Beauftragter Tom Sello erinnert an Sturm auf die Stasi-Zentrale vor 32 Jahren

Heute jährt sich zum 32. Mal der Sturm auf die Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg. Rund 2.000 Demonstranten waren am 15. Januar 1990 auf das Gelände zwischen Normannen- und Ruschestraße geströmt, um die Weiterarbeit der kommunistischen Geheimpolizei zu unterbinden und die Offenlegung der Strukturen von SED und Stasi zu erzwingen.

„Die Erstürmung des Stasi-Hauptquartiers in Berlin ist einer der Höhepunkte der Friedlichen Revolution“, urteilt Tom Sello, Berliner Beauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (BAB). „Der Versuch der SED, ihre Geheimpolizei durch eine Namensänderung zu erhalten, war gescheitert. Die Partei hatte ihre wichtigste Machtstütze endgültig verloren.“

Das Ringen um den Umgang mit dem Erbe der Geheimpolizei war mit dem Sturm auf die Stasi-Zentrale allerdings nicht beendet. „Die Akten offenlegen, auf Jahrzehnte wegschließen oder in einem Freudenfeuer verbrennen – die Diskussion über die Zukunft der Stasi-Akten lief auf allen gesellschaftlichen Ebenen und begleitete den Weg zur Deutschen Einheit“, so der Berliner Aufarbeitungsbeauftragte. Auch die Vertreter der ersten frei gewählten DDR-Regierung und die Abgeordneten der Volkskammer stritten über den richtigen Weg.

Stasi-Akten sollten in Berlin bleiben

In den Beitrittsverhandlungen mit der Bundesregierung gab es ebenfalls Kontroversen über die Zukunft der Akten. Nach massiven Bürgerprotesten, Demonstrationen, Hungerstreik und einer Archivbesetzung einigten sich die Regierungen der DDR und der Bundesrepublik schließlich darauf, die Akten in Ostdeutschland zu belassen und nicht im Bundesarchiv in Koblenz auf Jahrzehnte zu verschließen.

In der entsprechenden Vereinbarung zum Einigungsvertrag vom 18. September 1990 heißt es, dass die „sichere Verwahrung, Archivierung und Nutzung der Unterlagen zentral und regional erfolgen“ soll. „Dass große Teile der Stasi-Unterlagen erhalten blieben und heute für die Opfer der Bespitzelung sowie für Forschung und Medien zugänglich sind, ist ein wichtiges Ergebnis und sichtbares Symbol der Friedlichen Revolution“, sagt Tom Sello. „Und es ist weltweit einmalig!“

Anlässlich des Jahrestags der Erstürmung der Stasi-Zentrale mahnt der Berliner Aufarbeitungsbeauftragte eine zügige Umsetzung der geplanten Weiterentwicklung des ehemaligen Stasi-Geländes an: „Das gilt zuerst, aber nicht nur, für das geplante Archivzentrum des Bundesarchivs. Die neuen Regierungen von Land und Bund haben sich in ihren Koalitionsverträgen dazu bekannt, das Areal zu einem Campus für Demokratie, einem öffentlichen Kultur-, Bildungs-, Erinnerungs- sowie Verwaltungsstandort, weiterzuentwickeln. Die Politik muss jetzt zügig die notwendigen Voraussetzungen dafür schaffen und auch die Einrichtung des Forums Opposition und Widerstand vorantreiben.“ Das Forum wird von der Robert-Havemann-Gesellschaft e. V. geplant. Es soll die Geschichte von Opposition und Widerstand als Teil der deutschen und europäischen Demokratiegeschichte thematisieren.

Bildnachweis: CC0 via pixabay.com

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