Blick in die Kulturgeschichte Berliner Zoologischer Gärten

Wer Unter den Linden bummelt, übersieht an der Ecke Schadowstraße leicht die Gedenktafel, die mitteilt, dass an dieser Stelle 1869-1910 das erste Berliner Aquarium sein Domizil hatte.

„Aquarium“ verbindet der Berliner heute selbstverständlich mit dem Zoologischen Garten – berlinisch kurz: Zoo! Aber wie selbstverständlich ist überhaupt der Zoo?
Zoologische Gärten, Freiluftgehege, Tierparks sind heute integraler Bestandteil des Lebens in und bei urbanen Ballungszentren. Ihren Ursprung haben sie im fürstlichen Bedürfnis nach exotischem „Plaisir“ und dem Wunsch, renommieren zu wollen. So ist es logisch, dass die ersten Menagerien in Europa in der Zeit des Barock entstanden, als Renommieren mit Prunk und Pomp zum Zeitgefühl (zumindest der Herrschenden) gehörte. Eine neue Ausstellung der Stiftung Stadtmuseum im Ephraim-Palais geht diesen Anfängen nach und verfolgt die seither in Berlin gelegten Spuren, die in der Gegenwart durch die Existenz von Zoo und Tierpark ihre sichtbarste Ausprägung erfahren. Dabei macht der Berliner Zoo auf seinem eigenen Gelände wenig Aufhebens um seine – mit der Pfaueninsel verbundene – Vorgeschichte und seine mehr als 160jährige eigene Historie. Zum Glück konnte die Stiftung Stadtmuseum 2002 die wohl größte zoohistorische Sammlung Europas aus dem Besitz des Sammler-Ehepaars Kourist erwerben, mit der dem schmalen Wissen um die Entstehung und die mit Höhen und Tiefen verbundene Entwicklung sowie die eminente kulturhistorische Bedeutung dieser beliebten Berliner Einrichtung beizukommen ist. Die Sammlung Kourist wird jetzt mit ihren wichtigsten Exponaten erstmals dem Berliner Publikum vorgestellt – ergänzt um Exponate aus dem traditionellen Bestand der Stiftung Stadtmuseum, darunter dermoplastische Tierpräparate aus der eigenen Werkstatt, gekrönt von dem legendären Nilpferdbullen „Knautschke“. Doch  Berliner älteren Jahrgangs werden den Gorilla „Bobby“ vermissen: sein Fehlen erklärt sich dadurch, dass seine präparierte sterbliche Hülle dem Naturkundemuseum gehört und dort auch ausgestellt ist!
Reichlich ein Jahrhundert nach der Eröffnung des Zoologischen Gartens 1844 trat ihm (1955) in Friedrichsfelde der Tierpark zur Seite. Der nimmt in der Ausstellung natürlich seinen ihm gebührenden Platz als Pendant zum Zoo ein, und am 13. Dezember, 18 Uhr, wird z. B. Karin Rohn in der Ausstellung sich ihrer „Im Tierpark belauscht“-Gespräche mit Prof. Dathe erinnern. Mit unserem heutigen Wissen muss man allerdings eingestehen, dass – bei allem, in der Ausstellung durchaus gewürdigten freiwilligen Bürgerengagement – der Tierpark a priori als Ost-Pendant zum in West-Berlin gelegenen Zoo konzipiert war, und seine Entstehung und erstaunliche Entwicklung ohne den letzteren nicht stattgefunden hätte. Insofern setzt die Ausstellung ihren Schwerpunkt schon richtig: am Westrand des Tiergartens.

Affentheater und andere Viechereien. Zur Kulturgechichte der Menagerien und Berliner Zoologischen Gärten. Ephraim-Palais, noch bis 7.2.2007. Die, Do – So: 10 – 18 Uhr, Mi (eintrittsfrei): 12 – 20 Uhr. Mini-Exemplare der in der Ausstellung präsentierten Dermoplastiken stehen zum Verkauf (zwischen 9.90 u. 14.80 €)

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