Eine Ausstellung, die zum Nachdenken anregt

“Der Palast lebt!” – so der Titel einer Ausstellung, die noch bis zum 30. Januar 2005 in der KULTschule, Sewanstraße 43, zu sehen ist.
Wer wie ich viele schöne Stunden im Palast der Republik erlebt hat, wird die Bild- und Textdokumente mit einer gewissen Wehmut betrachten und in den Abrissabsichten nichts anders als Kulturbarbarei sehen. Wer noch nie im Palast war und möglicherweise nur die hämische, neidvolle Bezeichnung Palazzo Protzo kennt, wird vielleicht zum Nachdenken angeregt und am Ende auch zu der Einsicht gelangen, dass die überstürzte, politisch motivierte Demontage einer einzigartigen Kultureinrichtung im Herzen Berlins einem Verbrechen gleich kommt. Auf über 30 Tafeln wird in Bild und Text die Geschichte des Palastes der Republik von seiner Eröffnung am 23. April 1976 bis zu seiner gewaltsamen Schließung 1990 und darüber hinaus bis heute dargestellt. Es wird einem die Vielfalt der Begegnungsmöglichkeiten – vom großen Veranstaltungssaal, über Jugendtreff, Bowlingbahn, TiP (Theater im Palast) bis hin zu den verschiedenen Restaurants bewusst, aber auch die Vielfalt der Veranstaltungen mit Künstlern aus aller Welt, Bühnenshows, Tanzturniere, Kindernachmittage, festliche Bälle. 70 Millionen Besucher kultureller Veranstaltungen in nur 13 Jahren, das sind 15000 täglich. Der Palast der Republik war “angenommen” worden, hatte sich zu einem wahren Haus des Volkes entwickelt. Davon zeugen auch Plakate, Bücher, Einzelfotos und Erinnerungsstücke, die mit ausgestellt sind.
Zur vorbereitenden Pressekonferenz hatten im Namen der Veranstalter Dr. Rudolf Ellereit, Sprecher der “Bürgerinitiative Pro Palast”, und Klaus Wons, Sprecher des Sprecherrates der ehemaligen Mitarbeiter des Palastes der Republik, den Akteuren gedankt, die, wie z.B. die Fotografin Gabriele Senft und der Fotograf Rudolf Denner – um nur zwei zu nennen – viel freie Zeit für die Gestaltung der Tafeln aufgebracht haben. Dr. Ellereit betonte noch einmal: “Die politisch bestimmte Diskussion mit dem Beschluss zum Abriss des Palastes ist darauf gerichtet, einen der größten Veranstaltungssäle in Europa mit technisch einmaligen Möglichkeiten zu schleifen.” Als Alternative regen die Abrissgegner Politiker, Architekten und Eventveranstalter an, neue Ideen in das nach der “Asbestbeseitigung” und Entkernung zum Skelett und damit zum Rohbau zurück gebaute Haus zu investieren. Er informierte auch darüber, dass die Exposition als Wanderausstellung gedacht ist und ständig erweitert werden soll. Als Hausherr machte Peter Gerstner, Vorstandsvorsitzender des Lichtenberger Kulturvereins e.V., darauf aufmerksam, dass die Ausstellung in der KULTschule von vielen Gesprächsrunden, kleinen Konzerten, Filmvorführungen und kulturellen Veranstaltungen begleitet wird.
Zur Ausstellungseröffnung waren zahlreiche Berliner erschienen, unter ihnen die PDS-Bundestagsabgeordente Dr. Gesine Lötzsch. Für einen festlichen Rahmen sorgte der Ernst-Busch-Chor, der seine Darbietungen mit der Palast-Hymne (Text von Jochen Petersdorf nach der bekannten Melodie von Walter Kollo) beschloss: “Untern Linden, untern Linden, ist so vieles schon gescheh´n, manches Alte sah man schwinden und so vieles neu entsteh´n. Wir woll´n nicht Geschichte schleifen, denn wir wollen sie begreifen. Wenn Du das verstanden hast, setz dich ein für den Palast.”
Horst Aldus

Öffnungszeiten Mo-Do 10-18 Uhr, Fr 10-14 Uhr sowie zu allen Veranstaltungen. Die KULTschule Sewanstraße 43 in Lichtenberg ist mit den Omnibussen 296 und194 zu erreichen.

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