“Porträtgalerie” in rauschhaften Farben

Wer erinnert sich nicht noch an den Unrat, dar 1990 und danach von arrivierten Vertretern der bildenden Kunst abstrakter Manier ausgeleert wurde über die Maler und Bildhauer der verschwundenen DDR, die in Malerei und Skulptur figurativer Richtung folgten?

“Staatsnah” war noch das schmeichelhafteste Beiwort, das vor allem jene abstrakten Maler zur Verteufelung ihrer Zunftgenossen im Munde führten, die ihre solide (geührenfreie!) Ausbildung an DDR-Kunsthochschulen mitgenommen hatten, bevor sie ihre Zelte dort aufschlugen, wo statt der Diktatur der Parteidoktrin die Diktatur der Galerie-verordneten modischen Trends herrschte. Die Kakophonie der sieghaften Arrivierten des trendgerechten Modernismus überdeckte, von den Medien gestützt, den simplen Fakt, dass auch in der Bonner Republik Maler dem trendigen Zeitgeist widerstanden und sich zur figurativen bildnerischen Wiedergabe bekannten. Immerhin dauerte es angesichts des lauten Siegesrauschs der Abstrakten bis 2002, bis der “Frankfurter Kunstverein” in der alten Kaiserstadt am Main mit einer großen Ausstellung der letzteren Richtung eine Aufsehen erregende und unerwartet erfolgreiche Präsentation widmete.
Zur Zeit hat auch Berlin Gelegenheit, einer selbstbewußten Vertreterin der figurativen Malerei in einer Ausstellung zu begegnen. Antoinette, geborene Dresdenerin, Absolventin der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und der Berliner Kunsthochschule in Weißensee, Ehefrau des DDR-Malers Johannes Heisig, seit 2000 in Berlin ansässig, präsentiert dank dem Zusammenwirken ihrer Kreuzberger Galerie, tämmen & busch mit der Stiftung Stadtmuseum seit dem 21. Juni 2003 in der Nikolaikirche das Ergebnis ihres seit drei Jahren betriebenen Projekts “Sittengemälde, Berliner Porträts”, von dessen mehr als 100 Ganzkörperportraits sie 80 vorstellt. Neben der Bandbreite der Porträtierten von Egon Bahr über Regine Hildebrand und Christoph Stölzl bis zu Markus Wolf besticht vor allen der Rausch der Farben in den großformatigen Pastellzeichnungen – ein wirkliches Fest für die Augen und ein Beweis für die Kurzschlüssigkeit jener bösartigen Behauptungen, die uns vor einem Dutzend Jahren einreden wollten. welcher Tristesse wir doch mit der nicht-abstrakten-Malerei ausgesetzt waren…                Dr.K. Wernicke

Die Ausstellung ist geöffnet bis zum 31.08.03/ Dienstag ~ Sonntag 10 – 16 Uhr, mittwochs eintrittsfrei.

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