Hoffnungsvoller Varieté-Nachwuchs

Junge Künstler – keiner durfte über 25 Jahre alt sein – aus Schweden, Frankreich, Argentinien, England, Finnland, Brasilien, Kroatien, Dänemark und natürlich aus Deutschland bewarben sich an vier Abenden im Chamäleon Varieté um die Gunst des Publikums und um den Nachwuchs- Varieté- Preis, den die Bitburger Brauerei gemeinsam mit dem Chamäleon alljährlich vergibt.

Die Zahl der Bewerbungen war so groß, dass sich eine Auswahlkommission für eine Reihe von Artisten entscheiden musste. Jene, die in die engere Auswahl gekommen waren, hatten sich jeweils zweimal einer kompetenten Jury vorzustellen. Die meisten von ihnen konnten auf eine solide Ausbildung und schon reichlich Bühnenerfahrung verweisen.
Vor einem ausgesprochenen Fan-Publikum – Freunde, Verwandte, junge Artisten, alte Varieté-Hasen – zeigten dann am Abschlussabend die Preisträger ihr beachtliches Können. Ante Ursic (Deutschland/Kroatien) errang mit seiner im tänzerischen Stile eines Toreros vorgetragenen Jonglage mit den Devilsticks den mit 250 Euro dotierten Sonderpreis der Gesellschaft für innovative Immobilien-Dienstleistungen. Die Freunde des Chamäleons übergaben ihren Spezialpreis (250 Euro) dem französischen Paar Juliane & Benoit, das gute Partner-Akrobatik bot. Die Schwedinnen Fouzia & Linda werden wir gewiss im Chamäleon wieder sehen, denn mit dem Sonderpreis des Chamäleon Varietés, den die beiden mit ihrer lustigen, temporeichen Partnerakrobatik-Nummer „The Office“ errangen, ist ein Engagement in einer Chamäleon-Produktion verbunden. Mit einer Kraft, die man der grazilen Andrea Engler nicht ansieht, turnt die junge Deutsche elegant an zwei Vertikal-Tüchern. Ihr Lohn – der mit 750 Euro dotierte Publikumspreis. Bei Max Haverkamp ist es gar nicht so einfach, Ort oder Land hinter den Namen zu setzen; denn der 24-jährige, der mit Bällen so faszinierend umgeht, dass man meint, sie gehören irgendwie zu seinem Körper, wurde im Westen Berlins geboren, war dann bis zu seinem vierten Lebensjahr in Bremen zu Hause, verbrachte seine Schulzeit in Osnabrück und lebt nun seit vier Jahren in England, wo er die Artistenschule „The Circus Space“ absolvierte. Für seine ausgereifte Leistung wurde ihm der 3. Preis (750 Euro) zuerkannt. Aus Schweden kommen Katja & Mattias, deren Partnerakrobatik viel Beifall erhielt und zu recht mit dem 2. Preis (1000 Euro) geehrt wurde. Phantastisch, wie Mattias seine Partnerin hoch stemmt, wie schnell sie, eben noch neben ihm stehend, Hand auf Hand über seinem Kopf balanciert. Den 1. Preis und 2500 Euro erhielten Romulo & Sebastian. Der eine aus Frankreich, der andere aus Argentinien kommend, haben sie sich zu einem Duo gefunden, das am Vertikalseil voller Kraft, Schönheit und Eleganz immer neue Figuren und Bilder gestaltet. Ihr besonderer Clou: unaufhörlich rinnt ein Wasserstrom auf die beiden herab.
Als Sabine Rieck & Martin van Bracht, die als komisches Duo Kappovsky an allen Abenden durchs Programm führten und ihren Kollegen in nichts nach standen, alle Teilnehmer, also nicht nur die Preisträger, zum Schlussbild auf die Bühnen riefen, wollte der Applaus kein Ende nehmen. Lautstark stimmte das Publikum in den ABBA-Gesang „Thank you for the Music“ ein, in der Gewissheit, dass uns um die Zukunft des Varietés nicht bange sein muss, wobei ich in dieses Pauschalurteil ausdrücklich auch die jungen Künstlerinnen und Künstler einbeziehe, die an diesen Abenden nicht auf das „Ehrentreppchen“ gelangten. Hoffen wir, dass dieser Bitburger Nachwuchs Varieté-Preis im Chamäleon noch viele Jahrgänge erlebt.  Gerry Michaél

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