Grüne Woche 2024: Schlemmertreff in turbulenten Zeiten

Ein Prost aufs Havelland mit Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke. Foto: Messe Berlin

Alljährlich verwandeln sich die Messehallen unterm Funkturm im tristen Monat Januar in grüne Oasen. Die weltgrößte kulinarische Leistungsschau avancierte in 2024 wieder zum  Publikumsmagnet. Essen und Trinken gehen schließlich immer. Bereits in den ersten drei Tagen kamen etwa 100.000 Besucher. Doch die Stimmung war nicht so ungetrübt wie einst: Ukraine-Krieg, Nahost-Konflikt, Klimakrise, Inflation – die Herausforderungen für die Ernährungsbranche sind vielfältig. Und passend zum Messe-Thema sorgte der sichtbar demonstrierte Protest der Landwirte gegen den Subventionsabbau der Ampelregierung für viele Diskussionen. Zurecht forderten die Bauern mehr Wertschätzung für ihre Arbeit ein. Die ausgestellte Lebensmittelvielfalt bewies den Fleiß und die Kreativität der Branche. Insgesamt 1.400 Aussteller aus 60 Ländern präsentierten ihre Spezialitäten und Neuheiten.

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Für fast alle Geschmäcker war etwas dabei. Trotz der Fülle an exotischen Köstlichkeiten stand beim Messepublikum das Kulinarische aus der Region hoch im Kurs. Dass das Gute oft ganz nah liegt, präsentierten auf der Grünen Woche zwölf deutsche Bundesländer in acht Hallen von der Küste bis zu den Alpen, meist im ansprechendem Ambiente der jeweiligen Landschaften, Städte und Dörfer. Seit 1991 beteiligt sich das Land Brandenburg als Aussteller vor Ort und zählte stets zu den am besten besuchten Hallen. Insgesamt 250, meist klein- und mittelständischen Unternehmen, nutzten an 70 Ständen die Messe als Testmarkt und wollten mit den Verbrauchern direkt ins Gespräch kommen. Neben den Traditionsmarken und Produkten wie Spreewaldgurken, Beelitzer Spargel, Eberswalder und Golßener Fleisch- und Wurstwaren sowie Sanddorn wurde auch Neues ausprobiert. So war erstmals Gelegenheit, in der Wein-Lounge die Brandenburger Rebsorten zu verkosten. Hallen-Premiere feierten unter anderem auch „Havelicius“ und die Kräutermanufaktur „Kasimir & Lieselotte“. Zum zweiten Mal gab es einen speziellen Startup-Spot. Mit dabei beispielsweise die kleinste Potsdamer Brauerei „Kessel und Kelle Craftbier“ und der Hersteller des  alkoholfreies Mixgetränks „Kara Limo“.

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Unter dem Motto „Gastliches Brandenburg und regionale Spezialitäten“ präsentierte sich die Brandenburg-Exposition erneut als kulinarisches Mekka zum Schlemmen und Verweilen. Im Pro Agro-Kochstudio, gaben sich die Inhaber und Küchenchefs von 25 Restaurants und Landgasthöfen beim Brutzeln, Braten und Anrichten die Kochlöffel in die Hand. Bei den Vorführungen dominierten raffinierte heimische Gerichte aus regional-saisonalen Zutaten, die dem Nachhaltigkeitsprinzip entsprachen. So kochte Stefan Ziegenhagen von der Köllnitzer Hofküche ein winterliches Farm-to-Table-Gericht fast ohne anfallenden Abfall und mit  Zutaten, die zu 90 Prozent aus dem Umland stammen, verarbeitet nach den Regeln „From Nose to Tail“ und vom „Blatt bis zur Wurzel“. Zum öffentlichkeitswirksamen Werbebotschafter avancierte das ausliegende Booklet „Rezepte aus der Märkischen Küche“ zum Mitnehmen, das sowohl die Rezepte der mitmachenden Köche als auch Informationen über deren Lokale enthielt. Das gut umgesetzte Konzept zur Tourismusförderung via Gaumenschmaus ist inzwischen ein Erfolgsrezept.

Stets dicht umringt: das Kochstudio. Während der Messe demonstrierten 25 Brandenburger Spitzenköche ihr kulinarisches Können. Foto: Schlag

Auch die Spreemetropole inszenierte sich auf der Grünen Woche kreativ und innovativ. Alteingesessene Berliner Unternehmen wie Curry 36 und das Schokoladenhaus Rausch waren ebenso vertreten wie Newcomer. Ein großes Mitmachangebot ergänzte die Show.  Das Repertoire reichte vom biologischen Kochen über gerettete Lebensmittel und ein Smoothie-Bike bis hin zum Klima-Quiz. Ob der offerierten Vielfalt zeigten die Messegäste reges Kaufinteresse: 150 Euro gab jeder Besucher auf der Grünen Woche aus. Laut Messe Berlin etwas mehr als im Vorjahr. Mit rund 275.000 Interessenten bilanzierten die Organisatoren allerding ein merkliches Minus von 25.000. Schuld dürfte der mitten in der Grünen Woche begonnene Lokführer-Streik gewesen sein, von dem auch die Berliner S-Bahn betroffen war.

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Text: Marion Schlag / Bilder: Messe Berlin, Marion Schlag, pegü

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