
Die aktuelle Studie „Wohnen in Berlin 2026“ von Civey im Auftrag der Berliner Sparkasse zeigt, dass Berliner bei der Schaffung zusätzlichen Wohnraums vor allem auf die Umnutzung leerstehender Büroflächen setzen. Gleichzeitig verschiebt sich der Blick auf neue Wohnungen und Häuser stärker in Richtung der Stadtbereiche außerhalb des S-Bahn-Rings und ins Umland.
Die Studie macht deutlich, dass klassische Maßnahmen wie Nachverdichtung weiter eine Rolle spielen, aber nicht mehr allein im Mittelpunkt stehen. Lücken schließen und Dachgeschosse ausbauen werden zwar ebenfalls genannt, doch die Umnutzung bestehender Flächen hat erstmals den stärksten Rückhalt. Das passt zwar zu einer Stadt, in der freie Flächen knapp sind und der Druck auf den Wohnungsmarkt hoch bleibt. Aber ob es wirtschaftlich und technisch möglich ist, als Büroflächen geplante und gebaute Häuser umzuwidmen, dürfte fraglich sein. Die Finanzierung von Bürohäusern geht in der Regel von einer viel höheren Umsatzrendite aus, als mit Wohnungen zu erwirtschaften wäre. Außerdem wäre der Umbau in den meisten Fällen extrem teuer, bedarf umfangreicher Planung und führt am Ende zu einer weiteren Verteuerung der Miete. Bautechnisch sind viele Bürogebäude zudem nur eingeschränkt geeignet, weil Grundrisse, Belichtung, Wasserleitungen, Brand- und Schallschutz oft nicht zu den Anforderungen an Wohnungen passen und Umbauten entweder zu aufwändig oder schlicht nicht möglich sind.

Beim Wunsch nach Wohneigentum zeigt sich ebenfalls ein gemischtes Bild. Eine Mehrheit kann sich grundsätzlich vorstellen, eine Immobilie zur Eigennutzung zu kaufen, doch der Anteil ist etwas geringer als im Vorjahr. Besonders ausgeprägt ist dieser Wunsch bei den 30- bis 49-Jährigen, also genau in den Altersgruppen, in denen Familiengründung und längere Wohnperspektiven oft zusammenkommen.
Als größtes Hindernis bleibt fehlendes Eigenkapital ein zentrales Thema. Daneben spielen aber auch hohe Preise, Zinsen und die allgemeine Wohnsituation eine wichtige Rolle. Die Entscheidung gegen Eigentum hängt damit nicht nur an einem einzelnen Faktor, sondern an einem ganzen Bündel von finanziellen und persönlichen Gründen.
Berliner hoffen auf Wohnraum vor allem außerhalb des S-Bahn-Rings
Interessant ist auch die Verschiebung bei den bevorzugten Standorten für Eigentum. Wer sich einen Kauf vorstellen kann, denkt etwas weniger stark an Berlin selbst als im Vorjahr; das Umland gewinnt an Attraktivität, besonders bei Frauen. Das spricht dafür, dass viele Kaufinteressierte flexibler auf den tatsächlichen Markt reagieren und nicht mehr ausschließlich an den Verbleib in der Innenstadt gebunden sind. Vielleicht spiegelt die größere Bereitschaft, aufs Land zu ziehen, auch die Einsicht in den fortschreitenden Niedergang der Berliner Innenstadt wider, der sich in zunehmender Vermüllung und Verwahrlosung zeigt.
Bei den Auswahlkriterien rücken Balkon oder Garten stärker in den Vordergrund. Auch die Größe der Wohnung und eine gute Infrastruktur bleiben wichtig, während die Verkehrsanbindung etwas an Bedeutung verliert. Das deutet auf einen Wandel hin: Nicht nur die Lage zählt, sondern zunehmend auch die Qualität des unmittelbaren Wohnumfelds.
Bei der Finanzierung bleibt die klassische Bankfiliale die bevorzugte Anlaufstelle. Zugleich zeigt sich aber, dass ein relevanter Teil der Befragten einen Immobilienkredit auch online abschließen würde. Der Berliner Wohnungsmarkt bleibt damit nicht nur beim Wohnen selbst im Umbruch, sondern auch bei den Wegen, wie Wohnträume finanziert werden.
Quelle Titelbild: PixelAnarchy via Pixabay / Quelle Säulendiagramm: ©Berliner Sparkasse/Civey
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