Medienboard Berlin-Brandenburg: New-Media-Förderung will VR und Gaming stärker berücksichtigen

Die Medienlandschaft hat sich in der jüngeren Vergangenheit stark entwickelt und erweitert. Neue Technologien, die unendlichen Weiten des Internets und eine sich  verändernde Freizeitgestaltung sind Faktoren, die dazu beigetragen haben. In einer sich so stetig entwickelnden und so schnelllebigen Sparte, wie der heutigen Informations- und Unterhaltungsindustrie wird neuen Projekten besondere Aufmerksamkeit zuteil. Es ist auch ein Wechselspiel zwischen dem Auftauchen neuer Strömungen und der Anpassung der Gesetzeslage, das die Gestaltung dieser Welt mitbestimmt. Während zum Verbraucherschutz in regelmäßigen Abständen teils umstrittene neue Regelungen angestrebt werden, die zu Einschränkungen führen, werden auf der anderen Seite auch neue Möglichkeiten eröffnet. So ist es etwa mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag, der zum 01. Juli 2021 in Kraft trat, möglich geworden, dass auch digitale Casino Anbieter als neue und entwicklungsstarke Akteure in der Games-Branche auftreten. Wichtige Innovationen auch im Bereich der virtuellen Realität könnten von ganz unerwarteter Seite kommen. Insgesamt lässt es sich nicht leugnen, dass der wirtschaftlich immer bedeutungsvoller werdende Gaming-Sektor auch in der Region vermehrt in den Fokus rückt. In Zukunft könnte das Portfolio geförderter Inhalte aus dem New-Media-Bereich also noch größer werden.

Die weltweite Digitalisierung und die damit immer größere Bedeutung moderner Medien haben die Förderung besonderer Projekte auch auf staatlicher Ebene angetrieben. Das Thema Medienförderung hat in den meisten Bundesländern einen festen Platz gefunden. Neben Film-, Funk- und Fernsehprojekten haben vor allem auch Themen wie Virtual Reality (VR) und Gaming in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Die New-Media-Förderung in Berlin und Brandenburg hat dieser Entwicklung in der Auswahl ihrer Projekte Ausdruck verliehen und mit dem Förderprogramm für das Jahr 2022 neue Schwerpunkte gesetzt.

Berlin setzt auf New-Media-Förderung

Medienförderung ist kein ganz neues Thema. Vor allem Aspekte des Informationsjournalismus haben aus medienökonomischen und medienpolitischen Gründen schon seit Jahrzehnten ihre Daseinsberechtigung auf der Agenda der Bundesländer.

Standen lange Zeit neben den Printmedien vor allem Projekte aus dem Film-, Funk- und Fernsehbereich im Zentrum des Interesses, hat die fortschreitende Digitalisierung den Fokus nach und nach verschoben. New-Media-Förderung heißt das Stichwort, das vor allem digitale Trends wie die stark boomende Gamingbranche und die Entwicklung moderner VR-Technologie in den Vordergrund rücken. Damit reagiert die Medienförderung auf anhaltende Trends der Branche, die sowohl das Interesse der Konsumenten als auch die Entwicklung moderner Medien als Wirtschaftsfaktor widerspiegeln.

Das Thema Gaming ist bereits seit einigen Jahren Teil der gezielten Medienförderung am Standort Berlin und Brandenburg. Innovative Entwicklungen aus der Branche werden im Rahmen der New-Media-Förderung gezielt unterstützt, um die Region auch als Wirtschaftsstandort für Spieleentwickler interessant zu machen. Ein eher neuer Programmpunkt auf der Agenda der Medienförderung ist das Thema Virtual Reality. In diesem Bereich wurden in den letzten Jahren bahnbrechende Entwicklungen erreicht, die die zunächst eher fiktiv anmutende Technologie zu einem interessanten Teilaspekt der Medienbranche gemacht haben. Diesem Trend trägt auch das Medienboard Berlin-Brandenburg im Rahmen der New-Media-Förderung Rechnung und will in Zukunft mehr Projekte aus dem Bereich Virtual Reality unterstützen. Bereits die neue Projektliste für das Förderjahr 2022 stellt die Weichen für eine zukunftsorientierte Medienförderung in der Region.

Medienboard Berlin-Brandenburg eröffnet Förderjahr 2022

Das Medienboard Berlin-Brandenburg unterstützt alljährlich eine Vielzahl unterschiedlicher Projekte aus der Medienbranche. Am 28. Februar wurde die Verteilung der Gelder für das Förderjahr 2022 in einer offiziellen Pressemittelung bekannt gegeben. 1,4 Millionen Euro werden zur Verfügung gestellt und kommen insgesamt 15 Projekten aus den Bereichen Film und Fernsehen, Games und VR zugute.

Das größte Stück vom Kuchen erhält in diesem Jahr ein serielles Format. Mit 300.000 Euro unterstütz das Medienboard Berlin-Brandenburg die Serie „Sophia – die schnellste Frau der Welt” aus der Ideenschmiede der Gebrüder Beetz Filmproduktion. Das Format ist eine Dokumentation in Serienform über die 21-jährige Rennfahrerin Sophia Flörsch, die aufbrach, um in der Männerdomäne der Formel 1 Fuß zu fassen. Nach großen Erfolgen erlitt die Ausnahmerennfahrerin einen schweren Unfall, der sie fast das Leben gekostet hätte, kämpfte sich nach ihrer Genesung aber mit viel Mut und sportlichem Ehrgeiz zurück in das umkämpfte Startfeld. Die Geschichte von Sophia Flörsch erzählt von einer mutigen und ehrgeizigen Frau, die sich von männlicher Dominanz nicht abschrecken lässt und damit ganze Generationen von Frauen inspirieren kann.

Besonders erfreut zeigten sich die Juroren über die zahlreichen Anknüpfungspunkte mit dem Partnersender RTL ZWEI und dem Streamingdienst RTL +. Hier konnten in Kooperation mit den Anbietern gleich zwei vielversprechende Formate in die Förderung mit aufgenommen werden: die Doku-Serie „110 Polizei Berlin – Die Nachwuchscops” und die Doku-Serie „(Il)legal High”. Die Entwicklerstudios DOKfilm und strandgutmedia freuten sich über die Förderung der vielversprechenden Projekte im fünfstelligen Bereich.

Weitere serielle Formate auf der Förderliste für das Jahr 2022 kommen vor allem aus dem Dramedy-Genre. Besonderen Eindruck machte auch die interaktive Talkshow „Most wanted: Roommates” von FACTORY-C, die zeigt, wie die Gaming-WG des Moderatorenteams Stefanie Langer und Maurice “Mori” Lange unter prominenten Bewerbern nach einem Zimmergenossen sucht. Das in Berlin-Kreuzberg angesiedelte Format darf eine Produktionsförderung von 110.000 Euro in sein Budget einplanen.

VR und Games rücken stärker in den Fokus

Neben seriellen Formaten geht ein beachtlicher Teil der Fördergelder in diesem Jahr an die Gamingbranche. Die beiden am stärksten geförderten Spieleentwicklungen übertreffen gemeinsam sogar den Topf, den die vielversprechende Dokumentation über Sophia Flörsch in Anspruch nehmen darf.

In diesem Jahr darf sich „Pirates“, ein Story-fokussiertes Action-Adventure aus dem Entwicklerstudio Happy Broccoli Games über eine Produktionsförderung in Höhe von 200.000 Euro freuen. Die Hauptfigur im Spiel nimmt an einer Fernsehsendung teil, bei der es darum geht, einen verborgenen Schatz zu finden. Der Titel „Pirates“ ist nach Angaben der Entwickler noch nicht endgültig. Das Spiel wird möglicherweise unter einem anderem Titel auf den Markt kommen.

Der zweite Spieletitel, der eine satte Förderung einstreichen darf, ist „Peppered“. In dem 2D-Projekt mit Erzählhintergrund aus dem Hause Mostly Games stehen Entscheidungen und ihre Auswirkungen im Vordergrund. Das Spiel nimmt gesellschaftskritische Aspekte satirisch aufs Korn und verdeutlicht, dass jede Entscheidung der Spieler den Spielverlauf verändert, und zwar nicht unbedingt zum Guten. Durch die Möglichkeit, über Fehlentscheidungen letztendlich auch zu scheitern, präsentiert „Peppered“ eine fiktionale Auslegung realistischer Lebensumstände. Dieser innovative Ansatz ist dem Medienboard eine Förderung in Höhe von 150.000 Euro für Entwicklung und Produktion des Titels wert.

Drei weitere Spieletitel dürfen sich in diesem Jahr über eine Förderung in Höhe von rund 30.000 Euro freuen. Diese Vielfalt wird deutlich, dass moderne Medienformen in Zukunft stärker berücksichtigt werden sollen.

Auch die modernen Möglichkeiten der VR-Technologie sind dem Medienboard zufolge förderungswürdig. Besonders überzeugt hat die Juroren das Escape-VR-Game „Critical Fear“ von GameExPro. Das Spiel folgt dem Trend der Escape Games, die die Branche schon länger erobern und inzwischen auch in digitaler Form auf breite Akzeptanz stoßen. In „Critical Fear“ werden die Spielenden via VR-Brille zu Geisterjägern, die verschiedene von Spuk heimgesuchte Häuser von bösen Geistern befreien möchten. Der Escape-Charakter entsteht durch verschiedene Rituale, die durch logisches Denken und das Lösen von Rätseln durchgeführt werden müssen. Entwicklerstudio GameExPro erhält von der New-Media-Förderung 85.000 Euro zur Unterstützung von Entwicklung und Produktion dieses innovativen Titels.

 Die New-Media-Förderung nimmt einen immer größeren Stellenwert in den staatlichen Medienförderprogrammen ein. Diese Entwicklung spiegelt den anhaltenden Trend in der Medienwelt wider, der vor allem neuen digitalen Sektoren den Weg ebnet. Gaming und VR gehören zu den zukunftsträchtigsten Themenbereichen und zeigen, wie stark die Entwicklung neuer Technologien auch mit der Medienbranche vernetzt ist und diese beeinflusst. In der Medienförderung werden digitale Trends und neue Technologien künftig eine immer größere Rolle spielen.

Bildnachweis: @JanBaby CC0 via pixabay.com

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