Fristverlängerung für den Konsum Berlin

Bankgesellschaft Berlin: Kein Sinneswandel – stehen unverändert zur Sanierung der Genossenschaft, Gläubiger und Eigentümer in einer Schicksalsgemeinschaft / Bürgerinitiative und GbR gemeinsam bei Demo  vor 1000 Genossenschaftlern auf dem Alex  / Weiterer Protest geplant

Über die Bemühungen um die Rettung der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend eG vor einer drohenden Insolvenz, durch die auch die Einlagen der 190 000 Mitglieder in Höhe von rund 57 Millionen Euro gefährdet sind,  berichten auch weiterhin die Berliner LOKALNACHRICHTEN. Die Zeitung wandte sich am 29. Januar in einem Schrei-ben an die Berliner Bankgesellschaft und den dort für den Vorgang zuständigen Direktor Peter Grosse-Wiesmann. Darin wird darauf hingewiesen, “dass sich gerade in diesen Tagen sehr viele Leser – u. a. wegen Irritationen, die über öffentlich verbreitete Informationen eingetreten sind – an die Redaktion gewandt haben mit der Bitte um eine objektive Darstellung der aktuellen Situation der Berliner Genossenschaft.

Vor allem sollte die Bank darüber Auskunft geben ob sie weiterhin bereit ist den Sanierungskurs des Konsum zu stützen. Vertreter der Gesellschaft reagierten schnell und unbürokratisch. Zuerst telefonisch durch die Leiterin Unternehmenskommunikation Christina Peters, dann in einem Antwortfax (unter Beifügung von Presseveröffentlichungen und einem Schreiben von Insolvenzverwalter Dr. Schröder an die Berliner Zeitung). Darin heißt es: “Von Sinneswandel der Bankgesellschaft Berlin kann keine Rede sein. Darüber wurde der Insolvenzverwalter informiert. Unverändert steht die Bank zur Sanierung der Konsumgenossenschaft. An dieser Position hat sich nichts verändert.”

Auf  die Frage, welche Bedingungen von der Bank an den Konsum gestellt würden, damit dieser eine Insolvenz abwenden kann, lautete die Antwort: “Die Bankgesellschaft unternimmt alles, um eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung zu finden. Voraussetzung dabei ist, dass alle Gläubiger und Eigentümer im Sinne einer Schicksalsgemeinschaft gleichermaßen ihren Beitrag zur Sanierung des Konsum leisten.”

Die von der Bürgerinitiative Mann/Hacker “Rettet unsere Einlagen” und der GbR “Zur Rettung des Konsum Berlin mbH” gemeinsam organisierten Protest-Demonstration reagierte auf Presse-Meldungen, denen zufolge Insolvenzverwalter Dr. Schröder – entgegen seiner bisherigen öffentlichen Verkündigungen – am letzten Januarwochenende vor Gericht das vorläufige Scheitern der Sanierungsbemühungen zu Protokoll geben wolle.

Tenor der Demo, auf der Günter Mann (Bürgerinitiative), Siegfried Rose (GbR), aber auch mehrere “einfache” Mitglieder sprachen, war, es müsse alles, aber auch alles  getan werden, um den Konsum zu retten. In diesem Zusammenhang wurde über mehrere Bedingungen zum Erhalt der Genossenschaft informiert. Damit verknüpft sind u. a. die Württemberger Hypobank, die Verbrauchermarktkette “extra”, der Einsatz eines Sanierungsmanagers und die Rücknahme gekündigter Anteile.

Hier handelt es sich um einen Beitrag, mit dem natürlich die Mitglieder gefordert sind. Bis Redaktionsschluss flossen – bei einer Tages-Quote von 500 000 € – bereits rund zehn Millionen € zurück. Durch Verkäufe reduzierten sich die Verbindlichkeiten um weit über 20 Millionen €, Verwaltungskosten werden drastisch gesenkt. In der Konsum-Zentrale in Lichtenberg wird rund um die Uhr mit Hochdruck an der Sanierung gearbeitet.

Günter Mann informierte darüber, dass in Schreiben an Banken, Wirtschaftssenator Harald Wolf und Bundeskanzler Schröder auf die gesellschaftspolitische Brisanz des  Vorgangs aufmerksam gemacht wurde. Antwort erhielt die Initiative vom Parlamentarischen Staatssekretär Rezzo Schlauch, auch im Namen des Bundeskanzleramtes. Darin wird darauf verwiesen, “dass es einen Erfolg, d. h. die Fortführung des Unternehmens nur geben kann, wenn alle, d. h. vor allem auch die Eigentümer, mitwirken.”

Ihre Solidarität mit dem Anliegen der Genossenschaftler ließ die PDS-Bundestagsabgeordnete Dr. Gesine Lötzsch mit Direktmandat in Lichtenberg und selbst langjähriges Konsum-Mitglied, übermitteln. 

Die Protestwelle setzte sich auch nach der Demo fort. So hat z. B. ein Ehepaar aus Prenzlauer Berg, langjährig im Konsum und “Hochzeichner”, in einem Brief an Justizsenatorin Schubert (der der Redaktion vorliegt) auf den drohenden Totalverlust der Einlagen und ihre persönliche Situation hingewiesen. Zugleich auch auf ein offenbar aktualisierungsbedürftiges Insolvenzrecht.

Die hier nur skizzenhaft widergespiegelten Aktivitäten trugen sicherlich nicht unwesentlich dazu bei, dass vom Amtsgericht Charlottenburg dem Antrag des Insolvenzverwalters und der Bitte des Konsumvorstandes stattgegeben wurde, die Sanierungsfrist um vier Wochen zu verlängern. Die verbleibende Zeit wird jetzt von allen Beteiligten intensiv genutzt. Bürgerinitiative und GbR beraten darüber, in der kommenden Woche eine weitere Demonstration, ggfls. vor dem Roten Rathaus, zu veranstalten. Die Entscheidung darüber war bei Redaktionsschluss noch nicht gefallen. Sanieren oder liquidieren, das ist die Frage dieser Stunde.

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