Abgründe der Familie Tyrone im Schlosspark-Theater

Gespannt begaben wir uns auf den Weg ins Schloßpark Theater zur 1. Premiere in neuen Jahr. Plakate von dem Stück „EINES LANGEN TAGES REISE IN DIE NACHT“ von Eugene O`Neill zeigt vier Personen in schwarz/weiß, düster mit dunklem Wald, Hügeln, Wolken die ein wenig blau schimmern. Es sind die Darsteller der Familie, Judith Rosmair (Mutter Mary Cavan), Peter Kremer (Vater James), Igor Karbus (Sohn James) und Fabian Stromberger (jüngerer Sohn Edmund).

Was würde uns erwarten? Wie wurde der Klassiker des amerikanischen Dramas, das von Eugene O`Neills berühmte autobiographisch gefärbte Familiendrama, in der Regie von Torsten Fischer und in der Ausstattung von Herbert Schäfer und Vasilis Triantafillopoulos umgesetzt?

Wir sahen zuerst eine dunkle Bühne mit einer riesigen Spiegelwand auf der linken Seite, ein Sofa, einen Sessel. Immer ist die Whiskyflasche dabei, den gibt es bereits zum Frühstück. Es ist ein einziger Tag wo wir als Zuschauer die kaputte Familie Tyrone im Theater erleben, vom frühen Morgen bis Mitternacht. Kaputt durch Alkohol, Tuberkulose, Morphium.

Tosender Beifall für die vier Darsteller und das Team.

Die Mutter wurde durch eine Fehlbehandlung morphiumsüchtig, der Vater einst ein erfolgreicher Schauspieler, nun Grundstücksspekulant, kann seine armselige Jugend nicht vergessen, ist geizig, tyrannisiert die Familie, der ältere Sohn James ein gescheiterter Schauspieler wurde zum Trinker und der jüngere Bruder Edmund leidet an Tuberkulose, die als Grippe abgetan wird. Irgendwie wollen sie eine Familie sein, man beobachtet sich, eigentlich weiß auch Jeder wie es um den Anderen bestellt ist…. Doch man will es nicht wahrhaben. Je mehr Whisky getrunken wird, um so lauter wird es, es gibt Handgreiflichkeiten, Schuldzuweisungen, Verachtung. Die Darsteller, so mein Gefühl, sind total mit der Rolle verwachsen, spielen hervorragend.

Nach der Pause ist der Spiegel erst mal so eingestellt, dass sich die Zuschauer selbst darin sehen können, vielleicht um Überlegungen anstellen, nachzudenken…wie sieht es denn heute so in den Familien aus ???

Dann gilt wieder die volle Aufmerksamkeit der kaputten Familie Tyrone, wo es schon zum Frühstück Whisky gibt, die Mutter sich einen Schuss setzt, Schuldzuweisungen das A&O sind. Doch irgendwie ist neben der Verachtung auch eine gegenseitige Zuneigung füreinander zu spüren. Man soll die Hoffnung nicht aufgeben. Sie ist kurzzeitig auch zwischen den vier Familienmitgliedern zu merken.

Von links: Torsten Fischer, Regie, dahinter Herbert Schäfer, Bühne & Kostüm, neben Torsten Fischer Fabian Stromberger, Edmund Tyrone – jüngster Sohn, Judith Rosmair, Mutter Mary Cavan Tyrone, dahinter Igor Karbus, Sohn James Tyrone Jr. Peter Kremer, Vater, James Tyrone
Rechts außen Vasilis Triantafillopoulos, Bühne und Kostüm.

Lang anhaltender Beifall für die Wiedergabekunst der Darsteller in ihren bestens umgesetzten Rollen, immer wieder mußten sie noch einmal auf die Bühne. So lang anhaltendes Klatschen hatte ich schon lange  nicht erlebt. Bei der anschließenden Premierenfeier wurden die Mitwirkenden, Ausführenden und Umsetzenden vorgestellt. Es  gab interessante Gespräche bei kleinen Häppchen.

Ex-Bürgermeister Klaus Wowereit als Premierengast.

Bis zum 19. Februar ist das Stück noch im Schloßpark Theater, Schloßstraße 48 A, in 12165 Berlin-Steglitz, zu sehen.

Infos und Karten unter www.schlossparktheater.de oder an der Theaterkasse unter  (030)7895667-100

©DERDEHMEL/Urbschat

Fotos: ©pegü/Plakatmotiv: ©DERDEHMEL/Urbschat

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