Überschuldung in Deutschland 2025: Trendwende mit deutlichem Anstieg

Nach sechs Jahren rückläufiger Zahlen kehrt die Überschuldung in Deutschland zurück. Im Jahr 2025 sind 5,67 Millionen Menschen über 18 Jahre überschuldet, das sind 111.000 mehr als im Vorjahr, was einem Anstieg von 2,0 Prozent entspricht. Die Überschuldungsquote steigt auf 8,16 Prozent, nach 8,09 Prozent im Jahr 2024. Damit verzeichnet Deutschland erstmals seit 2018 wieder einen spürbaren Anstieg. Die finanzielle Lage vieler Menschen hat sich verschlechtert, da die finanziellen Puffer nach Jahren des Sparens und der multiplen Krisen, wie der Pandemie, den hohen Energiepreisen und der Inflation, aufgebraucht sind.

Die Überschuldung betrifft nicht nur klassische Risikogruppen, sondern trifft zunehmend auch Menschen aus der Mitte der Gesellschaft. Besonders auffällig ist der Anstieg bei sogenannten Lifestyle-Überschuldeten und Überschuldungspragmatikern, also Personen mit mittlerem oder überdurchschnittlichem Einkommen, die nach Jahren des Verzichts ihren Lebensstandard durch Ersatz- oder Nachholkonsum zu halten versuchen. Überschuldung ist somit kein Randphänomen mehr, sondern betrifft auch Menschen mit stabilem Einkommen und geregeltem Alltag.

Erstmals seit Jahren steigen sowohl harte als auch weiche Überschuldungen parallel an. Harte Überschuldung zeigt sich durch juristisch relevante Fälle wie Vollstreckungen, Inkassoverfahren und Haftbefehle, die um etwa 39.000 Fälle zugenommen haben. Parallel dazu stiegen weiche Überschuldungen, also anhaltende Zahlungsstörungen ohne rechtliche Konsequenzen, um 72.000 Fälle. Diese Entwicklung gilt als Warnsignal für eine breite strukturelle Verschlechterung der privaten Finanzen. Viele Personen rutschen nicht plötzlich, sondern schleichend in die Überschuldung.

Besonders betroffen sind junge Menschen unter 30 Jahren sowie ältere über 60 Jahren. Bei den Jüngeren führt oft Konsum, Kredite und Onlinekäufe zu finanziellen Schwierigkeiten, während sich bei älteren Menschen die steigenden Lebenshaltungskosten und begrenzten Renteneinkommen als Belastung zeigen. Diese Entwicklung führt zu einer neuen Zweiteilung der Überschuldung, bei der die jungen Menschen durch Konsumverhalten und die älteren durch strukturelle finanzielle Knappheit gefährdet sind.

Regionale Unterschiede zeigen, dass in 69 Prozent der Kreise und kreisfreien Städte die Überschuldungsquoten 2025 gestiegen sind, was doppelt so häufig wie im Vorjahr ist. Besonders betroffen sind wirtschaftlich angeschlagene Regionen in Nordrhein-Westfalen sowie Teile von Bayern und Sachsen. Die flächendeckend negative Entwicklung stellt ein Novum nach Jahren des Rückgangs dar.

Die Gründe für den Anstieg liegen vor allem in der nachlassenden finanziellen Widerstandsfähigkeit vieler Haushalte. Ersparnisse und Reserven sind durch die Vergangenheit multipler Krisen aufgebraucht, und die bisherige finanzielle Disziplin vieler Menschen hat sich erschöpft. Die Rücklagen sind weg, das Vertrauen ist angeschlagen, und die Überschuldung kehrt zurück.

Der Ausblick sieht düster aus: Es wird erwartet, dass sich der negative Trend 2026 fortsetzen wird. Steigende Zinsen, hohe Lebenshaltungskosten und ein schwächerer Arbeitsmarkt werden die Situation vermutlich weiter verschärfen. Die Überschuldung könnte damit wieder zu einem ernsten gesellschaftlichen Thema werden.

Titelbild: J S via Pixabay / Grafiken: Creditreform

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