In Berlin fehlen Sozialwohnungen

In Berlin fehlen Sozialwohnungen

Menschen mit schmalem Geldbeutel drohen mehr und mehr vom Wohnungsmarkt in Berlin abgekoppelt zu werden. Eine Stärkung des sozialen Wohnungsbaus soll Abhilfe schaffen.

Dazu hat eine Studie vom Pestel-Institut jetzt für die Stadt Berlin eine Bestandsaufnahme gemacht und den Bedarf an Sozialwohnungen ermittelt. Demnach haben derzeit rund 640.900 Haushalte in Berlin Anspruch auf eine Sozialmietwohnung. Zu diesen Haushalten mit niedrigem Einkommen gehören Hartz-IV-Empfänger und Wohngeldbezieher. Ebenso Erwerbsunfähige und ältere Menschen, die von der staatlichen Grundsicherung leben.
Pro tausend Einwohner würden somit 185 Sozialwohnungen benötigt. Berlin habe damit beim sozialen Wohnraum einen sehr hohen Bedarf. Dieser liege sogar deutlich über dem Bundesdurchschnitt. „Aber längst nicht jeder, der einen Anspruch auf eine Sozialwohnung hat, hat auch die Chance, eine zu bekommen.
In ganz Berlin sieht es schlecht aus: Landesweit stehen nur für 33 Prozent der betroffenen Haushalte Sozialmietwohnungen zur Verfügung“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut.
In den vergangenen Jahren seien in Berlin viele Sozialwohnungen vom Markt verschwunden. Hier klaffe eine enorme Lücke. „Dies trifft insbesondere Geringverdiener, Alleinerziehende und Rentner. Für Haushalte mit geringem Budget bezahlbare Wohnungen zu schaffen, ist eine der drängendsten sozialen Herausforderungen“, so Günther.
Das Pestel-Institut hat die Studie zum „Bedarf an Sozialwohnungen in Deutschland“ im Auftrag der Wohnungsbau-Initiative gemacht. Dazu haben sich neben der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) der Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB), die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) und der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) zusammengeschlossen.
Gemeinsam fordern sie einen „Masterplan für den sozialen Wohnungsbau“ in Deutschland. Hier seien alle in der Pflicht: Bund, Land und Kommunen. Um dem Abwärtstrend bei den Sozialwohnungen entgegenzuwirken, setzt die Wohnungsbau-Initiative auf vier Maßnahmen: Neben dem Neubau von Sozialwohnungen komme auch der Ankauf von Belegungsrechten – und damit die Schaffung von „Sozialwohnungen auf Zeit“ – in Frage. Ebenso könne zusätzliches Bauland für den Mietwohnungsbau ausgewiesen werden. „Darüber hinaus kann die öffentliche Hand die Modernisierung von bestehendem Wohnraum fördern und dabei die Mieten deckeln“, sagt Matthias Günther. Im Fokus müsse hier die energetische und altersgerechte Sanierung stehen.

Pestel-Institut / Matthias Günther

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