Start in die Brandenburger Apfelsaison am 1. September 2022

Apfelernte in Brandenburg.

Mit einer Fläche von 817 Hektar ist die Apfelproduktion der bestimmende Faktor des Brandenburger Obstanbaus. Die Anbaufläche verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr um rund 62 Hektar. Elstar ist weiterhin die beliebteste Apfelsorte.

Vorläufige Meldungen der Ernteberichterstattungen gehen für das aktuelle Jahr von einer Erntemenge von rund 24 100 Tonnen Äpfel aus. Ein Jahr zuvor wurden in Brandenburg nur 22 230 Tonnen Äpfel gepflückt. Die hohen Erträge bei den Äpfeln von 295 Dezitonnen je Hektar sind vor allem auf die geringen Frostschäden in der Blütezeit zurückzuführen.

Der Gartenbauverband lädt am Donnerstag, den 1. September 2022, zum Start in die Brandenburger Apfelsaison in die Obstbauversuchsstation Müncheberg / Eberswalder Str. 84 i, 15374 Müncheberg ein.

Der Klimawandel stellt den Apfel- und Obstanbau aktuell und langfristig vor große Herausforderungen. Durch verfrühten Austrieb der Bäume kommt es häufiger zu Spätfrostschäden, die zu großen Ernteausfällen führen können. Auch extreme Wetterereignisse wie Starkregen, Hagel, Hitze und Dürre erfordern Anpassungen im Anbau. In Verbindung mit den Brandenburger Böden und dem geringen Niederschlag müssen effiziente Lösungen für die Wasserversorgung gefunden werden. Etablierte Schädlinge können vermehrt auftreten und invasive Arten haben höhere Chancen sich zu etablieren.

Vor diesem Hintergrund fordert der Gartenbauverband Berlin-Brandenburg e.V. von der Politik einen klaren Einsatz zum Erhalt der Betriebe. Es bedarf dazu Versicherungslösungen zur Risikoabsicherung, Investitionsförderung für den Witterungsschutz und auch weiterhin die Möglichkeit, gezielten und nützlingsschonenden Pflanzenschutz verbunden mit einem Wirkstoffwechsel betreiben zu können. Die derzeit im Raum stehende pauschale Reduktionslösung der EU-Kommission ist dafür nicht zielführend und wird vom Berufsstand abgelehnt.

Notwendig ist auch eine anwendungsorientierte Begleitforschung zur Bewältigung der klimawandelbedingten Folgen für den Obstbau. Diesen Herausforderungen stellt sich die Obstbauversuchsstation Müncheberg (OBVS) als neue Abteilung der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau und Arboristik e.V. (LVGA). Die Obstbauversuchsstation als gärtnerische Versuchsanstalt versucht beispielsweise mit dem Ringversuch zu ermitteln, welche Anbau-, Bewässerungs- und Schnittmethode eine möglichst ertragssichere, vitale und qualitätsstarke Frucht für den Obstanbau gewährleistet. Aus den Wetterdaten werden Bewässerungs- sowie Pflanzenschutzempfehlungen abgeleitet. Die Kosten sowie die potentiellen Erlöse der unterschiedlichen Methoden werden ebenfalls erfasst und bewertet.

Auch mit dem an der OBVS angesiedelten Brandenburger Netzwerk für Klimaanpassung im Obstbau (BraNKO) soll ein Expertenverbund aufgebaut werden, um den Obstbauern in Brandenburg Handlungsstrategien zur Einstellung auf den Klimawandel zu bieten. Dabei werden vorhandene Forschungsergebnisse gesammelt und aufbereitet, mit dem Ziel konkrete Handlungsempfehlungen zu geben.

Neben den klimatischen Herausforderungen stehen regionale Äpfel aus Brandenburg unter großem Konkurrenzdruck zu Äpfeln aus dem europäischen Ausland. Auch hier fordert der Berufsstand ein klares Bekenntnis des Handels in Zeiten verfügbarer heimischer Saisonware, dieser den Vorzug zu geben. Länder wie Schweden und Norwegen machen dies vor.

Obstbauversuchsstation Müncheberg (OBVS)

Die OBVS wurde im Sommer 2019 der LVGA angegliedert, die Historie geht dabei aber viel weiter zurück. 1927/28 als Kaiser-Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung gegründet führt es heute das gärtnerische Versuchswesen weiter. Insgesamt verfügt die OBVS über 32 ha Versuchsfläche, in Obstkultur befinden sich derzeit noch ca. 8,5 ha. Die LVGA unterhält und entwickelt den sog. Landessortengarten und ist sammlungserhaltender Partner innerhalb des Genbanknetzwerkes „Deutsche Genbank Obst“ für Äpfel (501 Sorten) und Birnen (81 Sorten). Ziel der gärtnerischen Versuchsarbeit ist die Risikominimierung für produzierende gärtnerische Betriebe, der Wissenszuwachs und die Wissensvermittlung. Die OBVS fungiert dabei als ein Verbindungsglied zwischen Grundlagenforschung und der Praxis.

Ein Versuchsbeirat, mit Vertretern aus Praxis, Wissenschaft, Verbänden, Landesbetrieben und begleitet die Arbeit der Versuchsstation. In diesem Gremium werden Fragestellungen der Praxis erörtert, Versuchsparzellen geplant und umgesetzt. Seit 2021 ist die OBVS auch wieder als Ausbildungsstelle anerkannt, derzeit befinden sich zwei Auszubildende in der Ausbildung zum Gärtner der Fachrichtung Obstbau.

Bildnachweis: lumix2004 via Pixabay

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