Flüsterer – aufgepasst – die Distel hat stachlige Ohren

Ein Distel-Fan: der Vorstandsvorsitzende der IG Friedrichstrasse Rainer Boldt

Die Distel-Premiere war seit langem wieder mal etwas Besonderes für den ästhetischen Genussder Menschen, die hinter dem Titel Kanzlerflüsterer eine Ode auf eine Kanzlerin vermuteten.

Da wurden Hits der Pop-Musik aus dem vorigen Jahrtausend als moderne Kabarettsongs vorgetragen, da wurde sich – sparsam und modern choreografiert – taktvoll auf der Bühne bewegt, es wurden Witze in die Texte eingebaut und, was das Tollste war: Alle mussten mitmachen. Es war im wahrsten Sinne des Wortes komisch, wenn fast das ganze Publikum aufstehen und MUH sagen musste. Zur Erheiterung aller: gleich mehrmals. Ähnlichkeiten zum Verhalten vieler Wähler waren nicht zufällig sondern beabsichtigt.

Und – herrlich! – drei Leute aus der ersten Reihe mussten mitmachen – wie früher in der Matinee im Biergarten vom Gesellschaftshaus Grünau! Nur dass dort eben alles höchstaktuell auf die Bühne kam. Der Conferencier oder der Komiker hätten nach diesen tollen Tagen Hoeness, Götze und Fußball überhaupt sicher nicht links liegen gelassen, wo doch die Nähesuche unserer Kanzlerin zum Fußball weltbekannt geworden ist.

Trotzdem: Es gab einige Szenen, die Kabarett in Reinkultur waren. Das Distel-Schauspiel-Trio war in Höchstform – das Distel-Musik-Duo spielte nicht nur auf den Instrumenten, sondern auch auf der Bühne lobenswerte Nebenrollen – rundum: Es war spaßig. Vor allem die Version der berühmten Loriot-Szene in der Badewanne …Edgar Harter und Timo Doleys als Paar Dr. Merkel/Prof. Sauer –

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Ein echter Berliner hätte danach gesagt:“ Ick hab mir scheckisch jelacht!“ Bei mir blieb die Frage offen: War das Trocadero, Cabaret oder Kabarett ? Ich zog nach der Premiere den Joker und fragte Rainer Boldt von der IG Friedrichstraße. Er hat alle Kanzler seit Mauerfall als Vorstandsvorsitzender dieser Interessengemeinschaft überlebt und kennt seit 1990 alle Programme der DISTEL.

Rainer Boldt:  Das war für mich nach dem Publikumskracher “Wie geschmiert” ein weiterer Höhepunkt in den Programmen der Distel, die zwischenzeitlich etwas schwächelten, nun aber wieder politisches Kabarett vom Feinsten in der Hauptstadt präsentiert. Sehenswert und wieder ein Volltreffer in der Friedrichstrasse!

HK: Ihnen fiel am Foto-Bühnenbild auf, daß darin der Fernsehturm am südlichen Ende „Ihrer Friedrichstraße“ steht. Welchen kabarettistischen Gedanken vermuten Sie ?

Rainer Boldt:  Den Fernsehturm auf den Checkpoint Charlie zu verlegen ist schon ein gewagtes Bühnenbild! Aber vielleicht wollten die Bühnenbildner unsere “politischen Stadtbühnenbildner” mit dem Fernsehturm auf die ungelösten Gestaltungsfragen am Checkpoint, diesem wichtigen Ort, hinweisen.

HK: Das Premierenpublikum ist ja schon immer etwas älter, kabaretterfahrener und –begeisterter. Meinen Sie, dass man mit diesem Programm junge Leute wieder fürs Kabarett begeistern kann?

Rainer Boldt:  Politisches Kabarett, mit einer Mischung aus Lokal- und Bundespolitik sowie allgemeinen gesellschaftlichen Themen (z. B. Soziales, Gesundheit, Finanz- und Wirtschaftsmärkte) findet doch das interessierte Publikum in jeder Altersklasse! Die Distel beherrscht es, die Themen witzig, frech, aber auch nachdenklich zu präsentieren.

 

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