrag zum Gedenkstein für Prof. Dr. Heinrich Dathe († 1991), dessen Name unverbrüchlich mit dem Tierpark verbunden ist. Seinen Namen wird künftig auch der Platz am Bären-Schaufenster tragen.
Wolfgang Richter

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