
Die umfassende Renovierung im Midtown Grill des Marriott Hotels am Potsdamer Platz ist nun abgeschlossen und das Restaurant wirkt noch mondäner und einladender als je zuvor: Holz, Marmor und Messing, schwere Möbel und indirekte Beleuchtung erzeugen eine luxuriöse und zugleich moderne Atmosphäre.
Heute werden die zahlreich hereinströmenden Gäste am Empfangspult von der stellvertretenden Restaurantleiterin Annabelle Heydorn begrüßt und zu ihren Tischen geführt. Eine Reservierung ist dringend zu empfehlen, denn der Ort wird jeden Tag gut besucht. Einige Gäste kommen direkt aus der angrenzenden Lobby des Marriott Hotels – das Midtown war am Morgen noch der Ort ihres Frühstücks. Dazu kommen externe Gäste, darunter Einheimische ebenso wie internationale Geschäftsreisende und Touristen. Alle Tische um die offene Küche sind besetzt. Und in dieser sensationellen Küche wird gegrillt, dass die Flammen emporschlagen. Es zischt und duftet nach Röstaromen, aber zum Glück nur kurz, dann saugt die kraftvolle Abluftanlage alle Schwaden ein und weder Anzug noch Abendkleid haben Gelegenheit, den Küchengeruch anzunehmen.
Bei der Speisen- und Getränkeauswahl beriet uns Eduard Fedorca, der neben fließend Deutsch und Englisch auch seine Muttersprache Rumänisch spricht. Der äußerst zuvorkommende und keinem fachkundigen Rat holde Kellner (um es in der blumigen Sprache des legendären Lokal-TV-Gastrokritikers von FAB Manuel Werner zu sagen) erklärte kurz unsere heutige Menüfolge, „The Midtown Experience“: Vorneweg gab es Champagner mit Sauerteigbrot und gesalzener Butter. Dann grüßte gleich zweimal die Küche mit den Amuse-Bouches „Beef Filet Tartare“ mit oben aufliegender Sardelle (falls die jemand nicht mag) und verschiedenerlei Karotten vom Holzkohlengrill an karamellisierten Walnüssen, Ricotta-Joghurt-Soße und Chimichurri-Kräuter-Öl. Daran schloss die erste Hauptspeise an, die unser junger Chef de Rang Fedorca mit den Worten einleitete: „Ab jetzt ist das Gemüse nur noch Deko!“
Er brachte daraufhin gegrilltes Lachsfilet neben gegrilltem Oktopusarm in einer Schale mit Kartoffelpüree, etwas Fenchel und einer perfekt abrundenden Orangen-Madeira-Soße mit leichter Knoblauch-Chili-Note. Dieses Gericht ist wirklich ein Highlight, weil es alles hat: die Würze, die Süße, die Zähigkeit und den Schmelz und obendrauf noch das köstliche Raucharoma vom Grill. Der Lachs stammt übrigens von den Färöer-Inseln, der Oktopus von Gran Canaria, wie der diensthabende Chef de Tournant Otari Patarkalashvili uns am Tisch erläuterte. Auffällig, wie viel Wissen und Leidenschaft die Mitarbeiter des Midtown Grill, mit denen wir gesprochen haben, für ihre Produkte inklusive der Herkunft der Zutaten aufbringen. Diese Fachlichkeit bildet die ideale Grundlage für ein gelingendes Umsorgen und im besten Sinne Bewirten der Gäste: freundlich, unaufdringlich, verbindlich und doch persönlich.
Vor dem zweiten Hauptgang sei darauf hingewiesen, dass der Midtown Grill während der Sommermonate zwischen 17 und 19 Uhr mit dem Early Supper eine Art Steak-Happy Hour anbietet. Dann gibt es ein 180-Gramm-Steak nach Wahl des Kochs für 29,00 Euro. „Chefs Choice“ bedeutet in diesem Fall: der beste „Cut“, der in diesem Moment verfügbar ist. Andere Offerten des frühen Abends: Midtown Grill Burger (125 Gramm) mit Pommes frites für 19,00 Euro oder Wiener Schnitzel mit Pommes frites für 28,00 Euro. Dafür fällt noch bis Mitte September der Mittagstisch weg, denn viele der Geschäftsleute des umliegenden Potsdamer Platzes sind im hoffentlich verdienten Urlaub.
Weiter im Menü mit dem eigentlichen Höhepunkt: ein New York Strip Steak (Medium rare) aus den USA, dazu grüner Spargel aus Peru, Kartoffelstroh, Paprikasoße und separat Garnelenhollandaise in der Sauciere. Dazu muss man sagen, dass das in Amerika als „NY Strip“ bekannte Steak hierzulande als klassisches Rumpsteak bekannt ist. Typisch für diesen Zuschnitt ist der sehr feste Fettrand an der Seite, der dem Fleisch beim Braten sein kräftiges Aroma verleiht. Richtig zubereitet sorgt dieser charakteristische Rand für ein besonders saftiges und intensives Geschmackserlebnis, auch wenn man ihn in der Regel nicht mitisst. Für mich hätten es statt des sehr luftig-leichten Kartoffelstrohs auch Pommes frites getan und die Paprikasoße war auch nicht mein Fall. Die mit Garnelen verfeinerte Sauce Hollandaise entsprang der Idee des Chefkochs, einen Geschmack in der Art „Surf and Turf“ zu kreieren, wie uns Otari Patarkalashvili auf Nachfrage erläuterte. Interessant waren zudem die drei verschiedenen Sorten Salz, mit denen man sein Steak zusätzlich würzen konnte: Himalaya-Kristallsalz aus Pakistan, französisches Meersalz und Meersalz mit (im Haus) geräucherten Kräutern und Pfeffer – ein fantastisches Raucharoma bringt dieses Salz zusätzlich auf den Teller!
Abschluss eines jeden Essens im Midtown Grill sollte der legendäre New York Cheesecake aus amerikanischem Frischkäse (Marke Philadelphia) sein, verfeinert mit Heidelbeerengrütze, Spekulatiuskekskrümeln und Himbeer-Schoko-Perlen auf einem Vanillesoßenspiegel, gekränzt von Melissenkresse, die nach Minze und Limette schmeckt. Angeblich reisen Gäste nur für diesen Cheesecake im Midtown Grill des Berliner Marriott am Potsdamer Platz sogar aus New York an!
Ob für den süßen Kuchen-Klassiker oder den herben ‚Bullenschluck‘ an der schicken Bar: Dieser rundum gelungene kulinarische Kurztrip nach Manhattan lohnt sich für Berliner und Weltreisende gleichermaßen.
Karten, Infos und Reservierungen unter www.midtown-grill.de
Text & Bilder: Oliver Numrich
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