Eine Collage an den Namenspatron

Ernst-Busch-Chor pflegt sowohl das Arbeiter- und Friedensliedgut als auch Folklore

Wo immer die Frauen und Männer des Emst-Busch-Chores auftreten, ist ihnen Aufmerksamkeit gewiss und meistens wird ihr Gesang von viel Beifall begleitet. Der künstlerische Anspruch ihres Namenspatrons war für die Chormitglieder stets Maßstab. Der Mann mit der unverwechselbaren Stimme ist Inbegriff des Arbeiter- und Kampfliedes. Erich Weinerts “Roter Wedding”, Johannes R. Bechers “Heimat, meine Trauer” oder Brechts Kinderhymne “Anmut sparet nicht noch Mühe” singen die Chormitglieder, als pfiffen es die Spatzen vom Dach.
“Wer bei uns Mitglied werden möchte, der weiß was wir im Repertoire haben,” schildert Kurt Hartke, künstlerischer Leiter des Chores. “Und das sind nicht nur Arbeiter- und Friedenslieder, sondern auch Folklore”. Siegfried Köhlers “Heut ist ein wunderschöner Tag” gehört genau so dazu wie Fritz Trotters “Ein neuer Frühling wird in die Heimat kommen”. “Allerdings eine antifaschistische Grundhaltung setzt die Mitgliedschaft bei uns schon voraus,” meint der Chorleiter. Und um dann anzufügen: “Wenn wir das Liedgut der Arbeiterbewegung nicht bewahren, dann geht es unwiederbringlich verloren.”
Unlängst waren die Sängerinnen und Sänger am 9. November zu hören. Ehrlich gesagt, so viel Interessierte sah der Treptower Rathaussaal sicherlich nur selten. Selbst die Stufen auf der Empore wurden als Sitzplätze genutzt. Gewiss, Gregor Gysi und Hans-Peter Minetti waren Magneten. Sie würdigten jene Menschen und Ereignisse, die dem geschichtsträchtigen Tag sein Antlitz gaben. Novemberrevolution, Reichspogromnacht, Fall der Mauer. Die Frauen und Männer des Ernst-Busch- Chores steuerten mit ihrem Gesang die dem Ereignis angemessene Atmosphäre bei. “Shalom”, “Es brennt”, “Und weil der Mensch ein Mensch ist” und “Als Freunde kamen wir” waren u.a. Titel, die den Gästen emotional sehr nahe gingen.
Die “60 plus” Frauen und Männer gehören auch zu den Initiatoren des alljährlich stattfindenden Seniorenchorfestes. Im Sommer diesen Jahres fand es im Britzer Garten statt, jene Stätte, die in den 80ziger Jahren der Bundesgartenschau den Rahmen gab. Für den Außenstehenden erstaunlich, wie viel sangesfreudige Damen und Herren im fortgeschrittenen Alter es zwischen Wilmersdorf, Buch, Treptow, Karlshorst, Neukölln, Hellersdorf, Johannistal und Friedrichsfelde gibt. “Singe, wem Gesang gegeben” lautete das Motto. Und das ließen sich die fröhlichen Junggebliebenen nicht zweimal sagen. Übrigens Spiritus Rector der Berliner Chortreffen ist Ingrid Hembd. Als die Seniorenchöre vor Jahren auf der Freitreppe des Berliner Rathauses zur Eröffnung der Seniorenwoche sangen, kam mir die Idee, dass sich die vielen Sangesfreudigen regelmäßig treffen müssten,” schildert die Frau. Daraus wuchs das Seniorenchorfest, das in Britz schon zum 10. Mal stattfand.
Der Emst-Busch-Chor indes probt gegenwärtig für eine sogenannte Busch-Collage. Am 25. Januar 2004 soll die Liedfolge in Karlshorst Premiere haben. Sie ist aber zugleich ein Geburtstagsgruß an den Mann mit der Baskenmütze, der dem Ensemble 1980 seinen Namen gab. Text & Foto: Jochen Fischer

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