Knöllchen für jeden dritten Radler

Die Berliner Polizei hat zum Ende ihrer Radfahrer-Schwerpunktkontrollen die Ergebnisse vorgelegt: Rund 10 000 Fahrradfahrer und 840 Kraftfahrzeuge waren seit dem 2. Juni gestoppt worden,

Beanstandungen gab es im Schnitt bei jedem dritten Rad. Die Beamten hatten sich an Unfallschwerpunkten postiert. Funkstreifen hatten die Anweisung, besonders auf das Verhalten von Radlern zu achten. Die Resonanz fiel nach Angaben der Polizei unterschiedlich aus: Während Fußgänger und Autofahrer positiv reagiert hätten, sei man bei der Mehrheit der Radfahrer auf Unverständnis und Uneinsichtigkeit gestoßen. Hintergrund der Schwerpunktaktion: Im vergangenen Jahr hat die Zahl der Unfälle mit Radfahrern erstmals seit 1999 wieder zugenommen 18 tote Radler waren zu beklagen. Im Vorjahr waren es acht weniger gewesen.
Das Hauptaugenmerk hatte die Polizei deshalb auf Pedalritter gelegt, die rote Ampeln ignorierten und auf Radwegen in falscher Richtung fuhren. Von den 10 000 Überprüften handelten sich 2.859 wegen ihres Fehlverhaltens eine Anzeige ein. 1.683 Radfahrer fielen beim Fahren auf Gehwegen und in Fußgängerzonen auf, 477 schenkten roten Ampeln keine Beachtung. 159 benutzen nicht den Radweg, acht standen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss.
Der technische Zustand von Drahteseln war in 852 Fällen zu bemängeln. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) merkt an, dass viele Räder bereits in verkehrsunsicherem Zustand die Läden verlassen. Der Berliner ADFC-Vorsitzende Benno Koch: “Von den im letzten Jahr verkauften 4,6 Mio. Rädern hatten gerade einmal 50 Prozent eine den Vorschriften entsprechende Beleuchtung.” Der ADFC stellte schon vor Jahren einen Antrag an die Bundesregierung, dass Räder nur noch mit witterungsunabhängiger Beleuchtung verkauft werden sollen. Koch: “Die Schwerpunktkontrollen haben im Grunde nichts zur Verkehrssicherheit beigetragen. Das Hauptaugenmerk wurde auf das kleinste Übel gelegt. Es war viel Aktionismus, und manche Polizisten verfügten nicht über ausreichende Kenntnisse der Straßenverkehrszulassungsordnung.”
Allerdings widmete sich die Polizei nicht nur Fahrradfahrern. Auch 391 Autofahrer wurden angezeigt. 34 hatten beim Rechtsabbiegen den Radfahrern keine Vorfahrt gegeben, 52 hatten auf Radwegen gehalten und 24 die Ampelregelungen nicht beachtet. Nebenbei wurden noch elf gestohlene Fahrräder sichergestellt.  A. Maschewski und H. Schultz
Artikel erschien am 7. Juni 2003  / © WELT.de 1995 – 2003

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