Vorhersehbares S-Bahn Chaos ab 2017

Wer wird 2017 der Berliner S-Bahn Betreiber sein? (Foto: Gütte)

Die Berliner Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat den Berliner Senat aufgefordert, die notwendige Umrüstung von 150 S-Bahn-Zügen „ganz oben auf seine To-do-Liste für das Jahr 2013 zu setzen“.

Betroffen sind nach EVG-Angaben Fahrzeuge der Altbaureihen. Diese müssten auf das neue Zugsicherungssystem der S-Bahn umgestellt werden. Andernfalls könnten sie ab Ende 2017 nicht mehr auf die Schiene.

„Der Countdown läuft. 150 Züge lassen sich nicht von heute auf morgen im Hauruckverfahren umrüsten. Die Aufträge dafür müssen schleunigst raus“, sagt Klaus Just. Der Berliner EVG-Vorsitzende warnt den Senat davor, weiter „auf Zeit zu spielen und die Auftragsvergabe zu verschleppen“. Es sei ein Vorwand, zunächst den Zuschlag an den künftigen S-Bahn-Betreiber abwarten zu wollen. Die gesamte Ausschreibung sei ohnehin „Sand im Getriebe der Berliner S-Bahn“ und eine „politische Betriebsstörung“.

Nachdem das Kammergericht die bisherige Teilausschreibung für die Zeit ab 2017 teils in Frage gestellt hat, begrüßt die EVG die geplante Aktuelle Stunde im Abgeordnetenhaus. Dabei müsse es neben der Frage nach „dem Sinn oder Unsinn einer Ausschreibung“ auch um den Aspekt der Zug-Umrüstung gehen. Just appelliert an alle Parteien im Berliner Abgeordnetenhaus, die Aktuelle Stunde am 1.Februar 2013 zur „Generaldebatte um die S-Bahn“ zu machen.

„Der Senat verzögert das ‚technische Update’ der Züge und riskiert damit ein vorhersehbares Chaos im S-Bahn-Verkehr ab 2017. Er lässt die S-Bahn sehenden Auges gegen die Termin-Wand fahren“, so Just. Es sei allerdings zu befürchten, dass am Ende der schwarze Peter wieder den Beschäftigten der S-Bahn zugeschoben werden solle

Nach Schätzung der S-Bahn betragen die Kosten für eine Umrüstung aller 150 Fahrzeuge bis zu 100 Millionen Euro. „Es ist dringend erforderlich, dass der Senat jetzt schon wenigstens einen Teil dieses Geldes in die Hand nimmt, um den Zugverkehr künftig nicht völlig aus der Bahn zu werfen“, kommentiert Just weiterhin. Ohne rasche Auftragsvergabe seien den S-Bahnern die Hände gebunden.

„Verschärft wird das Ganze noch von einer fehlgesteuerten Personalpolitik. Auch die geht auf das Konto einer falschen S-Bahn-Politik des Berliner Senats“, sagt Klaus Just. So sei die S-Bahn gezwungen, genau dort mehr und mehr Kräfte abzuziehen, wo eigentlich die technische Umrüstung der Züge erfolgen müsste – bei der schweren Instandhaltung. „Wenn es dann am Tag X akut wird, können diese Beschäftigten aber nicht mal eben in null Komma nichts wieder zurückgeholt werden.“

Jörg Kronberg

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