Jüdischer Garten in den Gärten der Welt erhält Berlin-Brandenburgischen Landschaftsarchitektur-Preis 2026

Gärten der Welt: Themengarten Jüdischer Garten / Bildquelle: Lichtschwaermer

Der Jüdische Garten in den Gärten der Welt wurde Ende August 2026 mit dem erstmalig vergebenen Berlin-Brandenburgischen Landschaftsarchitektur-Preis in der Kategorie „Rückgrat“ ausgezeichnet. Mit dem neuen Preis macht der Landesverband Berlin-Brandenburg des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten sichtbar, wie Landschaftsarchitektur Handlungsspielräume eröffnet: Für mehr Zusammenhalt, für neue ästhetische Antworten auf Klimakrise und Artensterben, für technische Findigkeit und Rückgrat im Planungsalltag. Neben dem Hauptpreis wurden zusätzlich Auszeichnungen in sieben Kategorien verliehen – darunter „Rückgrat“, „Nachhaltigkeit“ und „Neue Ästhetik“.

Entsprechend der Begründung der Wettbewerbsjury „zeugt der Garten neben seiner Niederschwelligkeit und atmosphärischen Dichte, von großer Poesie und Klarheit. Mit viel Feingefühl und einem tiefen und sorgsamen Verständnis für die Beziehung zwischen Mensch und Pflanze, beweisen die Planer*innen der ARGE Haltung. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung haben sie einen Ort der Offenheit und des Dialogs geschaffen – einen Garten, in dem die Pflanzen zu Erzählerinnen jüdischer Kultur werden.“

Im Juni 2018 lobte das Land Berlin, vertreten durch die damalige Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und Grün Berlin in Zusammenarbeit mit der vormaligen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen einen künstlerisch-landschaftsplanerischen Gestaltungswettbewerb aus. Als Siegerentwurf und Grundlage für die Entstehung des Jüdischen Gartens ging die Arbeit der ARGE atelier le balto mit Manfred Pernice und Wilfried Kuehn hervor. Im Oktober 2021 wurde der Jüdische Garten in den Gärten der Welt eröffnet.

Naturverständnis im Judentum und interdisziplinäre Herangehensweise als Grundlage

Da keine spezifisch jüdische Gartenbaukultur überliefert ist, basiert der Siegerentwurf der Künstler Manfred Pernice und Wilfried Kühn sowie dem Planungsbüro atelier le balto auf dem Naturverständnis des Judentums, welches Prof. Dr. Yael Kupferberg bereits 2018 im Auftrag der Bauherrin Grün Berlin in einer Studie untersucht hatte: In der Diaspora musste oft ein kleines Stück Erde, eine Fensterbank oder eine Terrasse genügen, auf dem Nutz- und Zierpflanzen sowie Pflanzen für den zeremoniellen Gebrauch gleichermaßen angebaut wurden. Geschichte und Kultur des jüdischen Lebens sind sehr eng mit verschiedenen Pflanzen verbunden. Form und Ästhetik stehen dabei niemals im Vordergrund, sondern das Leben und dessen Erhaltung.

Für die Verfasser des Siegerentwurfs war die kollaborative, interdisziplinare Herangehensweise entscheidend. Die skulpturalen Pavillons von Pernice und die Wege- und Parzellenstruktur von atelier le balto wurden nicht isoliert entwickelt, sondern in einem ständigen Prozess des „gegenseitigen Zuhörens“ aufeinander abgestimmt. Kurator Wilfried Kühn vermittelte dabei zwischen den künstlerischen und landschaftsarchitektonischen Ansätzen und band weitere künstlerische Positionen sowie Historiker*innen ein.

Die bepflanzten Felder des Jüdischen Gartens sind so in ein Netz aus Wegen und Platzflächen eingebettet. Der Grundriss weist auf die jüdische Kultur mit ihren Verflechtungen und internationalen Bezügen hin. Die zwei raumprägenden Pavillons des Künstlers Manfred Pernice dienen an zwei Begegnungspunkten als Treffpunkt und laden zum Verweilen ein. Besonders komplex gestaltete sich die Pflanzenauswahl. Sie verbindet biblische Nutzpflanzen (Feigen, Mandeln, Weinreben) mit Arten, die einen direkten Bezug zu literarischen Werken jüdischer Autoren wie Nelly Sachs oder Heinrich Heine aufweisen.

Entstanden ist so ein lebendiger Garten, der auch das jüdische Leben in Berlin widerspiegelt und nicht allein auf israelischen oder biblischen Vorbildern beruht. Eine enge Verbindung zu seiner Umgebung steht im Vordergrund, keine feste Typologie. Der Garten ist kein fertiges Areal, sondern kann und muss nach dem Prinzip der Fruchtfolgen immer wieder neugestaltet werden. Ökologische Sparsamkeit, ressourcenschonender Umgang mit der Natur und eine aktive Pflege spielten bei der Planung und Umsetzung eine ebenso große Rolle wie die Pflanzenauswahl und Wegeführung.

Die großen Weltreligionen in den Gärten der Welt

Die Darstellung kultureller und religiöser Vielfalt in den Gärten der Welt in Berlin wurde im Oktober 2021 mit dem Jüdischen Garten um ein wesentliches Element erweitert. Auf einer Fläche von ca. 2.000 Quadratmetern wurde der Jüdische Garten in direkter Blickbeziehung zum benachbarten Christlichen Garten eröffnet – eine Aufforderung zum Dialog und zum gemeinsamen Handeln. Er ergänzt die bereits vorhandenen Themengärten und vervollständigt die Darstellung der großen Weltreligionen und Weltanschauungen.

Initiator für die Errichtung des Jüdischen Gartens war die Allianz Umweltstiftung, die bereits 2005 den Bau des Orientalisch-Islamischen Gartens und 2011 den Bau des Christlichen Gartens in den Gärten der Welt unterstützt hat. Die Baukosten für die Realisierung des Jüdischen Gartens betrugen rund 2 Mio. Euro. Die Finanzierung erfolgte mit Mitteln der Axel Springer Stiftung, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Allianz Umweltstiftung.

Bildquelle: Lichtschwaermer

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