Hintergründiger Namensstreit

Bündnisgrüne beantragten, dem neuen Sportplatz am Anhalter Bahnhof einen Namen zu geben. Sie schlugen vor den Platz nach der fünffachen Leichtathletik-Weltrekordlerin und 10fachen Deutschen Meisterin der zwanziger Jahre, Lilly Henoch zu benennen.

Nacheinander traten Parteienvertreter ans Pult und beteuerten schlussendlich: “Wir sind ja für diesen Namen, aber…” Die einen nahmen den Bündnisgrünen übel, dass sie vordem den Bau des Sportplatzes mit allen Mittel stets und immer wieder in Frage gestellt hatten und nun als Namenspatron glänzen wollten.  Die CDU-Vertreter aber hatten noch andere Gründe des Widerspruchs. Ihnen passte nicht, wie die Antragsteller den Namensvorschlag begründeten.  Während es im Ostberliner Thälmannpark eine kleine Lilly Henoch Strasse und im Hohenschönhausener Sportforum eine Lilly Henoch Werferhalle gibt, fehlt der Name Lilly Henochs im Westteil Berlins. Kein Wunder, denn Lilly Henoch war mit dem 19. Berliner Judentransport zur Ermordung nach Riga deportiert worden.
Dagegen prangt stattdessen am Olympiastadium noch immer der Name des Faschisten Carl Diem. Dieser hatte in den letzten Kriegstagen Kinder als Hitlerjungen im Volkssturm verheizen lassen. Diese Vergleiche passten den CDU-Herren nicht. Das lässt denken! Der Antrag wurde zur weitern Behandlung in Ausschüsse überwiesen.

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