Ein anderer Weg in die Arbeit…

Anne-Marie Pollok

Anne-Marie Pollok ist gerade mal 20 Jahre jung, ausreichend genug, um manche Höhen und Tiefen des Lebens zu erleben. Familiäre Sorgen beeinflussten ihre schulische Leistung.

Da war die Suche nach einer Lehrstelle eigentlich aussichtslos. Doch seit Februar erlernt sie den Beruf der Hotelfachfrau im IBIS Reinickendorf. Da hatte sie bereits einige Monate im Hotel gearbeitet, sic dabei willig und arbeitsam erwiesen. Die französische Sprache liegt ihr, “war schon immer mein Lieblingsfach” – so Anne-Marie. IBIS ist bekanntlich ein Brand des französischen Accor Hotelkonzerns. Ihr Bildungsträger ist D & B (Dienstleistung und Bildung) der auch ihren Lehrlingslohn zahlt. So lernt Anne-Marie wöchentlich drei bis vier Tage im Hotel, an den anderen Tagen erhält sie von D & B eine entsprechende theoretische Ausbildung. Nun träumt sie sogar in die Zukunft: Nach der Ausbildung erst einmal ins Ausland. Erfahrungen sammeln für die Hotelarbeit. Bei Accor natürlich, schließlich hat das Hotelunternehmen auf der ganzen Welt gastfreundliche Herbergen.
Der Hintergrund, der Anne-Marie eine solche Perspektive bietet, ist folgender: Seit etwa drei Jahren arbeiten sechs der elf Berlin-Branden­burger IBIS Hotels mit dem Infobox Verein für Innovationsarbeit e. V. zusammen. Das gemeinsame ögB-Entgelt-Pro­jekt des JobCenter Pankow nennt sich denn auch “Aktivierung für den Hotelservice”.
Ziel des Projektes ist es, innerhalb von neun Monaten junge Menschen aus schwierigem Umfeld auf den (Wieder-)Ein­stieg auf den 1. Arbeitsmarkt beziehungsweise in eine Lehre vorzubereiten. Der Weg dafür besteht in einer konkreten Arbeit (40 Stunden Arbeitswoche mit Schichtanteil/Wochenend- und Feiertags-Arbeit eingeschlossen), die entsprechend vergütet wird (975 € brutto) Eine Zeit, in der man sich selbst erproben kann, wo aber auch die beteiligten Unternehmen Stärken und Schwächen der jungen Menschen (Altersbegrenzung 25 Jahre, im Einzelfall auch darüber). In den sechs IBIS-Hotels haben in drei Jahren – seit Beginn des gemeinsamen Projekts – 36 junge Menschen diesen Weg beschritten. Davon sind mittlerweile sieben fest angestellt, Ausbildungsplatz eingeschlossen.
Der Verein leistet eine gute Arbeit. Immerhin erhalten etwa 30 Prozent der Teilnehmer eine Festanstellung oder eine Lehre. Wenn man jene addiert, die auf diesem Wege eine Alternative erhalten, so wächst das Ergebnis gar auf 50 Prozent. Bleiben aber noch 50 Prozent, die wieder ins große Loch zurück fallen. Bedauerlich: Es ist noch gar nicht lange her, da die Vorbereitung auf den 1. Arbeitsmarkt oder in eine Lehre 12 Monate dauerte – da hatte man vielmehr Möglichkeiten. Doch wo Geld die Welt regiert.

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