
Die einstige Mokka-Milch-Eisbar auf der berühmten Vorzeigemeile Karl-Marx-Allee öffnete wieder ihre Pforten. Damit kehrte mehr als 35 Jahre nach der Schließung eine Ostberliner Gastro-Institution zurück. Für jeden Bürger, der zu einer Stippvisite in die „Hauptstadt der DDR“ weilte, war der Besuch dieser Location Pflicht. Landesweit berühmt wurde sie zusätzlich 1968 durch den Song von Thomas Natschinski mit dem Refrain: „In der Mokka-Milch-Eisbar hat sie mich gesehn. In der Mokka-Milch-Eisbar, da ist es geschehn“. Ein Ohrwurm par excellence! Besonders in den 1980er Jahren war das Lokal mit der angeschlossenen Diskothek ein beliebter Treff junger Leute. Ab 1993 nutzte das Restaurant „Alberts“ mit dem Nachtclub „A-Lounge“ das Gebäude, bevor es 2019 schloss.
Es wurde viel spekuliert, was aus dem denkmalgeschützten Pavillon mit den riesigen Schaufensterscheiben werden würde. Nun zog dank des Engagements des Unternehmerehepaars Neumann wieder Leben ein. „Wir haben uns sofort in das Objekt verliebt“, sagte Natacha Neumann den Medien. Weder sie noch ihr Mann hätten in der DDR gelebt, dennoch sei eine Verbindung zu dem Ort entstanden.“ Die Freude auf die neue Bewirtschaftung sorgte schon während der Bauphase für viel Furore. Zur Eröffnung Ende Mai wurde das Café fast überrannt. Eine klassische Berliner Gastro-Posse – siehe Neustart des Fernsehturmrestaurants von Tim Raue – nahm ihren Lauf: Kultort, Stromausfall, defekte Kaffeemaschine, überfordertes Personal. Nun der zweite Anlauf: diesmal mit voller Karte, mehr Ruhe und Routine. Der holprige Start dürfte der Beliebtheit des Objekts außerdem keinerlei Schaden zugefügt haben, zumal inhaltlich und äußerlich ein hoher Wiedererkennungswert gegeben ist. Das Haus wurde bezüglich Fassade, Galeriegeländer und Lüftungstechnik nach strengen Vorgaben saniert. Die Location fungiert als Restaurant, Café und Bar. Namensgerecht stehen Kaffeespezialitäten, darunter natürlich Mokka, Milch- und Eiskreationen auf der Karte. Zudem gibt es auch „einfache Wohlfühlgerichte mit hochwertigen Zutaten“ wie mediterrane Gemüse Frittata und Quiche Loraine.
Auf der Abendkarte stehen fünf Angebote, die mit Beilagen kombiniert werden können. Hauptgerichte mit und ohne Fleisch ergänzen die Offerte. Das teuerste Gericht ist das Mokka Rinderfilet mit Blumenkohlcreme, Kartoffelstroh und Blattsalat für 32,90 Euro. Das Sortiment sei ausbaufähig, versicherten die engagierten Betreiber. Im Sommer steht ein Eiswagen vor der Tür. Das Café ist täglich von 9.30 Uhr bis 17.30 Uhr geöffnet. Restaurant und Bar können Dienstag bis Samstag ab 17 bis 22.30 Uhr besucht werden. Das Neumannsche Konzept geht aber über die reine Gastronomie hinaus. „Wie wollen ein Zielort sein, wo Leute herkommen. Weil hier etwas passiert, weil es gutes Essen und tolle Veranstaltungen gibt“, erklärte Alexander Neumann gegenüber einer Tageszeitung. Bereits aufgelegt sind u.a. Pilates-Kurse und musikalische Offerten. Auf der Galerieetage lädt ein Coworking-Bereich zu Aktivitäten ein. Hier können sich Interessenten tage- oder monatsweise gegen eine Gebühr einmieten. Private Festivitäten sollen ebenfalls möglich sein.
Schon vor der Eröffnung gingen dazu Anfragen ein. Geplant sind ggf. auch Kooperationen mit dem benachbarten Kino „International“ der Yorck-Gruppe, das Anfang dieses Jahres rechtzeitig zur Bienale nach 18 Monaten Sanierung ebenfalls wieder eröffnet wurde. Diese Aktivitäten sind dringend notwendig, denn aktuell ist auf der einstigen Prachtmeile nicht viel los. Für Christoph Rauhut, Leiter des Denkmalamts, ist die Wiedereröffnung in der legendären Karl-Marx-Allee, die mit 1,8 Kilometern als längstes Baudenkmal Deutschlands gilt, ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Fertiggestellt wurde die große Magistrale in Berlins Osten, so wie sie einst geplant war, übrigens nie. Es fehlte wohl an Geld und Kapazitäten.
Text: Marion Schlag / Fotos: Marion Schlag & Funke Service I Maurizio Gambarini, Mokka-Milch-Eisbar/Website
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