JazzRadio Berlin seit 1. Januar 2026 endgültig ohne UKW-Frequenz

JazzRadio Berlin verliert zum 1. Januar 2026 seine UKW‑Frequenz 106,8 MHz, weil die Medienanstalt Berlin‑Brandenburg (mabb) diese nach einer Neuausschreibung an den elektronischen Musiksender 106.8 pure fm vergeben hat. Während die mabb dies mit einem größeren Beitrag zur programmlichen Vielfalt und einer stärkeren Ausrichtung auf die Berliner Clubszene begründet, spricht JazzRadio von einem unfairen Entzug seiner seit Jahrzehnten bestehenden Lizenz und kündigt weitere rechtliche Schritte an.

Ausgangslage und Entscheidungsverfahren

Die mabb hatte Ende 2024 mehrere UKW‑Frequenzen in Berlin und Brandenburg neu ausgeschrieben, darunter die bisher von JazzRadio Berlin genutzte 106,8 MHz. Auf die Ausschreibung bewarben sich insgesamt 13 Programme, unter anderem JazzRadio Berlin, der Techno‑Sender pure fm sowie weitere private Anbieter.

Der Medienrat der mabb entschied im Frühjahr 2025, die UKW‑Frequenz 106,8 MHz ab dem 1. Januar 2026 der eagle Broadcast Brandenburg GmbH für das Programm 106.8 pure fm zuzuweisen; JazzRadio durfte die Frequenz noch bis Jahresende 2025 nutzen. Gegen diese Entscheidung ging JazzRadio mit gerichtlichen Eilverfahren vor, blieb jedoch sowohl vor dem Verwaltungsgericht Berlin als auch vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin‑Brandenburg erfolglos; der OVG‑Beschluss vom 26. November 2025 bestätigte die Vergabe an pure fm unanfechtbar.

Argumente der Medienanstalt Berlin‑Brandenburg

Die mabb verweist darauf, dass der Medienrat bei der Vergabe die programmliche Vielfalt als zentrales Kriterium herangezogen habe. Im Vergleich der Bewerbungen sei man zu dem Ergebnis gelangt, dass 106.8 pure fm mit seiner klaren Ausrichtung in Wort und Musik auf die Berliner Techno‑ und Clubszene einen größeren zusätzlichen Vielfaltsbeitrag leiste als das bisherige Programm von JazzRadio.

Zugleich betont die mabb, die Musikfarbe Jazz bleibe im Berliner Äther weiterhin präsent: Zum 1. Januar 2026 startet das Programm jazz fm auf den UKW‑Frequenzen Berlin 91,0 MHz und Potsdam 90,7 MHz. Darüber hinaus sendet JazzRadio Berlin seit dem 10. September 2025 über eine neu zugewiesene DAB+‑Kapazität auf dem Kanal 7B und ist damit terrestrisch digital in der Region empfangbar.

Hinter dem Sender, der am 5. Januar 2026 seinen regulären Betrieb unter dem Namen ELLA Radio (zuvor unter den Arbeitstiteln Jazz FM oder Jazz im Radio bekannt) aufnimmt, stehen erfahrene Akteure der Berliner Radiolandschaft. Das Programm wird von der Radio B2 GmbH verantwortet, wobei Oliver Dunk als geschäftsführender Gesellschafter und langjähriger Medienunternehmer die treibende Kraft darstellt.

Das Team von ELLA Radio fokussiert sich auf Jazz, Soul und Blues und nutzt Synergien innerhalb der Sendergruppe, um ein hochwertiges Angebot zu schaffen. Dadurch bleibt die Jazzmusik in Berlin weiterhin stark vertreten, auch wenn JazzRadio Berlin seine UKW-Frequenz verloren hat.

Position und Kritik von JazzRadio

JazzRadio spricht in einem Newsletter an seine Unterstützer von einem „empörenden“ und „grob unfairen“ Entzug der UKW‑Lizenz nach rund 30 Jahren und bezeichnet die Entscheidung als Beleidigung gegenüber Hörern und Team. Der Sender wirft der Medienanstalt vor, einem etablierten, spezialisierten Jazzprogramm die analoge Existenzgrundlage zu entziehen und damit die Interessen eines treuen Publikums zu missachten.

Gleichzeitig hebt JazzRadio hervor, dass es rechtliche Schritte nicht für beendet hält: Man behalte sich vor, die Vergabe in einer Hauptsacheverhandlung umfassend anzufechten, inklusive der Ladung von Zeugen, und berate sich hierzu mit Anwälten. Öffentlich ruft der Sender seine Hörerinnen und Hörer zur Unterstützung auf und schildert den Verlust der UKW‑Verbreitung als symbolträchtigen Einschnitt in der Berliner Radiolandschaft.

JazzRadio verweist seine Hörer auf digitale Empfangswege: In Berlin ist das Programm über DAB+ auf Kanal 7B verfügbar, zudem bundesweit via Internet‑Stream zum Beispiel über die Webseite jazzradio.net/stream/ oder Alexa oder Spotify.

Der Sender kündigt außerdem eine neue App für iOS und Android an und wirbt dafür, dass sich Hörer mit günstigen DAB+‑Radios oder Auto‑Adaptern ausstatten, um das Programm weiter verfolgen und zugleich Unterstützung zeigen zu können.

Bild: Thomas Loyen via Pixabay

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