Lockmittel: Bockwurst auf dem Wochenmarkt

Auf dem Wochenmarkt am Ostbahnhof geht es um die Wurst. Die dampfende Bockwurst avanciert zum Lockmittel. Denn zum Dumpingpreis soll sie hungrige Kunden an den Stand locken. Nur 80 Cent für eine warme Bockwurst mit oder ohne Senf, drei Meter entfernt kostet sie 65 Cent und weitere zehn Meter liegt der Preis bereits bei 59 Cent. Doch damit nicht genug, den Imbissbuden direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite bietet die “Currystation” den knackigen  Pausensnack für nur 49 Cent. “Tiefer geht nicht”, sagt Mustafa. Der überzeugte Muslim verkauft die Wurst zum Einkaufspreis. “Ein Restposten den ich preisgünstig einkaufen konnte”, sagt er. Doch das bezweifeln die anderen Händler. Wurstspezialist Vinh Vu Huy: “Seit der Einführung des Euro kostet die Bockwurst bei mir 80 Cent.”. Und dies sei schon sehr knapp kalkuliert. Im Einkauf beim Großhandel bezahle er  im Schnitt 45 Cent für die Wurst. Auf diesen Einkaufspreis müsse er noch Kosten für Pappteller, Servietten, Senf und natürlich neben der Standmiete auch Energiekosten sowie die eigene Arbeitszeit aufrechnen. Seit zehn Jahren steht er mit seinem Imbisswagen auf dem Markt. “Wir wollen hier alle unseren Umsatz machen und wenn wir uns an die Spielregeln halten, dann ist das auch für jeden gut möglich”, sagt der Geschäftsmann  Den Anfang nahm die Preisschlacht am Ostbahnhof bereits vor einem Jahr. “Eine neue Händlerin führte ihren Imbissstand mit einem  Eröffnungsangebot für die  Bockwurst mit  45 Cent an”, sagt Marktleiter Lutz Buchmann. Doch ihr Eröffnungsangebot dauerte nicht wie üblich zwei Wochen sondern wurde Monat um Monat verlängert. “Sehr zum Ärgernis der anderen Händler auf dem Wochenmarkt”, sagt Marktchef. Die Folge, sie musste mit ihrem Imbissstand aus der ersten Reihe verschwinden und bekam einen anderen Platz zugewiesen. Wenige Wochen später hatte sie sich vom Markt  verabschiedet. “Ich unterstütze meine Stammhändler wo ich kann, doch in die Preisgestaltung greife ich nicht ein”, sagt er. Dies müssen die Händler untereinander ausmachen.
Indes geht der Preiskampf um die beste und knackigste Wurst vor den Bahngleisen am Ostbahnhof weiter. Was das Jahr 2005 im Ringen um den Bockwurstkunden bringt, bleibt indes noch offen. Doch die Hauptsache ist, die Wurst dampft und schmeckt.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   Text & Foto: U.R.

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