Das 10jährige Jubiläum der BTM

… ist Anlaß, über die Bedeutung des Tourismus im allgemeinen und über jene des Berlin-Tourismus im besonderen ein paar Anmerkungen zu  machen.

Denn als Wirtschaftsfaktor trägt diese Branche unmittelbar 4,3 % zum Brutto-Inlands-Produkt bei, einschließlich aller indirekten Effekte mindestens 7,5 %! Der Tourismus bietet 66.000 Vollarbeits- und 4.900 Ausbildungsplätze – eine Relation, die kaum in einer anderen Branche erreicht werden dürfte. In der Zahl der Übernachtungen lagen München und Berlin noch 1998 gar nicht so weit auseinander – ca. 7 Mio. in München zu ca. 8,2 Mio. in Berlin! Inzwischen ist Berlin auf- und davonmarschiert: 2002 fiel München fast auf den Stand von 1998 zurück – ca. 7 Mio. – während Berlin nach geringfügigen Rückgängen 2000 und 2001 bei etwa 11 Mio. Übernachtungen verharrte, was immer noch einer Steigerung gegenüber 1998 von ca. 46 % entsprach.
Nimmt man die Krise, die in den Übernachtungszahlen von 1993 und vor allem in deren Rückgang von damals 7,7 Mio. auf nur noch 7,3 Mio. Übernachtungen zum Ausdruck kommt, zum Maßstab der seither zu beobachtenden Entwicklung, so betrachten wir eine Erfolgsgeschichte. Die BTM begann im Jahre 1993 mit Schlagzeilen wie:
„Die Berlin Tourismus ist pleite“ oder „Touristen machen sich rar an der Spree“ oder „Tourismus GmbH tritt kurz“ oder, so am 14.10.1993 in der stets best informierten Zeitung Deutschlands nachzulesen: „Berlin Tourismus: die Pannen-GmbH; Hotels sauer, kein Geld mehr, Werbung gestrichen.“
Und genau 13 Tage vorher, am 1.10.1993, hatte Hanns Peter Nerger bei eben dieser Pannen-GmbH angeheuert. Er fand ungeordnete Finanzverhältnisse vor, die nicht zuletzt durch die gescheiterte Zwangsabgabe der Hotels und die mangelnde Bereitschaft Berlins, sich stärker zu engagieren, verursacht worden waren. Wie es in den folgenden zehn Jahren H. Peter Nerger, die Stadt, die Berliner Hotellerie und viele freundliche Helfer schafften, aus der vermeintlichen Pleite-GmbH eine Erfolgsfirma und aus einem Etat von 2,6 Mio. € einen solchen von 10,3 Mio. zu machen, das ist eine eigene Geschichte, aber eben a u c h eine Berliner Geschichte. Genauso wie die Hauptstadtwerdung an sich, die mit der Entwicklung des Tourismus einherging und die ganz sicher – wenn auch erheblich verzögert – ein Stück Lebensgrundlage dieser Stadt zurückgab.
Hanns Peter Nerger kam damals von draußen, aus dem Norden, aus Lübeck-Travemünde. Noch ein anderer kam damals aus Schleswig-Holstein, Wilhelm von Boddin, der seither den Plan verfolgt, das Schloß wieder aufgebaut zu sehen. Damals, 1994, schrieb der Bonner Generalanzeiger, das Lieblingsblatt der Berliner seit 1991: „Allein die Tatsache, daß ein Unternehmer aus Schleswig-Holstein, der sein Geld mit dem Verkauf von Traktoren, Heuwendern und Melkmaschinen verdient  kommen muß, um Berlin auf Schwung zu bringen, beleuchtet die Verhältnisse: die Initiative kommt von außen, in der Stadt selbst bringt niemand so etwas zu Wege.“
Sieht man von den Heuwendern und Melkmaschinen ab, so paßt der Satz auch auf  Nerger. Und man muß natürlich ergänzen, daß das in Berlin nie anders war – die guten Leute kamen immer in Massen von draußen… Daß das alte neue Berlin mit dieser hinreißenden Mischung aus alter und neuer Nationalgalerie, aus Hamburger Bahnhof und jüdischem Museum, aus Potsdamer Platz und Pariser Platz, aus endlich entstehendem Holocaust-Mahnmal und der Topographie des Terrors, daß mit restauriertem Brandenburger Tor und wieder aufgebautem Schloß, daß schließlich mit den Kontrapunkten Reichstag hier und Bundeskanzleramt fast gegenüber schon jetzt eine ganz eigene Stadtbaugeschichte, ja eine Geschichte dieses ganzen ebenso geschundenen wie großartigen Landes überhaupt geschrieben und gebaut wird, das gehört zu den eigentlichen Wundern dieser Jahre seit 1990. Und diese Faszination aufleuchten zu lassen und den Menschen zu vermitteln, das ist die Aufgabe der BTM und Hans Peter  Nergers.
Ist das leicht, ist es schwer? Nun, es ist möglich, aber es ist nicht so einfach. Nicht nur wegen der Konkurrenz anderer Länder und Städte, denn Konkurrenz gibt es in dieser Branche reichlich, und keine ist von den Subventionstöpfen weiter entfernt als die deutsche, die Berliner Hotellerie – Gott und der europäischen Union sei dreifach Dank. Jedoch: die gute Botschaft vom aufregenden Berlin den Adressaten zu  übermitteln, das ist das Problem. Es ist harte Arbeit en detail und 24 Stunden am Tag. Und wenn die Love Parade weniger Zuschauer hat, wenn drei Berliner Opernhäuser negative Schlagzeilen machen, wenn die schier endlose Berliner Flughafengeschichte genüßlich in allen großen Blättern durchgekaut wird, dann ändert das gar nichts daran, daß Berlins Attraktivität steigt, daß die Berliner Hotels so günstig im Preis-Leistungsverhältnis sind wie in keiner anderen Stadt und daß das Preischaos bei der Deutschen Bahn nicht in den Kneipen rund um den Hackeschen Markt erfunden wurde. Und wenn nun auch die Bundesregierung vom politischen Gegner als Chaos-Truppe bezeichnet wird, dann muß ich Wert auf die Feststellung legen, daß der, der das gesagt hat, aus NRW stammt und nicht aus Berlin. Eigentlich schade! Denn die große Klappe ist ja sehr berlinisch, und wenn ein Chaot den anderen als Chaoten bezeichnet, dann wollen wir froh sein, daß vom Berliner Finanzchaos mal ausnahmsweise nicht die Rede ist.
Die BTM ist keine Wunderwaffe, und Hanns Peter Nerger ist kein Weihnachtsmann, der nur eben mal den Sack zu öffnen braucht – und schon purzeln bessere Auslastungen in den Hotels, höhere Preise in den Gaststätten und chinesische Kundenströme fürs KaDeWe heraus. Berlin als Ganzes muß attraktiv sein – und es muß eben gut verkauft werden – durch die Senatsmitglieder, durch die Abgeordneten, durch die Unternehmer, durch Partner für Berlin, durch freundlich gestimmte Medien – und eben eine BTM, die nicht nur durch einen steigenden Etat, sondern mehr noch durch steigenden Einfallsreichtum glänzt. Zur Unterstützung verpflichtet sind die Gesellschafter, also neben dem Land Berlin und den 401 Partnerhotels, die Investitionsbank Berlin, die Karstadt Warenhaus AG, die Messe Berlin GmbH und die Tourismus Marketing Brandenburg GmbH, zu deren Unterstützung wiederum wir, also die BTM und deren Partner, verpflichtet sind.
Und vielleicht, so ganz vielleicht, darf man ja auch hoffen, daß sich eines Tages mit den beiden Bundesländern auch die BTM Berlin und die TMB Brandenburg zusammenfinden – und dabei all die Eifersüchteleien vermeiden, die in politischen Kreisen wohl unvermeidbar sind, bei Unternehmern, Dienstleistern zumal, jedoch selten Begeisterung erwecken.
Daß Berlin – mindestens in touristischer Hinsicht – gut ist, wissen wir. Nur genügt es nicht, eine Sache zu beweisen, man muß die Menschen zu ihr auch verführen – so Friedrich Wilhelm Nietzsche. Nun denn: BTM und Hanns Peter Nerger: Verführen Sie! Und tun Sie es nachhaltig. Denn wenn schon gebrüllt werden muß, dann wie ein Löwe – sagt ein altes Sprichwort. Und wiederholen Sie, wiederholen Sie, wiederholen Sie – denn in der Werbung ist der beste Beweis die hundertmalige Wiederholung der Behauptung – fragen Sie mal die Bundesregierung.
Zum 10-jährigen Jubiläum dieser Tourismus Marketing GmbH,  meinen Glückwunsch; allen Mitarbeitern den Dank der Gesellschafter und des Aufsichtsrates, verbunden mit dem Wunsch auf weitere erfolgreiche Arbeit für meine Vater- und Mutterstadt Berlin – insofern bin ich wohl ein Exot in dieser Runde – für ein Berlin also, das uns allen am Herzen liegt, für ein Berlin, das als deutsche Hauptstadt ja mehr zu sein hat als nur eine große Stadt, für ein Berlin, das auch für Deutschland steht, für ein Berlin schließlich, das ich mir liebenswürdig und tolerant, aber auch fleißig und sparsam, der Vergangenheit und der Zukunft zugewandt wünsche. Eben preußisch – wie in den besten Zeiten dieses wahrhaft großen Staates!
(Auszug aus der Rede von Dietmar Otremba,  Vorstandsvorsitzender der BTM, gehalten im TIPI am 15.9.2003)

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